»Wir sind dann mal weg.« So lautete das Motto des Vortrags von Peter Kraus aus Weickartshain, zu dem der Obst- und Gartenbauverein kürzlich eingeladen hatte. Vorsitzender Alwin Werth begrüßte viele Besucher zum Thema »Ein Abend für Bienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge und Co.«. Referent Peter Kraus hat sich seit vielen Jahren mit dem Rückgang der heimischen Insektenvielfalt und der Vogelwelt beschäftigt. »Beides gehört zusammen«, sagt Kraus. Viele Besucher ließen am Ende aber durchblicken, dass das eigentliche Thema Biene, Hummeln, Käfer und Co. leider etwas zu kurz gekommen sei. Die Anklage der Schuldigen für die Misere zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Politik, Industrie, Landwirte, Lehrer und Erzieher, Hausbesitzer und der Mensch generell bekamen ihr Fett weg.

In den letzten Jahren habe man schleichend Abschied von Rebhühner, Kiebitz, Fasan, Feldhase, Feldhamster und Wachtel genommen, erinnerte der Referent. Auch Feldvögel wie Feldsperling, Bluthänfling, Braunkehlchen und Wiesenpieper verzeichneten Rückgänge von weit über 50 Prozent. »In erster Linie ist der Mensch schuld«, diagnostizierte Kraus. Verluste durch natürliche Feinde der Vögel wie Waschbären, Steinmarder, Elster, Rabenkrähen bezeichnete er hingegen als »Peanuts«. Viele Menschen verlangten billige Nahrungsmittel, wie etwa beim Fleisch, und die Landwirtschaft soll diese in Verbindung mit den großen Handelsketten liefern.

Herbizide kommen zum Einsatz, der erste Grünschnitt und die Silomahd erfolgten zu früh und würden voll die Brutzeit und Setzzeit der Vögel und anderer Tiere treffen, sagte Kraus. Die Aufzucht des Nachwuchses werde gestört und dieser teilweise vernichtet. Aus seiner Sicht sind Rundballen ein Segen für die Landwirtschaft, aber ein Fluch für die Artenvielfalt. In einer optimalen Wiese seien Blumen und Gräser nicht mehr erwünscht. Margeriten, Klatschmohn und Kornblumen müsste man heute schon suchen. Auch der Einsatz von Chemie sei ein großes Problem.

Die Insekten würden immer weniger, was man auch als Autofahrer feststellen könne. Es gebe kaum noch mit toten Insekten übersäte Windschutzscheiben. Der Rückgang der Insektenwelt bedeute aber auch einen Rückgang der Gartenvögel. So gebe es kaum noch Haus- oder Bauerngärten wie früher. Heutige Gärten seien »oft pflegeleicht und tot«. Vorgärten seien geschottert und gepflastert, kämen Betonwüsten gleich. Grasschnitte erfolgten auch im Hausgarten zu oft und zu intensiv. Kraus fordert dazu auf, auf mehr Blumen- und Kräutervielfalt zu achten. Eine kleine Ecke im Garten oder im Hof genüge oft schon, um Insekten anzulocken.

Denn über eines müsse man sich im Klaren sein: »Fehlende Insekten – keine Bestäubung – keine Pflanzen – keine Nahrung für die Tiere.« Mit den Vorträgen will er ein Bewusstsein schärfen, dass sich unbedingt etwas ändern muss, sagt Kraus. Auch Obst- und Gartenbauvereine könnten dem Insektensterben entgegentreten. Der Schulung von Kindern bereits in den Kitas und in den Grundschulen kommt hier eine besondere Aufgabe zu.

Vorsitzender Alwin Werth bedankte sich bei Peter Kraus für den Vortrag und verwies noch einmal auf die am kommenden Sonntag, 6.Mai, um 6 Uhr stattfindende Vogelstimmen-Wanderung mit Tilmann Oeppert vom NABU. Treffpunkt ist der Bolzplatz in Kestrich.

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