23. April 2018, 08:00 Uhr

Rechtsradikale

Freches Auftreten der Rechten gestoppt

Vor 15 Jahren traten die Aktiven des Bündnisses für Vielfalt an, um dem braunen Spuk in Kirtorf Paroli zu bieten. Inzwischen sind die »Berserker« aus dem Straßenbild verschwunden.
23. April 2018, 08:00 Uhr

Vor Jahren galt Kirtorf als Hochburg der Rechtsextremen – wo sind die Hauptakteure von einst hin?

Anja Köhler: Auch heute noch kommen die Rechten zum Kirmesabend und feiern mit uns. Aber sie halten sich zurück. Da hat sich etwas verändert.

Dieter Schmidt: Ich bin im Jahre 2004 zum Aktionsbündnis gestoßen. Damals hat uns die Kontraste-Sendung (mit Aufnahmen von einem Rechtsrock-Konzert im Kirtorfer Partyraum eines Landwirts) die Augen geöffnet. Damals haben sie immer den Hitler-Geburtstag gefeiert. Aber sie merken, wir beobachten sie und im Moment trauen sie sich nicht mehr so offen aufzutreten.

Pedro Valdivielso: Die Rechten treffen sich und trinken gemeinsam. Wenn sie etwas machen, dann bekommen wir das mit.

Woran liegt es, dass die Rechtsextremen nicht mehr so selbstbewusst in Erscheinung treten?

Valdivielso: Wir vom Aktionsbündnis haben drei, vier Jahre richtig gepowert. Wir haben Fahrten, Begegnungen und Treffen vor allem für junge Leute angeboten. Das hat vielen gezeigt, was es außerhalb der Stadtgrenzen noch so gibt. Das hat vibriert und wirkt heute noch nach. Viele gucken jetzt genauer hin.

Antoine Mansueto: Das merkt man auch an so einer Veranstaltung wie dem Vielvölkerabend in der Gleentalhalle. Die Idee kam nicht von uns, damit sind andere an uns herangetreten. Dasselbe war der Fall beim Verlegen der Stolpersteine, die an jüdische Opfer des Dritten Reichs erinnern. Auch da kam der Anstoß nicht von uns. Die Vereine in Kirtorf haben sich weiterentwickelt.

Schmidt: Vielen sind erst im Lauf der Zeit die Augen geöffnet worden und sie haben dann gemerkt, wie gefährlich die rechte Szene ist. So sind 180 Leute gekommen, als wir den Film »Blut muss fließen« von Peter Ohlendorf gezeigt haben. Viele waren echt erschrocken, wie schlimm die Szene ist.

Die rechten Akteure sind also nicht verschwunden, sondern vielmehr nur in Deckung gegangen?

Valdivielso: In manche Ortsteilen haben bei der letzten Wahl viele für Parteien mit rassistischen Strömungen gestimmt. Es gibt immer noch einige Menschen in den Ortsteilen, die den Hass unterstützen. Es ist schon eine bestimmte Haltung vorhanden. Es ist eine Aufgabe für uns, darauf zu achten, dass sie nicht zu laut werden.

Bekommen Sie Gegenwind von Leuten, die einen Schlussstrich ziehen möchten?

Valdivielso: Wenn man früher gesagt hat, dass man aus Kirtorf ist, haben die Anderen braun gesehen. Das ist nicht mehr so, es ist besser geworden. Früher gab es zwei Arten von Nestbeschmutzern: Die Rechten und wir, die wir uns dagegen gestellt haben.

Köhler: Da kam dann der Vorwurf, ihr baut die doch nur auf. Dann hieß es, das sind doch nur Jugendsünden, die Jungs aus dem Ort werden schon noch vernünftig.

Wo sind die Rechtsextremen von einst hin?

Valdivielso: Einige sind weggegangen, aber andere in der Gegend geblieben. Sie wohnen in Alsfeld, Feldatal, Kirtorf und Homberg und halten den Kontakt zueinander. Ob sie Aktivitäten veranstalten, weiß ich nicht.

Schmidt: Das ist wie in der Sage vom Ungeheuer von Loch Ness. Es ist untergetaucht und kann jederzeit wieder an die Oberfläche kommen.

Valdivielso: Gerade in unserer heutigen Zeit, in der eine Partei mit einem rassistischen Programm Erfolg hat, meinen manche, sie können nun wieder mehr an die Öffentlichkeit gehen, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Es gibt einzelne, die weiter rechte Propaganda betreiben.

Köhler: Manche sind auch ausgestiegen und kümmern sich um die Familie. Die fallen nicht weiter auf.

Wie geht das Aktionsbündnis damit um?

Schmidt: Wir sind eher ein lockerer Zusammenschluss. Wir haben noch die Adressen von den bisherigen Mitstreitern. Wenn etwas ist, dann wären alle wieder da. Der Kreis derer, die Gesicht zeigen, ist inzwischen größer geworden.

Valdivielso: Dabei sind wir als Aktionsbündnis nicht alleine. Wir arbeiten mit dem Beratungsnetzwerk und dem Netzwerk Demokratie zusammen. Unterstützt werden wir vom Bürgermeister, dem Parlament und den Vereinen. Eine wichtige Aufgabe bleibt, dafür zu sorgen, dass keine neuen Leute in die rechte Szene kommen.

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