03. August 2017, 12:00 Uhr

Insolvenzantrag

Kindern und Mädchen soll weiter geholfen werden Wie geht es weiter mit Violeta?

In Schlitz gibt es eine Einrichtung, die misshandelten Kindern und Mädchen aus ganz Deutschland eine Zuflucht bietet. Doch vor rund zwei Wochen wurde Antrag auf Insolvenz gestellt. Was nun?
03. August 2017, 12:00 Uhr

Bei dem freien Träger der Jugendhilfe stehen 134 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Insolvenzverwalter und Berater Thomas Wieler wollen alles dafür tun, damit es weitergeht. Wieler kennt sich im sozialwirtschaftlichen Bereich aus und ist derzeit beauftragt, wie er es nennt, den Betrieb aufrecht zu erhalten und »in eine gute Zukunft zu führen«. Er fungiert derzeit auch als weiterer Geschäftsführer bei Violeta in Schlitz. Bereits im Mai hat er nach einer Prüfung gesehen, »dass es spannend wird.«

Worin genau die Fehler in der Vergangenheit bestanden haben und was zum Insolvenzantrag geführt hat, dazu möchte er sich nicht äußern. Doch so viel: Eine Kaufmannsweisheit besagt, dass man nicht mehr ausgeben sollte, als man einnimmt.

Die Tagessätze, die für die Betreuung der Schützlinge gezahlt werden, sind eigentlich hoch genug, betont er. Dass die Lage im Mai, als er gerufen wurde, äußerst schwierig war, räumt er ein: »Ich werde immer geholt, wenn es sehr heiß oder sehr zäh zugeht.« Leider gehört es zu seinen Erfahrungen, dass er oft erst dann gerufen wird, wenn es fast zu spät ist. Dann sei oft die Insolvenz angesagt. Wieler betont, dass das Wort schlimm klingt, »es muss aber gar nicht so schlimm sein.«

Der Schritt sei indes bei der Einrichtung in Schlitz notwendig gewesen, ansonsten würde er sich der Insolvenzverschleppung strafbar machen. Im Zuge der Insolvenzverwaltung ist eine Frankfurter Kanzlei eingesetzt.

Wieler betont, dass es keinen Anlass gibt, ein düsteres Bild zu malen. Er ist in Gesprächen mit einigen Übernahme-Interessenten. Die Interessenten kommen teilweise aus der Region, darüber hinaus aus Hessen. Sein Anliegen ist es, nach ersten Gesprächen rasch mit den Interessenten in Verhandlungen einzusteigen, »um eine gute Zukunft für das Betreuungsangebot zu erreichen.«

Das gilt auch für die 134 Arbeitsplätze, die möglichst alle erhalten bleiben sollen. Derzeit jedenfalls läuft der Betrieb wie gewohnt weiter, die Personalkosten trägt wie üblich in solchen Fällen der vorläufigen Insolvenz die Agentur für Arbeit.

Bei Violeta wird derzeit nur ein Kind aus dem Vogelsbergkreis betreut. Die anderen 75 Plätze werden von Kindern, Mädchen und jungen Frauen. aus ganz Deutschland eingenommen, von Köln bis Berlin. Damit hat die Einrichtung bundesweit quasi ein Alleinstellungsmerkmal. Hierher kommen Betroffene, die andere Einrichtungen durchlaufen haben und denen dort nicht geholfen werden konnte. Sie sind durch alle Formen von Gewalt oft schwer traumatisiert. Aus dem Aufwand, der für ihre Betreuung nötig ist, kommt auch der recht hohe Personalschlüssel zustande.

Je nach Maßnahme und pädagogischem Konzept wird mit den zuständigen Jugendämtern der jeweiligen Regionen über Tagessätze abgerechnet. Wieler betont, der pädagogische Ruf der Einrichtung sei tadellos und bundesweit anerkannt. Hier werde gute Arbeit geleistet.

»Auch deshalb haben wir bei den Bemühungen um die Sanierung die Behörden und das Sozialministerium auf unserer Seite.« Nun gehe es darum, die vorhandenen Angebote sowie die Arbeitsplätze zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.

»Wir sind bestrebt, möglichst alle Mitarbeiterinnen an einen neuen Träger überzuleiten, versprechen kann ich natürlich nichts. Andererseits benötigen die Kinder und Jugendlichen Betreuung. Zudem gibt es den günstigen Umstand, dass es eine hohe Nachfragesituation bezüglich der Betreuungsangebote gibt«.

Die Einrichtung hat zur Betreuung ihrer Schützlinge Wohnungen angemietet. Die Vermieter brauchen sich derzeit keine Sorgen um ihr Geld zu machen, sagt Wieler. (Bild: Fotolia/Photograheen.en)

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