11. Mai 2017, 20:59 Uhr

Zwischen »wild« und »krank«

11. Mai 2017, 20:59 Uhr
Michael Mittermeier erfüllt in Gießen die Erwartungen seiner Fans. Neue Gags liefert der Comedy-Routinier zwar kaum. Die Zuschauer sind trotzdem zufrieden. (Foto: jri)
Wir werden heute über Dinge reden, die uns wild machen«: Mit diesem Versprechen springt Michael Mittermeier unter wilden Rockmusikklängen auf die Bühne in der voll besetzten Kongresshalle. In blutroter Farbe prangt das Wort »WILD« in vier Meter hohen Buchstaben im Hintergrund. Wo aber hört »wild« auf und wo fängt »krank« an? Diese Frage wirft der 51-jährige Spaßmacher-Routinier, der seit über 20 Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Comedians gehört, auch in den Raum – ohne sie aber im Laufe des Abends zu beantworten. Dafür serviert der Bayer seinem auf wilde Späße wartendem Publikum drei Stunden lang Gags – mit meist ordinärer oder sexueller Note, aber auch garniert mit politisch unkorrekten Anspielungen auf Flüchtlinge, Trump, Putin, Merkel oder die AfD.

»Wild sind wir doch vor allem in unseren Träumen. Als ich 16 war und meine erste mehrwöchige Freundin (Publikum schmunzelt) zum ersten Mal bei mir übernachtete, hatten wir Sex – nach dem Einschlafen (Publikum lacht). Ich habe nämlich vom Sex mit drei Mädels geträumt. (Publikum raunt). Als ich aufgewacht bin, war ich aber nicht so abgebrüht, zu meiner Freundin zu sagen: Hey, wo sind denn die anderen zwei …« (Publikum gröhlt).

Sein Talent für Stand-up-Comedy und spontane Witze beweist Mittermeier, als er vom Softporno »50 Shades of Grey« erzählt, den er im »Free TV« gesehen habe. »Der war doch im Fernsehen geschnitten«, ruft eine Zuschauerin. »Was, der Hauptdarsteller war beschnitten?«, fragt Mittermeier zurück. Gelächter. »Nein, aber er hatte einen Riesen-Busch«, meint die Zuschauerin. Eine Steilvorlage für den Bühnenprofi, der auf diesen »Riesen-Busch« als »offenbar für Mittelhessinnen besonders antörnendes sekundäres Geschlechtsmerkmal« noch ein paar Mal an diesem Abend zurückgreifen wird.

Wenn Mittermeier von Sex zu Politik übergeht, bleibt allerdings vieles an der Oberfläche und wirkt platt. Etwa, wenn er »mehr Respekt für Trump und für die Amerikaner« fordert – schließlich hätten sie »den ersten Präsidenten gewählt, der eine tote Katze auf dem Kopf trägt«. Putin ist für Mittermeier »voll cool, denn er hat eine eigene Rockergang, die Nachtwölfe«. Wenn Merkel eine eigene Rockergang hätte, hieße diese Gang sicher »Hells Angies«. Das sind eher Flachwitze als Tiefgänger. Schade, denn Mittermeier – der sich privat für Menschenrechte einsetzt, seine Stimme gegen Armut erhebt und sich als »politisch Linken und Grünen-Wähler« bezeichnet, hätte sicher inhaltlich mehr zu sagen. Doch das wäre dann nicht mehr massenkompatibel. Und um ein Massenpublikum buhlt der mehrfache Gewinner des deutschen Comedypreises.

Seine Fans, von denen viele aus dem Um- und Hinterland – von Ballersbach bis Unter-Widdersheim – gekommen sind, stellt »MM« zufrieden, auch wenn der Comedian vieles wiederholt, was er bei seinem letzten Besuch in Gießen im Januar 2016 schon vorgetragen hat. »Es war super – genau das, was der Arzt mir verordnet hat«, meint eine Frau. »Lange nicht mehr so gelacht« oder »Wir hatten viel Spaß« lauten weitere Reaktionen.

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