08. Juni 2017, 21:04 Uhr

Wenn Herkunft zur Falle wird

08. Juni 2017, 21:04 Uhr
DHG

Dass ein Migrationshintergrund den Einstieg in den Arbeitsmarkt erschwert, steht für Greta Olson, Professorin für Neuere amerikanische und englische Literatur, außer Frage. Besonders Journalisten mit Migrationshintergrund seien unterrepräsentiert. Aus diesem Anlass lud das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) unter Olsons Moderation zur Podiumsdiskussion »Herkunft als Falle. Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert« ein.

Zumindest ein Journalist mit »fremd klingenden« Nachnamen genießt seit Anfang des Jahres Bekanntheit. Deniz Yücel, Welt-Journalist, sitzt seit dem 14. Februar in Gefangenschaft der türkischen Regierung. »Wurde in Kauf genommen, dass Deniz in Gefahr gerät?«, fragt die freie Journalistin Cigdem Toprak. Sie ist die Jüngste am Podium und muss selbst mit Alltags-Rassismus kämpfen. Die Islamdebatte habe sie in den Journalismus getrieben, »aber oft fühle ich mich darauf reduziert«, sagt Toprak. Ähnliche Erfahrungen teilt die TAZ-Redakteurin Doris Akrap. Aufgrund ihrer blonden Haare und blauen Augen falle ihre Herkunft zwar nicht auf, aber spätestens wenn ihr Name fällt, müsse sie sich rechtfertigen. »In der deutschen Gesellschaft gibt es tiefe antimuslimische Ressentiments«, weiß Akrap.

»Rassismus gegen Schwarzhaarige«

Auch im Journalismus sei dies bemerkbar. Journalisten mit Migrationshintergrund könnten über Themen schreiben, die anderen schwer zugänglich sind. »Aber ich wollte nie der ›Türke vom Dienst‹ sein«, kritisiert Akrap. Über ein »Opferticket« wolle sie nicht zur Spezialistin werden. Auch die Moderatorin Olson, die in den Vereinigten Staaten geboren worden ist, übt scharfe Kritik und spricht von einem »Rassismus gegen Schwarzhaarige«. Neben den beiden Print-Redakteurinnen saß auch Radiomoderator Miltiadis Ouluos auf dem Podium. Belächelnd erhebt er Anspruch auf die Debatte um das Biodeutsch-Sein. »In seinem Satireformat in Köln habe ich 2001 den Begriff eingeführt, ohne mit solchen Ausmaßen zu rechnen«, schmunzelt Ouluos. Es beginne schon bei der Sprache. Ist jemand ein Deutscher mit Migrationshintergrund, ein Türke oder ein Deutsch-Türke?

»Wir sind alle irgendwie deutsch – aber nicht nur deutsch«, führt Ouluos aus. Er habe den Anspruch satt, sich für eine Identität entscheiden zu müssen.

Trotz Startschwierigkeiten und Anfeindungen sind die drei Journalisten gerne Journalisten. Und sie raten auch anderen Migranten, den Schritt zu gehen. »Nicht aufgeben, dranbleiben«, ermutigt Akrap, »vermeidet das Wort Migrant. Denn am Ende des Tages sind wir alle deutsch.«

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