25. April 2018, 21:58 Uhr

Der aus der Kälte kommt

25. April 2018, 21:58 Uhr
Als Gabelstaplerfahrer in Russland fing Leo Schulz an, er kennt Arbeiten bei minus 52 Grad Celsius – das kann ihm in der mittelhessischen Region nicht passieren. (Foto: pm)

Seit 25 Jahren begrüßt Leo Schulz seine Kollegen immer mit einem »wunderschönen guten Morgen« – davon konnten ihn bisher weder der Fund von Handgranaten noch die Wasserfontäne einer Drainage abbringen. Der Kirtorfer arbeitet als Messgehilfe im vermessungstechnischen Außendienst beim Amt für Bodenmanagement (AfB) in Marburg. Zur Feierstunde anlässlich seines Jubiläums hat er seinen Werdegang Revue passieren lassen.

Leo Schulz beherrscht »Vermessung der alten Schule«. Lot, Winkelprisma, Messband, Fluchtstäbe und ein Spaten, mehr war für das Auffinden von Grenzpunkten, Grundstücksteilungen oder Gebäudeeinmessungen vor 25 Jahren oft nicht erforderlich.

Auch Entfernungsmessungen über große Distanzen und Winkelmessungen mit einem Theodolit (optisches Winkelmessgerät) sind für ihn genauso selbstverständlich wie heutige moderne Messmethoden mit GPS (Globales Positionsbestimmungssystem) und das Steuern seines orangefarbenen Messbusses. »In der Natur zu sein, viel Kontakt zu Menschen zu haben und jeden Tag etwas Neues kennenzulernen, das schätze ich besonders. Doch die Arbeit kann auch mal gefährlich werden oder überraschend sein«, berichtet Schulz während einer kleinen Feierstunde anlässlich seines Jubiläums.

»Um Grenzsteine zu finden, muss oft gegraben werden. Einmal schoss dabei plötzlich eine Wasserfontäne fünf Meter in die Höhe. Wasserleitung getroffen? Nein! Nur eine verstopfte Drainage, die durch den Schlag mit dem Spaten endlich Druck ablassen konnte. Mein absoluter Ausnahmefund ist jedoch schon sehr lange her. An einem Grenzstein stieß ich mit dem Spaten auf eine Sammlung von Handgranaten und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich hatte Riesenglück. Sie waren noch funktionsfähig, die damals alarmierten Experten vom Kampfmittelräumdienst bestätigten es.«

»Zuverlässig, hoch motiviert, freundlich und stets gut gelaunt, so stellte sich Leo Schulz schon oft erfolgreich neuen Herausforderungen«, beschreibt Amtsleiterin Stefanie Flecke Wesen und Werdegang des Jubilars, und der Personalratsvorsitzende ergänzt: »Er wird von allen Kolleginnen und Kollegen im Amt für Bodenmanagement Marburg sehr geschätzt.«

Seinen beruflichen Werdegang begann Leo Schulz jedoch an einem ganz anderen Ort. Leo Schulz startete als Gabelstaplerfahrer auf einem Flughafen in Nordwestrussland in den Beruf. Bis 1990 arbeitete und lebte er hauptsächlich in seinem Geburtsort Syktywkar. Wie sich minus 52 Grad Celsius anfühlen, erlebte er in Russlands Norden während seiner Zeit bei der Armee.

1991 siedelte er mit seiner Familie nach Deutschland um, fand in Kirtorf seine zweite Heimat und fühlt sich seitdem dort sehr wohl. Beruflich führte sein Weg zunächst in die Metallverarbeitung, danach verpackte und bewegte er tonnenweise Süßigkeiten bei einem italienischen Hersteller. Im Jahre 1993 entschied sich Schulz für eine Tätigkeit bei der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation (damals: Hessisches Landesvermessungsamt) und trat seinen Dienst in Wiesbaden an.

Er gehörte zu einem Vermessungstrupp, der für großflächige Qualitätsverbesserungen der Vermessungspunktfelder zuständig war. 2005 wechselte er zum AfB nach Marburg. Durch seine Arbeit lernte Schulz Nord- und Mittelhessen kennen, besonders die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg und Main-Kinzig sowie sein heutiges Einsatzgebiet Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf.

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