07. Mai 2018, 12:05 Uhr

Historischer Rundgang

Einst kam auch hartes Brot auf den Tisch

Einst haben die Kirtorfer ihr Brot im Backhaus selbst gebacken, Handwerker bestimmten das Alltagsbild. Die alten Zeiten, die nicht immer »gut« waren, erkunden die Drittklässler der Grundschule.
07. Mai 2018, 12:05 Uhr
Beim Schüler-Rundgang in Kirtorf stellt Reinhold Wolf das Backhaus vor. (Foto: jol)

Bei einem Rundgang sahen sie die alte Landwehr, sahen die alte Mühle, schauten neugierig in den großen Ofen des Backhauses und wurden auf der Viehwaage gewogen. Möglich war das durch den Heimatverein, für den Reinhold Wolf und zwei Aktive eine Führung zu besonderen Plätzen organisiert hat. Mit Interesse beteiligten sich die Neunjährigen am Frage-Antwortspiel zur Geschichte der Kernstadt. Ein wenig Phantasie gehörte allerdings dazu.

So war der Kilber Platz unterhalb der Kirche früher Standort von zwei Fachwerkhäusern, in denen ein Schuster und ein Sattler ihre Werkstätten hatten. Die Gebäude wurden vor Jahren abgerissen, damit der Straßenverkehr besser durch die S-Kurve kommt. »Die Laster sind immer größer geworden, da standen die Gebäude im Weg,« erläuterte Wolf. Erhalten blieb die ehemalige Stadtmühle, ein stattliches Fachwerkhaus gegenüber der Kirche an der Durchgangsstraße. Wolf zeigte auf eine Lücke zwischen zwei Nachbargebäuden, »da ist früher der Mühlgraben verlaufen«.

Im nahen Backhaus stand die Bedeutung des »täglichen Brotes« im Mittelpunkt. Erstaunt waren die Jungen und Mädchen, wie groß der Backraum ist. Einst waren die Brote locker doppelt so groß wie heutige Laibe. Angeheizt wurde mit Holz, Hitze und Rauch zogen durch drei Züge oberhalb des Brennraums ab. Dadurch wurde auch die Oberseite des Backraums angeheizt. »Die Frauen haben meist den Teig gemacht und kräftig geknetet, die Männer waren für das Heizen zuständig,« erläuterte Wolf. Die Lebensverhältnisse waren einst deutlich anders, so wurde das Brot alle paar Tage gebacken und noch gegessen, wenn es hart oder schimmelig geworden war. Die Häuser hatten oft kein Bad, dafür gab es Gemeinschafts-Baderäume oder man stellte eine Wanne in der Küche auf.

Besondere Erwähnung beim Rundgang fand die alte Stadtbefestigung, so war an der Landwehrstraße wohl einst ein Graben mit einer Dornenhecke zum Schutz der Ortslage. Die Reisenden konnten durch die Stadttore in den Ort gelangen, »das war auch wegen der Steuern wichtig«, sagt Wolf. Die Stadttore werden beim stehenden Festzug zu den Jubiläumsfeiern in Originalgröße nachgestellt.

Ungläubige Blicke gab es beim Rundgang zunächst, als Wolf auf den Bereich der Bushaltestelle verwies, wo einst zwei Fachwerkhäuser standen. Die Gebäude wurden abgebaut und am Ortsrand wieder aufgestellt, um Platz für die Durchgangsstraße zu schaffen. Dabei wurde die Fahrbahn auf einen Damm verlegt, der in eine Brücke über die Omena übergeht. Noch heute kann man das ehemalige Straßenniveau in den angrenzenden Bereichen gut sehen.

Auf der Viehwaage nahe der Tankstelle wurden die Kinder gruppenweise gewogen. Das einst für die Bauern so wichtige Messgerät wird nur noch selten genutzt, erzählte Wolf. Am ehemaligen Schwimmbad vorbei ging es weiter zum Schmerofen, um schließlich die Schlussrunde im Museum zu drehen. Dort malten die Kinder Bilder zu einer Station des Rundgangs. Die besten Bilder werden prämiert und später für Eintrittskarten des Museums verwendet.

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