01. November 2017, 08:00 Uhr

Weltvegantag

Darum lässt dieser Mann die Wurst links liegen

Mit Haxe oder Schnitzel hat Alexander Justus abgeschlossen. Er schwört auf rote Linsen und Brokkolisalat. Der Maulbacher ernährt sich vegan. Vermisst er nicht die Wurst?
01. November 2017, 08:00 Uhr
Beißt gern in Gemüse und Obst, sieht sich aber nicht als verbissenen Ernährungsapostel: Alexander Justus. (Foto: Archiv/ks)

Wohl jeder kennt das: Ich will in meinen Leben etwas ändern. Mehr Sport, endlich gesünder essen, sich vielleicht in einem Verein oder für eine Partei engagieren. So ging es auch dem 37-jährigen Alexander Justus. Sport und Ehrenamt waren nicht so das Problem, dennoch verspürte er ein gewisses Unbehagen und hatte den Eindruck, das kann noch nicht alles sein. Es muss mehr geben, was ich tun kann, um nicht nur mein eigenes Leben, sondern vielleicht auch die Gesellschaft ein kleines Stück zu verändern. Denn viele Entwicklungen in der heutigen Zeit konnte er mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Er hinterfragte seine täglichen Konsumgewohnheiten. Wie wird etwas hergestellt? Wie viel Gift steckt in der neuen Jeans und wie viel Kinderarbeit in einem Produkt? Zudem wollte er seine Ernährung umstellen. Wachgerüttelt hatten ihn Berichte über das sogenannte Kükenschreddern in der Hühnerfleisch- und Eierproduktion.

Mit dem Verzicht auf Fleisch und Wurst begann es, und schnell merkte er, dass ihm nichts fehlt und sich im Gegenteil positive Wirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden einstellen: »Der Heuschnupfen war jedenfalls weg.«

Von da war es für ihn nur noch ein kleiner Schritt zum Veganismus, also dem vollständigen Verzicht auf tierische Produkte. »Und dabei war ich lange Zeit ein Milch-Junkie«, lacht Justus im Gespräch, heute trinkt er seinen Kaffee lieber schwarz. Denn Sojamilch ist in seinen Augen keine so gute Alternative. Er selbst kommt von einem Bauernhof, ist gelernter Techniker und heute bei einer Marburger Firma als Bereichsleiter tätig. Seit einem dreiviertel Jahr verzichtet er nun schon komplett auf Milch, »und irgendwie fühle ich mich jetzt leichter.«

Kein Schnitzel mehr, keine Bratwurst und nichts vom würzigen Käse? Das mag manchem als schwere Einschränkung seiner Lebensqualität vorkommen. Alexander Justus erlebt es anders. Erst neulich war er auf einer Geburtstagsfeier, wo bei der Bewirtung der Gäste natürlich wie so oft das Fleisch dominierte. »Ich nehme dann halt das, für mich geht, die Beilagen zum Beispiel«.

Viele landwirtschaftliche Betriebe existieren auf der Grundlage, dass sie Fleisch und Milch erzeugen. Justus ist überzeugt davon, dass die moderne Produktion von Lebensmitteln keine Zukunft hat, dafür werde spätestens in einigen Jahren auch das künstlich erzeugte Fleisch sorgen.

Denn die Nachteile des modernen Wirtschaftens seien nicht zu übersehen. Er zählt Beispiele auf: Die Artenvielfalt schwindet, der Einsatz von Glyphosat sei höchst umstritten und das Nitrit in der Wurst schon lange als krebserregend bekannt. Landwirte müssten stattdessen neue Wege gehen und die Politik sie dabei unterstützen. Denn die Bauern seien ohnehin in einem massiven Druck, immer mehr Betriebe verschwinden. Weil ihm die etablierten Parteien nicht mehr zusagen, hat er die V-Partei für sich entdeckt und ist eingetreten. Das Programm habe ihn einfach überzeugt.

Erntet er nicht manchmal dumme Sprüche? Vielleicht im Bekanntenkrei oder wenn er mit Kollegen in der Firmenküche steht und sein Rote-Linsen-mit-Nudel-Pesto hervorholt? »Nö, und wenn, dann ist es mir egal.« Missionieren will er nicht, aber wenn er mitbekommt, das jemand interessiert ist, dann versucht er in Gesprächen auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. Zudem sei der Geschmackssinn anerzogen und könne sich wieder ändern. »Nur manchmal fällt noch jemandem die Kinnlade runter, wenn ich sage, dass Wurst krebserregend ist.« Die V-Partei sei keine verbissene Gruppe von genussfeindlichen Menschen, wie Kritiker vielleicht unterstellen könnten. »Wir verstehen uns als Verbraucherschutzpartei.«

Denn noch allzu oft stünden die Interessen der Industrie über denen der Verbraucher. Hier will man sensibilisieren und erreichen, dass der Druck größer wird. »Denn wir geben Milliarden aus für eine billige und oft gesundheitsbeeinträchtigende Nahrung.«

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