10. Juli 2015, 18:33 Uhr

»Zwischenzeitliches« in der Kunsthalle

Die Kunsthalle auf dem eingeschlagenen Weg weiterführen – das wollen die Stadtoberen, nachdem nach sechs erfolgreichen Jahren mit Kuratorin Dr. Ute Riese deren Vertrag nicht verlängert wurde und die Museumsleitung insgesamt in neue Strukturen gebracht werden soll.
10. Juli 2015, 18:33 Uhr
Noch wird in der Kunsthalle fleißig gewerkelt. Markus Lepper, Kulturamtsleiterin Simone Maiwald und Prof. Marcel Baumgartner (v. l.) werden den Ausstellungsraum demnächst wieder mit zeitgenössischer Kunst bestücken. (Foto: dkl)

Eine nahtlose Besetzung der Stelle war nicht möglich und so hat man sich nun auf eine »zwischenzeitliche« Übergangslösung geeinigt. Kulturamtsleiterin Simone Maiwald fungiert als Geschäftsführung der Kunsthalle. Der Gießener Kunsthistorik-Professor und Kunstverein-Mitbegründer Marcel Baumgartner und sein ehemaliger Student und aktueller Leiter des Neuen Kunstvereins, Markus Lepper, werden ehrenamtlich und »für die begrenzte Zeit des Übergangs und bis zur Entscheidung und Schaffung von Strukturen die professionelle Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses garantieren und beratend tätig werden«, so Maiwald. Die Kulturamtsleiterin freut sich, dass mit den beiden Kuratoren die akademische Position und der Neue Kunstverein – »ein Geschenk für Gießen« – miteingebunden werden können.

Doch es gibt in der Kunsthalle noch weitere Neuerungen: Ausstellungen sollen künftig nicht mehr an einem Sonntagvormittag, sondern jeweils an einem Freitagabend um 18 Uhr eröffnet werden. Zudem wird das Begleitprogramm zu den Ausstellungen ausgebaut und die Kunsthalle noch mehr in das öffentliche Bewusstsein gerückt werden – etwa beim gemeinsamen Kulturfest am 6. September mit dem Stadttheater. Außerdem will Maiwald die Ausstellungsübersicht im Gesamtpaket langfristig publik machen.

Vernissage immer freitags

Die nächste Ausstellung in der Kunsthalle wird, auf Einladung von Maiwald, von Jürgen Knubben, Mitglied des Vorstands der Stiftung Dieter Krieg, kuratiert. Krieg, der 2005 verstorben ist, ist einer der radikalsten Maler seiner Generation, wenn auch weniger bekannt, »weil er sich nicht um die Gesetze und Moden des Kunstmarktes scherte«, so Maiwald. 25 Jahre lang lehrte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Er testete banale Dinge wie Salatköpfe oder Fleischstücke auf ihre Malbarkeit hin und verschaffte ihnen, allein durch die großen Bildformate, enorme Präsenz. Seine riesigen »Wort- und Schriftbilder«, die derzeit in der Kunsthalle zur Hängung bereitstehen, geben Rätsel auf. Die Ausstellung unter dem Titel »Arme Sau« wird am 24. Juli eröffnet und ist bis 4. Oktober in der Kunsthalle zu sehen. Parallel dazu wird auch wieder im Alten Schloss eine Kunstausstellung angeboten: Dort sind zeitgleich unter dem Titel »Macht nichts« ebenfalls Arbeiten Kriegs ausgestellt.

Das Ausstellungsprogramm in der Kunsthalle wird am 23. Oktober mit Kunst von Jörg Sasse fortgesetzt. Kuratiert von Marcel Baumgartner und Prof. Thomas Lange aus Hildesheim werden Arbeiten des 1962 geborenen und heute in Brandenburg lebenden Fotokünstlers zu sehen sein. Sasse, der der Düsseldorfer Fotoschule zugerechnet wird, und sich auf die digitale Bearbeitung von gefundenen (Amateur-)Aufnahmen spezialisiert hat, versteht sich eher als Maler denn als Fotograf und bezeichnet seine Werke als »Tableaus« oder »Skizzen«. Ihm dienen eingescannte Stoffe als Ausgangspunkt seines jüngsten Werkzyklus »Cotton Paintings«.

Sasse habe eine »affektive Beziehung zu Gießen«, erläutern Baumgartner und Lepper. In den Achtziger- und Neunzigerjahren war er aufgrund einer persönlichen Beziehung mehrfach in der Stadt, fotografierte Schaufenster und Wohnungen als Stillleben und stellte 2010 im KiZ aus – im Zusammenhang mit der vom Neuen Kunstverein organisierten Ausstellung »Farbe in der zeitgenössischen Kunst«.

Krieg, Sasse und Eckstein

Die dritte Position zeitgenössischer Kunst im neuen Programm ist Knut Eckstein, kuratiert vom Duo Baumgartner und Lepper. Der 47-jährige Künstler schlägt mit seiner am 19. Februar 2016 zu eröffnenden Ausstellung den Bogen von der alten Kunsthalle in der Kongresshalle zur neuen Kunsthalle im Rathaus. Im bis 2009 als Kunsthalle genutzten Kongresshallensaal war zum Abschluss des Projekts »Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst« (1996 bis 2009) mit der Ausstellung »Zwölfeinhalb« der Blick auf die 1966 als Bürgerhaus eingeweihte Kongresshalle und ihren Architekten Sven Markelius gelenkt worden. Eckstein hatte dazu die Installation »Détournement (constructing situation)«, eine begehbare Skulptur, geschaffen. Ecksteins Ausstellung wird bis 1. Mai 2016 in der Kunsthalle zu sehen sein. gl

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