02. September 2017, 08:40 Uhr

Steinzeit

Ältestes Grab im Vogelsberg entdeckt

Aufgeschichtete Felsbrocken bei Romrod-Zell, dazu zwei alte Keramikscherben. Mehr brauchen Archäologen nicht, um sicher zu sein, das älteste Grab im Vogelsberg entdeckt zu haben.
02. September 2017, 08:40 Uhr
Nummerierte Steine neben der Grabungsstelle. Sie stammen aus einem 5000 Jahre alten Grab am Hang des Romröder Bergs. (Foto: jol)

Dieser Tage stellte Bezirksarchäologe Dr. Andreas Thiedmann ein 5000 Jahre altes Großsteingrab aus der Jungsteinzeit vor, das bei Bauarbeiten für eine Windenergieanlage freigelegt worden ist.

Ein Grabungsteam unter Leitung von Uwe Schneider sucht den Bereich sorgfältig ab, um weitere Relikte aus der megalithischen Anlage zu bergen.

Gefunden wurden die Gräber aus der Jungsteinzeit sowie aus der Zeit um 800 vor Christi bei Voruntersuchungen für den Windpark Zell. Die Firma TurboWind Energie will fünf Windenergieanlagen zwischen Zell und der Pfefferhöhe errichten. Dabei fielen Bodenveränderungen auf. An zwei Standorten graben Experten der »Wissenschaftliche Baugrund Archäologie« aus Marburg. Die Kosten trägt TurboWind, sagt Thiedmann.

Am Standort der Windenergieanlage vier wurden ein größeres und zwei kleinere Hügelgräber freigelegt. Keramikscherben und Spuren von Leichenbrand (Asche von Toten nach der Brandbestattung) verweisen auf einen Bestattungsplatz aus dem Zeitraum um 800 vor unserer Zeitrechnung. Vom dem Romröder Berg sind zahlreiche Grabhügel bekannt. Keramikscherben werden weiter untersucht, um sie zeitlich einzuordnen.

Megalithisches Grab freigelegt

Die größte Überraschung barg der Bereich um die WEA 2 mit einem jungsteinzeitlichen Großsteingrab. Die Grabung legte eine regelmäßig Steinsetzung frei. Zu erkennen sind meist große aufrecht stehende Steinblöcke, die in Füllmaterial eingebettet waren. Neben den Wänden sind querlaufende Steinreihen erkennbar. Im Innenbereich fanden die Ausgrabungshelfer zwei vorgeschichtliche Keramikscherben, mittelalterliche Scherben und einen Reitersporn (eine Art einfache Sporen für Reiter) aus dem 13./14. Jahrhundert. So ist eine ramponierte, aber klar erkennbare megalithische Anlage freigelegt worden. Das Großsteingrab liegt auf einem sanft geneigten Hang über dem Talgrund, was für Thiedmann »geradezu klassisch« ist. Solche Anlagen entstanden in der Jungsteinzeit, dem »Neolithikum«, zwischen etwa 3500 und 2800 vor unserer Zeitrechnung.

Bekannt sind solche Großsteingräber aus der »Wartberg-Kultur« in Nordhessen sowie bei Limburg und Marburg. In der Region Alsfeld wurde ein solches Grab noch nicht entdeckt, erläutert Thiedmann. Deshalb könne der Fund als Bindeglied zwischen den beiden Regionen angesehen und »als sehr bedeutend für die Landesarchäologie« gewertet werden.

Thiedmann hob besonders die gute Unterstützung der Grabungen durch TurboWind und hessenForst hervor. Er lobte das Grabungsteam, das seit Mai erfolgreich am Werk war. Und er hofft, dass das Großsteingrab komplett abgetragen und anderer Stelle für die Nachwelt wieder aufgebaut wird. Das habe hessenForst angeregt.

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