Eine Frau wird mit einem Auto auf einem Feldweg bei Hainbach angefahren. Der Fahrer fährt weiter, als wäre nichts passiert. So stellte sich die Anklage am Dienstag am Amtsgericht Alsfeld dar, der Vorwurf lautete auf schwere Körperverletzung. Ein Arzt hatte Prellungen und Schürfwunden festgestellt, dem Autofahrer wurde Vorsatz unterstellt. In der Verhandlung ergab sich ein uneinheitliches Bild.

Der angeklagte 69-Jährige berichtete, an einem Sonntag im September vergangenen Jahres im Feld langsam von hinten auf zwei Reiterinnen und eine Radlerin mit Hunden zugefahren zu sein. Zunächst habe ihn ein reitendes Mädchen bemerkt und sei zur Seite geschwenkt, dann die andere erwachsene Reiterin. 40 oder 50 Meter weiter sei die Radlerin gewesen, die auf das Auto zulief, offenbar um die Hunde einzufangen. Dann habe sich die Frau auf die Motorhaube gestützt und sei nicht zur Seite gegangen. Daraufhin habe er bei dem Wagen mit Automatikgetriebe die Bremse losgelassen, sei ein Stück weitergerollt. Zum Resultat aus dem Vorrollen gab es zwei unterschiedliche Sichtweisen: Der Angeklagte erinnerte sich, die Frau sei zur Seite gegangen, und er sei weitergefahren. Die Nebenklägerin bestritt ein Anlehnen an die Motorhaube, sie habe nur mit den Hundeleinen bedeutet, dass der Mann stehen bleiben soll, weil sie die Hunde einfangen musste. Der Mann sei ohne Anhalten weitergefahren, habe sie mit der Motorhaube erfasst, sie sei mit einem Aufschrei in den Graben gestolpert. So hatte es auch die erwachsene Reiterin in Erinnerung. Das damals mitreitende Mädchen konnte sich weder an einen Kontakt des Autos mit der Frau noch an Rufe erinnern. Für sie sei es eine normale Situation gewesen: Auto kommt, Reiter weichen aus, Auto fährt vorbei.

Als Folgen des Unfalles führte die Nebenklägerin anhaltende psychische Belastungen an, wegen derer sie seit Januar in Behandlung sei. Nur einen Randaspekt nach dem Geschehen im Feld hatte eine weitere Zeugin beobachtet. Die Nachbarin der angefahrenen Frau hatte am Ortsrand auf der Veranda sitzend bemerkt, dass die angefahrene Frau ohne Hunde von Otterbach kam, das Rad schob. Dann habe sie mit einer Polizeistreife gesprochen, ein Beamter habe am Schluss gesagt, »wir werden herausbekommen, wer das war und Ihnen Bescheid geben«. Das hatte die Zeugin im Nachhinein gewundert, denn sie wisse, dass die Frau den Fahrer gekannt habe. In diesem Sinne hatte auch die Richterin zuvor aus einer Vernehmung vorgelesen. Die Zeugin berichtete, sie und ihr Sohn hätten nach dem Vorfall den Eindruck gewonnen, dass die angefahrene Frau nur humpelte, wenn sie sich beobachtet fühlte. Zudem wisse sie von etwa zehn Fällen, in denen sich die angefahrene Frau vor Autos gestellt habe. Soweit es Verfahren dazu gegeben hat, seien diese eingestellt worden.

Nach diesen Aussagen gab die Staatsanwältin den Hinweis, es könne sich auch nur um fahrlässige Körperverletzung handeln, eine Einstellung des Verfahrens sei denkbar. Dies wurde sowohl von der Richterin – »ein Freispruch wäre unwahrscheinlich gewesen« – als auch dem Angeklagten angenommen. Er zahlt 300 Euro an die Alsfelder Tafel.

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