09. August 2018, 13:08 Uhr

Hitze

Welche Auswirkungen die Hitze auf das Leben in Gießen hat

Freibäder und Eisdielen können sich vor Kunden kaum retten, Ventilatoren gehen weg wie warme Semmeln: Doch die Hitze sorgt auch für Verlierer in Gießen.
09. August 2018, 13:08 Uhr
Wer noch keinen Ventilator hat, wird so leicht auch keinen mehr bekommen. Die Lager sind leer. (Foto: Schepp)

Jagd nach Ventilatoren: Es soll Gießener geben, die das gesamte Stadtgebiet nach Ventilatoren abgegrast haben – ohne Erfolg. Die frischen Wind versprechenden Geräte sind ausverkauft. Auch im Obi im Schiffenberger Tal, wie Felix Hofmann bestätigt. »Wir haben keine Ventilatoren mehr, ich bezweifle auch, dass noch welche kommen.« Denn nicht nur die eigenen Lager, sondern auch die der Lieferanten seien leer. Wer sich eine Klimaanlage anschaffen will, wird bei Obi ebenfalls nicht fündig. Und auch die aufblasbaren Swimming Pools sind ausverkauft, sagt Hofmann. »Wir haben nur noch Planschbecken.« Neben Pools, Ventilatoren und Klimageräten dürften in den vergangenen Wochen auch jede Menge Sonnenschirme, Pavillons und andere schattenspendende Produkte über die Ladentheken gewandert sein. Für die Baumärkte ist die Hitze ein gutes Geschäft.

Ansturm auf die Ringallee: Klar, dass sich die Stadtwerke als Freibad-Betreiber derzeit über hohe Besucherzahlen freuen. Aber die Zahlen, die Unternehmenssprecherin Ina Weller jetzt präsentiert, sind schon beeindruckend. »Die Anzahl der Badegäste in unseren Freibädern ist jetzt schon mehr als 50 Prozent höher als in der vergangenen ganzen Freibad-Saison.« Zum Kassenschluss am Montagabend seien es insgesamt 173 774 Menschen gewesen, mit 137 096 Personen entfiel der Löwenanteil auf das Freibad in der Ringallee. Probleme in den Heizwerken und Heizkraftwerken der Stadtwerke gebe es auch nicht zu vermelden. Kurzum: Die Stadtwerke sind ein Gewinner der Hitze.

Hitze sorgt für Herbstzustände: Im Botanischen Garten lautete die Devise wässern, wässern, wässern. »Wir beginnen morgens um 6 Uhr und machen den Tag über kaum etwas anderes, als die Regner umzustellen«, sagt der Technische Leiter Holger Laake. Bisher hätten Hitze und Wassermangel noch keine Pflanzenopfer gefordert, das Ausmaß der aktuellen Wetterlage werde man aber erst im kommenden Jahr sehen. »Dann wird sich zeigen, wie die Pflanzen austreiben«, sagt Laake. Aber schon jetzt sei die ein oder andere Folge sichtbar: »Wegen des Wassermangels verringern die Bäume ihre Oberfläche und schmeißen Blätter ab. Diesen verfrühten Herbst werden wir bald ganz massiv zu sehen bekommen.«

Senioren leiden: Gerade älteren Menschen macht die Hitze zu schaffen. Kein Wunder, dass den aktuellen Temperaturen in Seniorenheimen besondere Beachtung entgegengebracht wird. »Wir haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Bewohner zu schützen«, sagt Awo-Geschäftsführer Jens Dapper. Zum Beispiel würden zusätzliche Getränke bereit- und Ventilatoren aufgestellt. »Wir bereiten auch zusätzliche Suppen zu, um die Bewohner mit Mineralien zu versorgen«, betont Dapper. Bei einigen gesundheitlich angeschlagenen Bewohnern seien sogar Infusionen gelegt worden.

Morgens klettern: Auch auf den Kletterwald am Schiffenberg haben die hohen Temperaturen Einfluss. Parkleiter Christian Sauer betont zwar, dass nicht weniger Besucher kämen als sonst, sie würden aber zu anderen Zeiten klettern. »Normalerweise gibt es mittags einen Ansturm, der bis zum Abend hält. Momentan haben wir hingegen schon morgens viel Betrieb, ab der Mittagszeit geht das stark zurück.« Denn auch im schattigen Wald sei die Hitze nur am Morgen zu ertragen.

Klimaflucht ins Kino: Bei sonnigen Temperaturen zieht es die Menschen eher in den Biergarten als ins Kino. Das weiß auch Kinopolis-Betreiber Enrico Sinner. »Gerade am Anfang des Sommers ist es sehr hart für uns. Inzwischen hat sich das relativiert.« Und dabei spiele auch die aktuelle Rekordhitze eine nicht zu unterschätzende Rolle. »Jetzt, da die Temperaturen so hoch sind, suchen die Menschen Erholung vor der Hitze. Und immer mehr Leute flüchten ins klimatisierte Kino.« Trotzdem würde es dem Geschäft gut tun, wenn es mal wieder ein paar Tage regnen würde, sagt Sinner. Der Regen vom Dienstag kann sich aus seiner Sicht gern wiederholen.

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