20. Juli 2017, 08:00 Uhr

Partnerschaft

Wo Landflucht sich umkehrt

Selbst eine 16-stündige Busfahrt lohnt sich. Dann tauchen die Antrifttaler ins »Dolce vita« ein und machen in Rosora spannende Erfahrungen.
20. Juli 2017, 08:00 Uhr

Es sind eher die größeren Städte, die Partnerschaften in Italien pflegen. Doch unter sie hat sich vor zehn Jahren das kleine Antrifttal gemischt. Und niemand bereut das. Anke Pfeffer gerät ins Schwärmen. »Es ist einfach toll, wenn man sich trifft«. »Man bekommt einen ganz anderen Einblick in die Lebensweise dort,« sagt Winfried Konle. Dieser Tage wurde mit einer Gruppe aus Rosora das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft mit einem fröhlichen italienischen Abend gefeiert. Dabei zeigte das Showteam des Alsfelder Carneval Clubs Lieder der Drei Tenöre, von Adriano Celentano und Al Bano & Romina Power als flotte Bühnenshow, inklusive einer nachgebauten venezianischen Gondel mit zwei Bürgermeistern an Bord.

Die Gäste sangen begeistert die italienischen Lieder mit, es herrschte ausgelassene Stimmung samt Polonaise. Das war der Höhepunkt für eine schöne Partnerschaft, wie Bürgermeister Dietmar Krist sowie die »Partnerschafts-Urgesteine« Winfried Konle und Anke Pfeffer sagen.

Dabei gibt es bei genauerem Hinsehen einige Unterschiede zwischen den Gemeinden Antrifttal und Rosora. Die Verbindungen in die Kleinstadt nordöstlich von Rom sind gut, lautet die Bilanz. Es ist ein gegenseitiges Verständnis gewachsen, sagt Krist. Das Leben in Italien sei insgesamt »chilliger« und die Besuche dort sind nicht so durchorganisiert, wie es Vogelsberger gewohnt sind. Die Unterbringung in den Familien bringt einen persönlich näher, beim Abschied fließen immer ein paar Tränen, erzählt Pfeffer. Spannend findet es Konle, dass man in dem ländlichen Ort sehen kann, wie sich Landflucht umkehrt. Bereits seit Jahren kaufen sich Städter in der Altstadt ein, dort steht kein Haus leer.

Städter kaufen sich ein

Es bleiben offenbar mehr junge Leute in der ländlichen Region, was auch mit einem größeren Unternehmen für Auto-Elektronik zusammenhängt, das im Gemeindegebiet beheimatet ist. »Die haben schon seit Jahren ein papierloses Büro, das ist faszinierend,« erzählt Konle. Krist ist von der Familienfreundlichkeit angetan. So können Mitarbeiter ihre Kinder mit in die Kantine nehmen und es gibt einen Betriebskindergarten.

Auch bei Kleinigkeiten merkt man Unterschiede. So fällt Konle besonders auf, dass Stadträtin Emanuela Mariotti beim Rosora-Abend ganz selbstverständlich mit einer Schärpe in den italienischen Landesfarben zum Unterzeichnen der Jubiläums-Urkunde antritt. Gut gefallen hat Krist, dass in diesem Jahr viele junge Leute der 30-köpfigen Besuchergruppe angehört habebn. Das zeigt, dass die Partnerschaft von der nächsten Generation weitergeführt wird.

Das hat ganz nebenbei den Vorteil, dass mehr Teilnehmer englisch sprechen und sich so besser verständigen können. Denn bei der Sprache hapert es noch, trotz der Zettel mit Symbolen für Dinge des Alltags, die zur Verständigung in den Familien vorbereitet wurden. Schon seit 2007 lernt Anke Pfeffer italienisch: »Ich kann mich im Alltag durchschlagen«, meint sie. Hilfreich ist eine gebürtige Deutsche, die in Rosora lebt. Auf politischer Seite hat die Partnerschaft 2006 begonnen, als die Gemeindevertretung beschloss, eine europäische Partnergemeinde zu suchen, wie sich Konle erinnert. Anfangs waren die Katzenberger offen für Partner in Ungarn, Frankreich oder Österreich, letzteres schon wegen der Sprache. Über den »Rat der Regionen« kam man dann mit Rosora in Kontakt und besuchte die Ortschaft nahe der Adria-Hafenstadt Ancona mit einem Kleinbus.

Getrennte Schlafsäle im Kloster

Zwei Monate später, im Mai 2007, kam eine Delegation aus Rosora in den Vogelsberg, im Oktober fuhren noch einmal Antrifttaler die 1600 Kilometer in den Süden. Beim ersten Besuch wurden die Vogelsberger in einem ehemaligen Kloster etwas außerhalb der Ortschaft einquartiert. Das war anfangs etwas ungewohnt, weil es getrennte Schlafbereiche für Männer und Frauen gab, »aber dann war das nur noch lustig,« erinnert sich Pfeffer. Erst etwas später entschieden die Vogelsberger, dass sie ihre Gäste in Familien unterbringen, um mehr von den Besuchen zu haben. »Das hat sich bewährt, dabei bekommt man eine ganz anderen Einblick,« resümiert Konle. Üblicherweise übernachten und frühstücken die Gäste in den Familien und unternehmen gemeinsam Ausflüge. Beim jüngsten Aufenthalt nahmen sie am Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr teil, was die Italiener spannend fanden. Denn in ihrem Heimatort gibt es keine Feuerwehrvereine, dort ist der Brandschutz über die Berufsfeuerwehren gesichert. Eine Stütze sind die Schülerbesuche, so arbeitet man mit der Geschwister-Scholl-Schule zusammen. Die beiden Pfarrer sind ein ebenfalls Rückgrat der Verbindung, sagt Krist.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Adriano Celentano
  • Beziehungen und Partnerschaft
  • Dietmar Krist
  • Erfahrungen
  • Familien
  • Pfeffer
  • Antrifttal
  • Joachim Legatis
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.