29. März 2013, 22:38 Uhr

Zwei restaurierte Grabsteine kehren zurück nach Allendorf

Gießen-Allendorf (dkl). Den ganzen Winter über waren sie in der Restaurierungswerkstatt von Martin Stein in Karlstein (bei Münzenberg): Die beiden historischen Grabsteine aus Buntsandstein, die in der Umfassungsmauer der Allendorfer Kirche eingemauert waren.
29. März 2013, 22:38 Uhr
Restaurator Stein mit dem Grabstein von Johann Philipp Amend. (Fotos: dkl)

Hatten Pfarrerin Johanna Häfner und der archäologische Denkmalpfleger Manfred Blechschmidt vor dieser Maßnahme noch um Mithilfe bei der Suche nach alten Fotografien von den Grabsteinen gebeten, um die Schriften entziffern zu können, so erwies sich dies zumindest teilweise als überflüssig.

Die Überraschung war groß zu Wochenbeginn, als Restaurator Stein und sein Mitarbeiter Jedlicka die Steine abluden und aus der Schutzfolie auspackten. Überraschung über die Schönheit und die Lesbarkeit vor allem der rückseitigen Inschriften. Davon hatte man nichts gewusst. Die Inschriften sind nur deshalb so gut erhalten, weil sie eingemauert und so vor direkten Witterungseinflüssen geschützt waren. Er habe allerdings schon reichlich mit dem Dampfstrahler arbeiten müssen, ehe es so geworden sei, berichtet Bildhauer Stein. Es hat sich gelohnt.

Lesbar wurden die sogenannten »Leichtexte«. Das waren Bibelsprüche, die sich der Verstorbene in der Regel noch selbst ausgesucht hatte. Der Kirchenälteste (Vorstand der Kirchengemeinde) Johann Philipp Amend (1681-1743) hatte eine Stelle aus dem neuen Testament gewählt (Timotheus 4.Kap., Vers 7, 8), die sich auf den »guten Kampf« im Leben bezieht, der von der »Krone der Gerechtigkeit« belohnt werde. Auch diese Krone ist dargestellt – wie auf lutherischen Grabsteinen dieser Zeit üblich. Hingegen hat seine Frau Catharina, deren Name nicht mehr lesbar ist, offenbar ein schreckliches Schicksal erlebt, denn sie lässt aus Jeremias Klageliedern zitieren (1.Kap., Vers 12).

Leichtexte auf Fahnen gedruckt

Der Kirchenvorstand hat beschlossen, die Steine nunmehr im Innern der Kirche aufzustellen. Da sie aus Platzmangel nicht frei aufgestellt werden können, wird die Rückseite mit den Leichtexten wieder an die Wand gerückt und damit nicht lesbar sein. Daher sollen die Leichtexte auf Fahnen gedruckt werden, die an der benachbarten Rückwand aufgehängt werden.

Die Vorderseite ist bei dem einen Grabstein auch nach der Restaurierung nicht lesbar, hier hat der Zahn der Zeit schon zu lange genagt. Hingegen ist diejenige von Johann Philipp Amend mit der Familien-Anbetungsszene in der Giebelzone sehr schön geworden. Gut zu erkennen sind die männlichen Personen (Amend und sein Sohn) rechts vom Gekreuzigten und die weiblichen (Ehefrau Catharina und zwei Töchter) links davon. Rechts und links, das bedeutet vom Gekreuzigten aus gesehen, denn die Seitstellung verweist auf die hierarchisch höher stehende Position (»zur Rechten Gottes«).

Möglich wurde die Restaurierung durch finanzielle Unterstützung, die zur Hälfte vom Landesamt für Denkmalpflege Wiesbaden und zu einem Viertel von der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Gießen erfolgte. Den Rest bringt die Kirchengemeinde auf. Die Gemeinde kann also beim Ostergottesdienst, der auch die Verabschiedung von Pfarrerin Häfner bedeutet, die steinernen Zeugen ihrer örtlichen Kirchengeschichte in Augenschein nehmen.

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