22. Januar 2018, 05:00 Uhr

Acht Ohren

Klänge aus aller Damen Länder

Ein Konzert vor einem Altar: Das ist ungewöhnlich. Die Musikerinnen des Frauen Quartetts »Die Acht Ohren« werben für Völkerverständigung. Eingeladen hatte die Flüchtlingsinitiative.
22. Januar 2018, 05:00 Uhr
GKM
Eindrucksvolle Rhythmen, virtuos gespielte Saxofone und ein immer wieder für Akzente sorgendes Cello sind Garanten für ein besonderes Musikerlebnis. (Foto: gkm)

Sie haben ihren Weg auch nach Gemünden gefunden: Melodien, die irgendwo entstehen und anschließend die Grenzen viele Länder überschreiten, die Gefühle der Menschen ansprechen und sie so verbinden. Jetzt erklangen sie in der evangelischen Kirche in Nieder-Gemünden, wo die drei Musikerinnen von »Die Acht Ohren« musikalisch für Völkerverständigung warben.

Ihrem Publikum, in dem sich unter die Deutschen auch einige Geflüchtete aus Afghanistan und dem Irak befanden, die zur Zeit in der Gemeinde Gemünden wohnen, boten sie gut ein Dutzend Musikstücke aus verschiedenen Ländern rund um den Globus. Es war der erste Auftritt der Gruppe, die üblicherweise zu viert auf der Bühne steht, in diesem Jahr. Durch eine Erkrankung von Maria Schmitt, die sonst den Klang des Kontrabasses in herkömmlicher oder elektronisch verstärkter Form einbringt, reduzierte sich das Quartett auf ein Trio.

Musikalischer Spaziergang im Regen

Dieses durfte in Gemünden gleich eine neue Bühnenerfahrung machen, den Auftritt vor einem Kirchenaltar: »Das ist eine Seltenheit« stellte Julia Ballin fest, die Saxophon und Geige spielt. Abwechselnd mit den anderen Gruppenmitgliedern, Sandra Elischer (Percussion) und Anka Hirsch (Cello, E-Cello und Akkordeon), gab sie zum jeweiligen Musikstück immer eine kurze Einführung zur Herkunft und zum Inhalt. Passend zur heimischen Wetterlage stimmten die drei Musikerinnen das Gemündener Publikum auf einen musikalischen Spaziergang im Regen ein, der ursprünglich in der Türkei komponiert wurde.

Dieser musikalische Ausflug in den Orient machte noch weitere Stationen in verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Themen. Liebeslieder, in denen Liebesfreud und -leid dicht beieinander in melancholischen und dann wieder fröhlichen Tönen präsentiert wurden, wechselten mit einem musikalischen Besuch in der Wüste und Melodien, die das Reiseerlebnis fühlbar machten. Fröhliche Feierlaune vermittelten Klezmerklänge, die noch von wilden Tanzrhythmen überboten wurden, die in den Nachtklubs der 1920er Jahre in der Türkei gespielt wurden.

Verzweifelte Atemzüge nachgeahmt

Vom »schwarzen Mädchen, das umher wirbelt«, so der übersetzte Titel des Stücks, ging es dann auf die dunkle Seite des Lebens, erneut mit Bezug zur Türkei. »Geheimnisvolles aus den Kerkern« brachten die drei Musikerinnen mit bedrohlichem Trommelklang und leidendem Cello zur Anklage. Sehr eindrucksvoll ließ Julia Ballin ihr Saxofon zum Ende des Stücks in einen Rhythmus übergehen, der an angstvolle und verzweifelte Atemzüge erinnerte, um schließlich tonlos zu erstarren. »Hoffnung für die Menschen, die gefangen sind«, wollte das Trio zum Ausdruck bringen, was ohne Zweifel gelungen war.

Großen Applaus bekam Sandra Elischer für ihr Trommelsolo, das dem Titel des arabischen Stücks alle Ehre machte, zu dem es gehörte: »Schnell, schnell!« Doch auch langsam und leise begleitet sie die unterschiedlichen Stimmungslagen der präsentierten Lieder, mal der Unruhe auf einem afrikanischen Markt angepasst, mal dem Liebeskummer in einem afghanischen Lied angemessen.

Zuhörer waren begeistert

Eindrucksvolle Rhythmen, virtuos gespielte Saxofone in den verschiedenen Tonlagen und ein immer wieder für Akzente sorgendes Cello, sind Garanten für ein besonderes Musikerlebnis, das den rund 80 Zuhören geboten wurde. Ob Balladen, Tango und andere Tänze, Klezmer Musik, Folklore oder Jazz, die Spielfreude der drei Musikerinnen steckte das Publikum in der Gemündener Kirche an. Im letzten Drittel des Konzerts klatschte es begeistert den Rhythmus mit und am Ende spendete es andauernden Applaus. Eingeladen hatte »Die Acht Ohren« die Gemündener Flüchtlingsinitiative, die seit zwei Jahren zeigt, was alles zu einer gelungenen Willkommenskultur in einer kleinen Kommune gehören kann. Die jetzt gebotene musikalische Weltreise, zu der Rainer Lindner die Besucher für die Initiative begrüßte, leistete erneut einen beachtlichen Beitrag zum örtlichen Kulturgeschehen.

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