21. September 2017, 20:52 Uhr

Werbung für Wolf beim Schafetag

21. September 2017, 20:52 Uhr
Hütevorführung mit einem Border Collie und Romanov-Schafen. (Foto: au)

Der 22. Tag des Schafes im Freiensteinauer Ortsteil Nieder-Moos war dieser Tage wieder ein voller Erfolg. Diesmal wurde er vom Schafhalterverein Vogelsberg zusammen mit einem Familientag der Gastronomie Jöckel im Freizeitpark Vulkan gefeiert. Traditionell begann der Tag des Schafes mit einem Hirtengottesdienst. Pfarrerin Susanne Weide und Pfarrer Johannes Cunradi stellten das Gleichnis vom verlorenen Schaf in den Mittelpunkt.

Kreisbeigeordneter Jürgen Ackermann wies in seinem Grußwort darauf hin, dass eine artgerechte Haltung der Tiere nicht nur im Stall, sondern auch auf der Weide stattfindet. Die 520 Schaf- und Ziegenhalter im Kreis mit ihren rund 11 500 Tieren seien für den Erhalt der Artenvielfalt und Kulturlandschaft von großer Bedeutung.

Die Nutzung und Pflege der Grünlandflächen, insbesondere der Magerrasen, sei ohne die Haltung von Schafen und Ziegen undenkbar. Auf steilen Flächen, die maschinell nicht nutzbar sind, wird dadurch eine vielfältige Flora und Fauna erhalten. Auch der Fortbestand der seltenen Türkenbundlilie, die Blume im Wappen des Vogelsbergkreises, kann so gesichert werden. Mit der Schaf- und Ziegenhaltung verbinde man auch die Direktvermarktung, unter anderem von Lammfleisch. Eine Delikatesse, von der man sich seit 21 Jahren während der Lammwochen überzeugen kann. Die Leiterin des Amtes für Wirtschaft und den ländlichen Raum, Anja Püchner, unterstrich die Bedeutung der Schafe und Ziegen für den Erhalt der Kulturlandschaft und machte auf das Naturschutzgroßprojekt aufmerksam. Hier werde ein weiterer Beitrag geleistet, die hochwertigen Grünlandbereiche zu erhalten. Bürgermeister Sascha Spielberger sagte, Schaf- und Ziegenhalter seien mit der Region eng verbunden und hätten eine lange Tradition. Er bedauerte, dass die politischen Entscheidungen fast immer nur auf die Ballungsräume gerichtet sind und am ländlichen Raum vorbeigingen. Bei einem Rundgang stellte Vorsitzender Wolfgang Pschierer die Schafrassen Charollais, Rhönschafe, Bergschafe, Heidschnucken, Herdwick und die Deutschen schwarzköpfigen Fleischschafe vor.

Längere Diskussionen gab es beim Stand des NABU Vogelsberg, Kreisvorsitzender Karl-Heinz Zobich hatte sich sprichwörtlich in die Höhle des Löwen gewagt und machte Werbung für die Rückkehr des Wolfes. Hinsichtlich des Themas besteht bei den Schaf- und Ziegenhaltern eine große Besorgnis, wie sie in Zukunft ihre Tiere im Außenbereich halten können. Oberstes Ziel solle sein, ein weitgehend konfliktfreies Nebeneinander von Mensch, Nutztieren und Wolf zu gewährleisten. Sollte der Wolf auch in Hessen ansässig werden, so habe bereits ein Großteil der Nebenerwerbsschafhalter angekündigt, die Schafzucht aufzugeben, betonte Pschierer.

Informationen gab es für die Besucher an den zahlreichen Ständen rund um die Haltung von Schafen und Ziegen. Reges Interesse auch bei der Hütevorführung mit Ralf Assmann und seinem Border Collie. Der Schafzüchter züchtet und kreuzt Romanov-Schafe, die bereits im 17. Jahrhundert bei Moskau gezüchtet wurden.

Eine Ausstellung von Landmaschinen, drei Oldtimer-Traktoren und die Vorführung eines Zaunauf- und abbaues mit einem Quad vervollständigten das Angebot beim Tag des Schafes.

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