24. März 2018, 08:00 Uhr

Nachbarn

Erbitterter Streit um Brücke

Bei diesem Streit kann es wohl keine Sieger geben. Die Einen wollen ihre Ruhe haben, die Anderen brauchen den Parkplatz für ihre Gaststätte. Und nun ist noch die Brücke in Ermenrod baufällig.
24. März 2018, 08:00 Uhr
Finden wegen der Brücke zu ihrem Haus keine Ruhe: Christel und Willi Schött in Ermenrod. Ein Schild weist die Brücke sogar als einsturzgefährdet aus. Trotzdem ist neulich ein Reisebus darüber gefahren. (Fotos: jol)

Dieser Tage hielt Christel Schött die Luft an, als sie einen Reisebus mit gut 40 Passagieren an Bord über die Brücke zu ihrem Grundstück rangieren sah. »Ich dachte noch, vielleicht bricht die Brücke zusammen und die Leute verletzen sich,« erinnert sich die resolute Frau. Dass sie und ihr Mann Willi den Besucherverkehr auf ihrem Grundstück ertragen müssen, liegt an einem eingetragenen Recht für die nahe Gaststätte »Froschkönigs Bauernstube«.

Im Grundbuch steht nämlich, dass die auf der anderen Straßenseite gelegene Speisegaststätte die Fläche als Parkplatz nutzen darf. Das ist wichtig für den Erhalt der sieben Arbeitsplätze, argumentiert Wirt Martin Geisler. Eine ungewöhnliche Situation, die die Gemeinde nicht ändern kann, wie Erster Beigeordneter Daniel Wolf sagt.

Bei Christel Schött dagegen liegen wegen des lang andauernden Disputs die Nerven blank. Wie sie im Gespräch lebhaft unterstreicht, leidet die Gesundheit unter dem Streit um Parkplatz und Brücke. »Wenn das so weiter geht, dann lande ich noch im Krankenhaus,« seufzt sie beim Blick aus dem Fenster des Wohnhauses auf Vorgarten und den umstrittenen Parkplatz.

Das Haus liegt kurz hinter dem Ortseingang Ermenrods aus Richtung Mücke rechter Hand. An der Durchgangsstraße verläuft der Eichenbach, der von einer asphaltierten Brücke überspannt wird. Mit einem Schild weist das Ehepaar Schött darauf hin, dass die Benutzung des Parkplatzes nur für Gäste des »Froschkönigs« zugelassen ist.

Die Nutzung als Parkplatz ist als Grunddienstbarkeit im Grundbuch eingetragen, zeitweise steht der ganze Platz voll mit den Autos von Gaststättenbesuchern, erzählt Christel Schött. 450 Quadratmeter würden als Parkfläche genutzt, das Grundstück sei 2300 Quadratmeter groß. Die Schötts ärgern sich besonders über das Zustellen ihrer Garage, denn auch sie müssen über die Brücke, wenn sie zu ihrem Haus wollen. Gerade an Wochenenden herrscht viel Betrieb vor ihrem Wohnhaus, kritisieren sie. Hinter dem Grundstück verläuft ein Feldweg, von dort aus können sie aber nicht zu ihrem Grundstück.

Ein Zusatzproblem ist die Brücke. Das Bauwerk habe Risse, ein Bautechniker habe sie für baufällig erklärt. Normale Autos könne sie aushalten, aber für schwerere Fahrzeuge sei sie nicht geeignet. Unklar ist, wer für den Erhalt der Brücke aufkommt. Hier vertritt Christel Schött die Position, dass die Brücke Eigentum der Gemeinde ist. Denn ein Gutachter habe das Grundstück ausgemessen und die Grenze liege am Bachufer. »Die Bachmauer gehört der Gemeinde, das Grundstück beginnt erst dahinter,« sagt Schött unter dem Nicken ihres Ehemannes. Zudem sei das Bauwerk aus den 1730er Jahren, also kein Privateigentum.

»Brauchen den Parkplatz«

Das sieht Erster Beigeordneter Daniel Wolf anders. Die Gemeinde sei bereits seit Jahren mit dem Fall befasst, den Verlauf der Gespräche hat er den Akten entnommen. Ergebnis: »Die Eichenbachbrücke ist Privateigentum und sie dient nur dem Zweck der Zufahrt zu dem Grundstück Schött.« Die Gemeinde habe bereits vor Jahren versucht, als Vermittler zwischen den Schötts und den Geislers zu wirken, »da war keine Einigung zu erzielen«.

Die nicht geklärte Frage, wer für die Brücke aufkommt, ist auch ein Hindernis bei einem Verkauf des Grundstücks. Denn die Schötts würden gern das Areal verkaufen, aber Parkplatz und Brückenschäden senken den Verkaufspreis deutlich.

Eine kurzfristige Lösung ist für das Gastwirtepaar Geisler nicht absehbar, man habe das Objekt wegen des Parkplatzes und der Lage gekauft, erläutert Martin Geisler. Gerade an Wochenenden brauche man den Parkplatz. So hätten die Schötts ihn im November wegen angeblicher Baufälligkeit die Brücke für mehrere Tage gesperrt. Als es dann schneite, kam der Schneepflug wegen der geparkten Autos auf der Bundesstraße nicht weiter.

Die Grunddienstbarkeit sei seit 37 Jahren im Grundbuch eingetragen, so Geisler. Früher hätten Gaststätte und das heutige Grundstück Schött nur einer Familie gehört, später wurde das gegenüber liegende Areal verkauft. Der Streit dauert schon lange an. So habe es vor drei Jahren ein Gespräch mit Bürgermeister, Gutachter, den Geislers und den Schötts gegeben. Damals stand der Vorschlag im Raum, die Sanierungskosten für die Brücke von 60 000 Euro durch drei Parteien zu teilen. Neben den Gastwirten und den Schötts war noch eine Erbin der früheren Gastwirtefamilie im Gespräch. Doch die Einigung sei nicht umgesetzt worden, weil die Schötts davon ausgingen, dass die Brücke der Gemeinde gehört. Inzwischen seien mehrere Rechtsanwälte an dem Fall dran gewesen, es sei alles versucht worden, eine Lösung zu finden, beteuert Geisler. Die Atmosphäre sei so aufgeheizt, dass er nur noch mit den Schötts sprechen will, wenn ein neutraler Vermittler dabei ist.

Eine Möglichkeit gäbe noch. Die Gastwirte können bereits jetzt einen Platz auf der gegenüber liegenden Straßenseite als Parkplatz nutzen. Aber: Die Eigentümer sind eine Erbengemeinschaft, ein Erwerb ist schwierig, erläutert Martin Geisler.

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