11. September 2018, 06:00 Uhr

Kita-Öffnung

Wenn die Kita-Zeit nicht passt

»Flexible Öffnungszeiten« in der Kinderbetreuung bietet die Stadt offiziell an. Doch nicht alle Wünsche der Eltern sind erfüllbar. Steuert das Jugendamt nun nach?
11. September 2018, 06:00 Uhr
Seit 2016 bieten die Gießener Kindertagesstätten flexible Öffnungszeiten. Dieser Grundsatz hat allerdings Grenzen. (Symbolfoto: dpa)

Der erste Geburtstag stand an, ein 30-Stunden-Platz für die kleine Tara (Name geändert) war zugesagt. »Erst im Vorgespräch eine Woche vor Betreuungsstart haben wir erfahren, dass es nur einen Platz für 45 Stunden gebe«, berichtet der Vater. »Wir sind darauf eingegangen, weil wir die gute Stimmung in unserer Wunsch-Kita nicht gleich trüben wollten.« Nun bezahlen die Eltern für 45 Stunden wöchentlich in der kirchlichen Kindertagesstätte, obwohl sie diese Zeit nicht ausnutzen.

Es gebe anscheinend mehrere solcher Fälle, sagt Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich auf Anfrage dieser Zeitung. Fachleute befassten sich damit, möglicherweise werde nachgesteuert. Grundsätzlich hätten die »flexiblen Öffnungszeiten« in den Gießener Kitas gewisse Grenzen, erklärt die Grünen-Politikerin.

 

Fünfjährige Testphase der flexiblen Öffnungszeiten

An diese Grenzen stößt ein Lehrer-Ehepaar, das für seine Tochter gern einen reinen Vormittagsplatz buchen möchte. »Wir brauchen eine Betreuung von 7 bis höchstens 14.30 Uhr, aber an den meisten Tagen eigentlich kein Mittagessen in der Einrichtung«, sagt der Vater. Ein solcher Platz sei in der Kita des Mädchens– betrieben ebenfalls von einem freien Träger – aber nicht möglich.

Nach einer fünfjährigen Testphase hat die Stadt vor zwei Jahren flächendeckend flexible Öffnungszeiten in den Krippen und Kindergärten eingeführt. Grundsätzlich können Eltern zwischen den wöchentlichen Betreuungszeiten 25, 30, 35, 40, 45 oder 50 Stunden wählen und diese nach Bedarf auf die Wochentage verteilen.

In zweierlei Hinsicht müssten allerdings die Interessen der Eltern – oder der Arbeitgeber – mit denen der Kita abgewogen werden, erklärt Weigel-Greilich. Zum einen gebe es pädagogische Vorgaben. Beispielsweise sei es nach Meinung von Fachleuten nicht sinnvoll, dass Kinder an einem Tag zehn Stunden oder länger in der Kita bleiben.

 

Manchmal würde Abholen stören

Spätestens ab einer Betreuungszeit von fünf Stunden sollten die Kleinen in der Einrichtung auch ein Mittagessen einnehmen, gemeinsam mit den anderen Kindern. Außerdem gebe es »Konzepte und Tagesabläufe mit Kernzeiten, die möglichst nicht durch das Bringen oder Abholen von Kindern gestört werden sollten«, so die Jugenddezernentin.

Der zweite Punkt sind die Arbeitszeiten. »Erzieherinnen möchten aus verständlichen Gründen feste Arbeitszeiten, möglichst auch zu familienfreundlichen Zeiten, haben also auch Anspruch auf Arbeitnehmerrechte. Das ist oft schwierig in Einklang zu bringen.«

Mit den beiden und weiteren ähnlichen Fällen befasse sich der Fachausschuss Kinderbetreuung, ein Untergremium des Jugendhilfeausschusses, erläutert Weigel-Greilich. Die Angebotsstruktur der freien Träger seien dort ebenso ein Thema wie mögliche weitere Nachbesserungen der flexiblen Öffnungszeiten. Aktuell läuft dazu beim Jugendamt das Forschungsprojekt Kita Plus, gefördert vom Bundesfamilienministerium.

Info

Neue Gebühren bleiben vorerst

Keine weiteren Beschwerden seien beim Jugendamt zu den neuen Gebühren eingegangen, erläutert Bürgermeisterin Weigel-Greilich. Es gebe auch keine Umbuchungen auf 30-Stunden-Plätze in nennenswertem Umfang. »Für die Satzung der Stadt sehe ich keinen aktuellen Änderungsbedarf. Grundsätzliche Änderungen sind sicherlich wünschenswert, müssen aber von Landesseite aus erfolgen.« Wie berichtet, zahlen in Gießen einige Eltern seit 1. August höhere Gebühren als bisher. Die schwarz-grüne Landesregierung hatte zwar kostenfreie Betreuung angekündigt. Das gilt aber nur ab drei Jahren und bis 30 Stunden wöchentlich. Die Stadt Gießen hat die Gebühren ganz neu geordnet und bittet Gutverdiener teilweise stärker zur Kasse. Gering- und Mittelverdiener werden weiter entlastet.

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