31. Januar 2018, 20:32 Uhr

Im Nebel auf der Grenzlinie

31. Januar 2018, 20:32 Uhr
Bei der Grenzwanderung stellt Revierleiter Karl Heinz Zulauf (M., mit grüner Kappe) die Waldgemarkung vor. (Fotos: .jol)

Ein toller Auftakt für das große Stadtjubiläum »1100 Jahre Kirtorf« bildete jetzt die Grenzwanderung. Gut 75 Interessierte folgten mit Reinhold Wolf und Karl Heinz Zulauf dem Verlauf der Grenzlinien nach Ober-Gleen, Arnshain und Wahlen. Entsprechend erfreut war der Vorsitzende des Festausschusses Helmut Meß bei der Begrüßung der Menge am Gasthaus »Offener Helm«. Getrübt wurde die Tour lediglich durch die schlechte Sicht. Denn das erste Drittel in der Feldgemarkung führte durch dichten Morgennebel.

Auf der Kuppe zwischen Kirtorf und Ober-Gleen verwies Wolf auf die nahe Grenze neben einem Flurstück namens Freigewann. Dort durften Bauern wirtschaften, die keinen Zehnten an die Obrigkeit entrichteten. Einst stand in dem Bereich eine Lohmühle, erwähnt in einem Dokument von 1574. Heute ist von dem Bauwerk nichts mehr zu sehen. Das Flurstück »Alter Stall« verweist auf einen früheren Schaf- oder Ziegenstall.

Wolf sprach auch das Dorf Habertshausen an, das in Richtung Heideberg lag und schon lange wüst gefallen sei. In diesem Bereich war einst ein Galgen errichtet, der 1581 erwähnt wird.

Beim Zwischenstopp am Schmerofen gab es neben Glühwein und Wasser weitere Informationen über die Bedeutung von Grenzwanderungen. Wie Wolf sagte, waren früher die Äcker recht klein und der Grenzverlauf der Parzellen nur auf wenigen, teuren Karten festgehalten. Das Wissen über die Grundstücke wurde über die Generationen in den Familien weitergegeben. Die Bevölkerung ging deshalb regelmäßig gemeinsam die Grundstücke ab, um festzustellen, ob der Nachbar die Grenzlinie zu seinen Gunsten verschoben hat, wie Revierförster Karl Heinz Zulauf ergänzte. Auch heute noch kommt es vor, dass öffentliche Wege von den Bauern schmal gepflügt werden oder ganz verschwinden. In den letzten Jahren haben Kommunen dagegen Schritte unternommen: Entweder muss die Fläche in den alten Zustand zurückversetzt werden, oder – wenn der Weg nicht benötigt wird – kann der Landwirt die Fläche erwerben.

Stadt hat 320 Hektar Wald

Vom Schmerofen aus wanderte die muntere Schar direkt an der Grenze zur Gemarkung Ober-Gleen entlang. Zulauf erläuterte die Forstarbeiten und Besonderheiten der Waldlandschaft. So verfügt die Stadt über insgesamt 320 Hektar Stadtwald, die von Hessen Forst betreut werden. Markierungen an den Grenzbäumen zeigen an, ob ein Waldstück zur Stadt oder dem Landesforst gehört.

Im großen Bogen ging es schließlich entlang der Landstraße nach Wahlen und über die »Platte« zurück nach Kirtorf.

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