21. März 2018, 12:00 Uhr

Alte Scheunen

Immer mehr leere Gebäude stürzen ein Wenn Scheunen einstürzen

Kürzlich ist die Seitenwand einer alten Scheune in Zeilbach eingestürzt. Auch in anderen Gemeinden beschäftigt man sich immer wieder mit alten Fachwerkbauten, wenn Gefahr von ihnen ausgeht.
21. März 2018, 12:00 Uhr
Ärgernis in Feldatal: Eingestürzte Gebäude, wie diese alte Scheune in Kestrich. (Foto: jol)

Ein Ärgernis für viele Bürger sind leer stehende alte Häuser, die langsam, aber sicher verfallen. Die Gebäude sind zugewuchert von Efeu, die Dächer sind oft löcherig, Zwischendecken eingestürzt und manchmal bricht eine Wand zusammen. So geschehen dieser Tage in Zeilbach. Im nahen Kestrich schauen Anwohner auf eine verfallende Scheune in einem stolzen Hof am Ortseingang aus Richtung Köddingen. Auch in Homberg, Gemünden und Mücke schlägt das Thema immer wieder auf.

Dabei sind zunächst die Kommunen nicht betroffen, denn an erster Stelle ist der Eigentümer rechtlich verpflichtet ist, sein Gebäude in einem sicheren Zustand zu halten und für Schäden zu haften. Die Untere Bauaufsichtsbehörde beim Vogelsbergkreis hat erst dann die Befugnis einzugreifen, wenn der Eigentümer seiner Erhaltungspflicht nicht nachkommt.

Zahlreiche problematische Gebäude würden in Zeitabständen in Augenschein genommen, heißt es von der Behörde. Dabei unterstützen sich die Kreisverwaltung und die Gemeindeverwaltungen gegenseitig, wie die Bauaufsicht mitteilt. Doch die Kommunen können auch aus eigenem Antrieb aktiv werden, wie Bürgermeister Lothar Bott für Gemünden erläutert. Seit Jahren »sind wir konsequent am Thema dran«.

Der Gemündener Weg

Der Gemeindevorstand habe die Gebäude im Blick, die zu verfallen drohen. Denn oft haben die Eigentümer Schulden bei der Gemeinde, und die kann dann im Rahmen einer Zwangsversteigerung einen neuen Eigentümer finden oder selbst das Grundstück erwerben. Aktuell würde die Gemeinde gern einen Altbau in der Rathausgasse 2 erwerben. »Dann können wir das niederlegen und dort eine Freifläche schaffen«, sagt Bott. In der engen Gasse wäre das eine willkommene Aufwertung. Bereits in früheren Jahren hat die Gemeinde immer wieder Einfluss auf das Schicksal heruntergekommener Gebäude genommen, manchmal fand man aber auch keine zufriedenstellende Lösung.

Claudia Blum sieht in den Homberger Stadtteilen einige alte Hofreiten mit Nebengebäuden als Problem an. So hatte man vor einiger Zeit mit einem Anwesen in Appenrod zu tun, das inzwischen abgerissen ist. Nun ist die Stadt dabei, zu klären, wie der restliche Schutt abgeräumt werden kann, fügt die Bürgermeisterin an. Eine Übersicht über die Leerstände ist in Arbeit, das sei Teil des Dorfentwicklungsprogramms 2018.

In Mücke ist die Lage eher entspannt, wie Bürgermeister Matthias Weitzel schildert. »In den letzten fünf Jahren gab es vielleicht eine Handvoll Gebäude, bei denen die Bauaufsicht wegen einer herausgefallenen Fachung oder eines gebrochenen Balkens einschritt.« Weitzel hat den Eindruck, dass inzwischen bei vielen Eigentümern wieder ein Interesse besteht, alte Gebäude herzurichten. Deshalb sei die Bauaufsicht in den Mücker Ortsteilen wenig und die Gemeinde kaum gefragt.

Das war im Fall des Teileinsturzes in Zeilbach anders. Zum aktuellen Fall in Feldatal heißt es, die Bauaufsicht habe bereits vor dem Einsturz der Scheunenwand mit dem Eigentümer Kontakt aufgenommen. So habe die Gemeindeverwaltung eine Absperrung des Geländes veranlasst, um einen Zutritt in das seit Jahren leer stehende Gebäude zu unterbinden. »Ein kurzfristiger Teileinsturz war trotz mehrmaliger Ortsbesichtigungen nicht absehbar«, teilt die Bauaufsicht weiter mit.

Behörden können Abriss anordnen

Zur unmittelbaren Gefahrenabwehr wurde die Kreisstraße in diesem Abschnitt gesperrt, wobei eine Zufahrt zu allen anderen umliegenden Grundstücken weiter gesichert und eine Umfahrung möglich ist. Die Untere Bauaufsichtsbehörde des Vogelsbergkreises steht im Kontakt mit dem Eigentümer und wird, falls dieser nicht reagieren sollte, »einen gezielten Rückbau veranlassen, damit zeitnah die Straßensperrung aufgehoben werden kann«.

Übrigens ist das schärfste Schwert der Bauaufsicht die Ersatzvornahme. Kommt der Eigentümer nach mehrmaliger Aufforderung seinen Pflichten zur Sicherung des Hauses nicht nach oder droht eine unmittelbare Gefährdung, kann die Untere Bauaufsichtsbehörde des Kreises eine »Ersatzvornahme« veranlassen. Da wird das Gebäude gesichert, die Rechnung bekommt nachher der Eigentümer.

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