02. Januar 2018, 20:08 Uhr

Woscht Eck geschlossen

02. Januar 2018, 20:08 Uhr
Theo Strippel gibt die Würstchenbude nach zwei Jahren auf. Das Woscht Eck bleibt aber erhalten, ab Februar unter neuer Führung. (Foto: Schepp)

»Dickno Madrelestäbchen« und »Latscho Currykrumnygoij«: Die vor zwei Jahren eröffnete Imbissbude »Theos Woscht Eck« am Rande des Eulenkopfs hat in kurzer Zeit Kultstatus erreicht. Seit Freitag gibt es dort allerdings weder Pommes frites noch Currywurst. Die Bude ist geschlossen. Theo Strippel muss sie aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

»Es geht nicht mehr«, erklärt die Gießener Kraftsportlegende. »Ich schaffe es nicht mehr alleine.« Er habe am letzten Tag ein Tränchen verdrückt, gesteht der 55-Jährige, der die Bude 2015 als hessenweit einzigen Imbiss mit einem Rollstuhlfahrer als Inhaber gegründet hatte. Über mangelnden Zulauf könne er sich nicht beklagen. Aber er müsse auf seine Gesundheit achten, erklärt er. Er habe unterschätzt, wie viel Kraft es kostet, die Bude zu betreiben.

Ab Februar soll das Woscht Eck aber wieder öffnen. »Ein guter Freund übernimmt die Bude«, erklärt Strippel – und versichert: »Es bleibt alles so wie bisher.«

So ganz stimmt das selbstverständlich nicht. Viele Stammkunden haben die Imbissbude am Heyerweg vor allem aufgesucht, um bei einer Currywurst mit Strippel zu plaudern. Die Bude wurde vor zwei Jahren so umgebaut, dass der Rollstuhlfahrer darin bequem die Kundschaft bedienen konnte. Strippel ist seit seinem 18. Lebensjahr querschnittsgelähmt. Die Kraftsportlegende erfüllte sich mit dem Woscht Eck seinen Lebenstraum von einer beruflichen Selbstständigkeit.

Weil am Eulenkopf viele immer noch gern manisch pucken, ist die Speisekarte der Bude zweisprachig. Die grobe hessische Bratwurst etwa wird als »Hapadtschukers Hessegoij« angeboten. Die »Latscho Currykrumnygoij« entpuppt sich als scharfe XL-Currywurst. Strippel ist am Eulenkopf aufgewachsen und hatte eine schwierige Kindheit. Auf der Flucht vor der Polizei stürzte er als Jugendlicher von einem Baum und konnte fortan nicht mehr laufen. Letztlich verhalf der Rollstuhl dem Gießener wieder zurück auf einen geordneten Lebensweg: Der Hüne widmete sich dem Powerlifting, bei dem die Athleten auf dem Rücken liegen und schwere Hanteln stemmen. Als mehrfacher deutscher Meister, Weltmeister in den Jahren 1997 und 1999 sowie Weltrekordhalter wurde Strippel zu einem der bekanntesten Gießener Sportler. Parallel dazu baute er als Trainer und Betreuer die Kraftsportabteilung des Athletik-Clubs Eulenkopf auf. Der Verein, dessen Vorsitzender Theo Strippel ist, spielt über den Sport hinaus eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt in der Siedlung. Der ehemalige Powerlifting-Weltmeister will sich nun wieder intensiver seinem Sport widmen.

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