17. Mai 2018, 21:58 Uhr

Streitbar gegen Extremisten

17. Mai 2018, 21:58 Uhr
Gedenken an den Stolpersteinen in Kirtorf, links Albert Naumann, rechts Stadtverordnetenvorsteher Dieter Wössner und Erster Stadtrat Karl Heinrich Laudon. (Foto: pm)

Für eine streitbare Demokratie treten die Aktiven des Aktionsbündnisses für Vielfalt gemeinsam mit Vertretern der Stadt Kirtorf ein. Das zeigten sie mit einer Kundgebung am Tag, an dem 1945 der 2. Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Dabei bekräftigte Bürgermeister Ulrich Künz, dass die vor Jahren verabschiedete Resolution gegen Rechtsextremismus weiterhin gültig ist.

Zum Gedenktag kamen von der Stadt Vorsteher Dieter Wössner, Künz, Erster Beigeordneter Karl Heinrich Laudon und Ortsvorsteher Benjamin Pletzenauer zusammen. Ihnen und den weiteren Teilnehmern brachte Pedro Valdivielso die elf Stolpersteine in Erinnerung, die der Künstler Gunter Demnig vor Häusern ehemaliger jüdischer Bewohner verlegt hat. Demnig wohnt seit einiger Zeit in einem Alsfelder Stadtteil.

Allein in Hessen wurden die kleinen Gedenkblöcke in mehr als 170 Orten verlegt. Die Stolpersteine halten »die Erinnerung an die Vertreibung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig«, sagte Valdivielso.

Vor dem Haus Marburger Straße 54 liegen sie für Albert und Gitta Kaufmann, Therese Sommer, Theodor und Hans Siegbert. Dort behandelte Albert Naumann die Frage, warum das Aktionsbündnis das in die Wege geleitet hat. Es gehe darum, daran zu erinnern, wozu Menschen fähig sind und dass jeder von Berlin bis Kirtorf die Verantwortung habe, dass dies nie wieder passiert.

Gegen rechte Parolen

Helmut Gläser erinnerte daran, dass die Bundesregierung vor sieben Monaten beschlossen hat, sich der internationalen Definition von Antisemitismus anzuschließen. Antisemitismus sei demnach »eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann«.

Damit habe die Bundesregierung ein klares Zeichen gesetzt, dass Judenfeindlichkeit in Deutschland weder geduldet noch toleriert werde. Das gelte auch für die Großgemeinde Kirtorf. Zum 8. Mai erläuterte Katja Depoi, dass der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker ihn als »Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft« bezeichnet hat. Von Weizsäcker habe besonders an junge Leute appelliert: »Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder gegen Türken, gegen Alternative oder gegen Konservative, gegen Schwarz oder gegen Weiß.« Man solle lernen, miteinander zu leben, nicht gegeneinander. Christiane Finking zitierte aus einem Gedicht. Darin wird geschildert, wie ein Mensch nach und nach aus der Gesellschaft ausgesondert wird. Schließlich bekommt er den Befehl, sich bei einer Stelle zu melden und wenig mitzunehmen. Das gipfelt im Satz: »Wir sind ja trotz allem Menschen.« An die Resolution gegen Rechtsextremismus von 2004 erinnerte Reinhold Göllner. Sie wurde von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beschlossen.

Valdivielso fügte an, wer meine, bei den Bürgern gut anzukommen und die Parolen der rechten Populisten nachbete, der mache diese salonfähig. In der Demokratie dürfe kein Mensch wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. In einer streitbarer Demokratie müsse sich die Gesellschaft gegen Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zur Wehr zu setzen.

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