19. Februar 2018, 08:00 Uhr

Künstliche Gelenke

Großmutters Hüfte operiert

Man wird älter und unbeweglicher. Wie kann man seine Beweglichkeit erhalten? Unter anderem mit künstlichen Gelenken, wie Dr. Arno Kneip vom Kreiskrankenhaus Alsfeld in Gemünden referierte.
19. Februar 2018, 08:00 Uhr
Chefarzt Dr. Kneip informiert über künstlichen Gelenkersatz und steht für Fragen zur Verfügung. (Foto: eva)

Vor der Jahreshauptversammlung des Diakonie-Fördervereins hatte dieser, in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat der Gemeinde Gemünden zu dem Fachvortrag »Vor- und Nachteile des künstlichen Gelenkersatzes« mit Dr. Arno Kneip, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Kreiskrankenhaus Alsfeld, in den ev. Gemeindesaal eingeladen. Die große Besucherzahl, die Seniorenbeiratsvorsitzender Peter Krug zu dem Vortrag begrüßen, belegt den beträchtlichen Informationsbedarf zum Thema »Künstlicher Gelenkersatz«.

Dr. Kneip berichtete, dass er schon als Jugendlicher auf das Thema aufmerksam geworden sei. Dr. Mittelmeier hatte mit einer Beschreibung über eine zementfreie Prothesen-Verankerung Kneips Interesse geweckt, und später hatte er sogar Vorlesungen bei Prof. Mittelmeier besucht, »und ich durfte bei einem ehemaligen Oberarzt von ihm bei entsprechenden Operationen Haken halten«, erinnert sich Dr. Kneip. Einen ersten familiären Kontakt mit Hüftprothesen, habe er bei der entsprechenden OP seiner Großmutter gehabt, bei der er als Student assistierte. Neben einem kurzen Rückblick auf seine 1982 beginnende OP-Assistenzzeit, zunächst bei zementierten und ab 1990 auch modernen zementfreien Hüftsystemen, auf seine ebenfalls 1990 erstmals selbstständig aus- geführte Hüftgelenkersatz-OP und der im Laufe der Jahre dazugekommenen Schulter- und Knieprothesen-Implantationen, ging Dr. Kneip zunächst auf die Entwicklungsphasen der Endoprothetik ein.

Bevorzugte Materialien

Dr. Kneip veranschaulichte mit einer Power-Point-Präsentation, mit welchen Herausforderungen sowohl Chirurgen, als auch Patienten zu kämpfen hatten. Dabei gehörten Lockerungen der Prothesen, Abnutzung der verschiedenen Materialien, oder Brüche von eingesetzten Keramikteilen ebenso zu nachträglichen Komplikationen, wie Bewegungseinschränkungen, Entzündungen oder gar Allergien.

Der erfahrene Chirurg erklärte den rund 50 sehr interessierten Besuchern, wie er im Alsfelder Krankenhaus operiert, und welche Prothesen er aus welchen Materialien benutzt. Er bevorzuge Prothesen die sich hinsichtlich der Stabilität, der Verträglichkeit und beim Einwachsen in den Knochen bestens bewährt hätten, wobei er aber selbstverständlich nicht außer Acht lasse, was individuell zu dem Patienten am besten passt. »Am meisten benutze ich bei Hüftoperationen eine Pfanne aus Titan, einen Kunststoff- oder Keramik-Inlay und einen Keramik-Kopf« sagte Arno Kneipp, der insgesamt zur zementfreien Verankerung der Gelenkprothese rät. Alles in allem seien heutzutage viele Probleme überwunden, aber das Infektionsrisiko mit Keimen (MRSA und MRGN) bestehe und steige.

Angst vor Keimen

»Das ist die größte Gefahr bei solchen Operationen, und das wird in Zukunft vermutlich noch schlimmer«, gab der Chirurg zu bedenken. Dabei gehe es nicht einmal um Keime, die bei einer Operation möglicherweise in die Wunde kommen könnten, was ziemlich unwahrscheinlich sei. »Wir operieren in einem Reinraum-OP, haben moderne Sterilisationsverfahren, eine hohe Qualitätssicherung und geben vorsichtshalber ein Antibiotikum.« Das Problem dabei sei, dass die Keime inzwischen eine Antibiotika-Resistenz entwickelt haben. »Keime, diese bösen Viecher«, sagt er. Früher habe man gedacht, »das wird besser«, aber inzwischen sei die Gefahr gestiegen.

Im Alsfelder Krankenhaus sei das Risiko gering. »Wir haben eine gute Hygiene, haben extra Hygieneärzte und Hygienefachkräfte. Wir testen jeden stationär aufgenommenen Patienten auf MRSA«, betont Dr. Kneip. Rund jeder Fünfte trage den MRSA-Keim in sich, das sei normalerweise gefahrlos, werde aber bei einer Operation gefährlich. Dr. Kneip rät, sich eine Woche vor einer OP auf die Keime testen zu lassen, damit noch genügend Zeit ist dagegen vorzugehen. Wenn alles gut gehe, gebe es keine Nachteile beim Einsetzen von Gelenkprothesen und auch das Alter spiele dabei keine Rolle, habe er doch kürzlich erst einer 100-jährigen Frau eine neue Hüfte eingesetzt.

»Bleiben Sie in Bewegung«, riet Dr. Kneip nach einer Fragerunde den Besuchern. Gerade für ältere Menschen sei eine Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur gegen die Gefahr eines Oberschenkelhalsbruches sehr wichtig.

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