21. November 2017, 08:00 Uhr

Klezmer

Beschwingter Kartoffelsong

Das ist Musik, die in die Beine geht: Osteuropäische Klezmerklängen und Jazz-Improvisationen. Yale Strom und Nikolai Muck begeistern in der Alten Synagoge von Ober-Gleen.
21. November 2017, 08:00 Uhr
Mit beschwingtem Klezmer-Sound begeistern Nikolai Muck und Yale Strom (r.) im Kulturhaus Alte Synagoge Ober-Gleen. (Foto: jol)

Diese Gäste aus Frankfurt und San Diego schlugen ein - mit einem tollen Konzert eröffneten Yale Strom und Nikolai Muck die Kultur-Saison in der Alten Synagoge Ober-Gleen. Strom ist bereits zum siebten Mal im Vogelsberg und jedes Mal ist es anders, wenn der begeisterte Sammler jiddischer Musikstücke auftritt. Mit seinen Moderationen auf jiddisch zeigt der Kalifonier, wie nah diese Sprache der Juden Osteuropas an der deutschen ist.

Mit Geige und Gesangseinlagen bringt Strom den Spirit der Klezmer-Musik herüber. Dabei unterstützte ihn der Jazz-Gitarrist Nikolai Muck aus Frankfurt mit einfühlsamem Spiel und einigen Soli. Gerade diese Grenzüberschreitungen zwischen osteuropäischen Klezmerklängen und Jazz-Improvisationen zeigten, wie wandlungsfähig die Musik der Juden Osteuropas ist.

Dabei stellte Strom die Musik in den passenden Kontext, so hatte das Duo ein Stück aus Moldawien dabei, das sich um »Bubes« oder Kartoffeln drehte. Das beschwingte Stück verrät Einflüsse der Region, wo Roma, Juden, Ukrainer und Moldawier ihre Musiktraditionen mischten. Strom bereist seit vielen Jahren Europa auf den Spuren der Klänge von einst. Dabei traf er 1981 in Kisinau einen alten Rom, der ihm in bestem jiddisch viel über Klezmer berichtete. Der Senior hatte einst in Bands mit Juden gespielt, die Hochzeiten und Festen umrahmten.

Nein vor der Hochzeit

Zu jüdischen Feiern wurde in ganz Europa aufgespielt. Daran erinnerten Strom und Muck mit zwei Melodien aus Hessen, »die wurden sicher auch in Ober-Gleen gespielt,« sagte Yale Strom. Eines war passend für religiöse Feiertage, das andere wurde aus Anlass einer Beschneidung gespielt. Eine schöne, getragene Melodie hat ein Lied aus Frankfurt, das Strom in einem Archiv jüdischer Kultur in New York zutage gefördert hat. Darin geht es um die letzte Gelegenheit, vor einer Hochzeit noch »Nein« zu dem angehenden Ehepartner zu sagen. Musik ist eine universelle Sprache, das zeigte sich in dem Riesen-Applaus, den Strom und Muck für ihr mitreißendes Spiel ernteten.

Heimatvereinsvorsitzender Helmut Meß ließ die beiden erst nach der dritten Zugabe gehen. Und er versprach, sie im nächsten Jahr für einen Auftritt zu holen. Hoffentlich ist dann Sängerin Elizabeth Schwartz mit dabei, die wegen einer starken Erkältung kurzfristig ausgefallen war.

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