27. April 2018, 12:00 Uhr

Ahnenforschung

Heiße Spur führt ins Leere

Das ist selten: Ein Ehepaar aus Entgland sucht Spuren seiner Ahnen in Gemünden. Die Archivare schauen nach und entdecken: Das Ehepaar ist einem schlampigen Gutachten aufgesessen.
27. April 2018, 12:00 Uhr
Margret und John Adams aus Großbritannien, rechts Ulrich Kratz vom Gemeindearchiv bei der Suche nach dem Vorfahren. (Bild: ek)

Vor wenigen Tagen hatten Mitarbeiter des Gemeindearchivs Besuch aus England. Margret und John Adams hatten die Reise von Brighton auf sich genommen, um sich in Gemünden auf die Spuren eines Vorfahren zu begeben. Frau Adams Vorfahre war Deutscher, der 1836 nach England ausgewandert war, dort geheiratet und sich aus einfachsten Verhältnissen eine solide Existenz aufgebaut hatte.

Schon in England hatte ein Internetrechercheur ein Gutachten im Auftrag der Familie erstellt, die Spur führte nach Burg-Gemünden. John Adams fragte sich daraufhin zunächst telefonisch durch und landete bei Roland Albert, der sich der Sache annahm. Verblüffender Weise waren alle Daten tatsächlich mit denen eines Ortsbürgers aus Burg-Gemünden identisch und sogar das Taufdatum stimmte genau. Das einzige Problem war der Umstand, dass der Mann aufgrund der vorhandenen Unterlagen auch in Burg-Gemünden verstorben war und somit keine englische Familie gegründet haben konnte.

Große Enttäuschung

Die Enttäuschung über das Ergebnis war bei den Gästen aus England groß, da man wahrscheinlich einer Firma aufgesessen war, die auf schnelles Geld aus war und ihre Recherchen wohl recht schlampig durchgeführt hatte. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass das gleiche Gutachten mit den Daten aus Burg-Gemünden plötzlich auf Gemünden/Wohra verwies. Und so gilt auch in diesem Bereich: Vorsicht vor seriös scheinenden und sehr preiswerten Internetofferten.

Ulrich Kratz vom Gemeindearchiv Gemünden recherchierte in seinen umfangreichen Familiendatensätzen aus der hiesigen Gegend und fand noch einige Namensvettern, die aber alle nicht zutreffen konnten. Daneben führten die Passagierlisten der Schiffe, die die Auswanderer im 19. Jahrhundert beförderten, zu keinen weitergehenden Erkenntnissen.

Nach dreistündiger Arbeit mussten die ehrenamtlichen Archivmitarbeiter schließlich feststellen, dass man in diesem Fall nicht weiterhelfen konnte. Das englische Ehepaar bereute es dennoch nicht, nach Burg-Gemünden gekommen zu sein, gefiel ihnen doch die Landschaft und die Natur, die gerade im Frühjahr ihre besonderen Reize hat, wie die Gäste betonten.

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