11. September 2009, 20:12 Uhr

Wehmütiger Abschied von Wiege des Kraftsports

Gießen (pd). In solchen Momenten werden selbst starke Männer schwach. Als vor wenigen Tagen im Fitness-Center Klock in der Weserstraße zum letzten Mal Hanteln bewegt und Gewichte in die Höhe gewuchtet wurden, floss nicht nur der Schweiß, sondern auch so manche Träne.
11. September 2009, 20:12 Uhr
Letztes Trainig: Am Tag vor der Schließung präsentierten sich ein gutes Dutzend Bodybuilder noch einmal vor »ihrem« Fitness-Center in der Weserstraße.

Gießen (pd). In solchen Momenten werden selbst starke Männer schwach. Als vor wenigen Tagen im Fitness-Center Klock in der Weserstraße zum letzten Mal Hanteln bewegt und Gewichte in die Höhe gewuchtet wurden, floss nicht nur der Schweiß, sondern auch so manche Träne. Nach 32 Jahren hat das Studio, das von vielen als die »Wiege des Kraftsports« bezeichnet wird, für immer geschlossen. Untrennbar mit der Entwicklung des Fitness-Centers in der Weserstraße verbunden ist der Name Walter Klock. Dem Mann, der das Studio 1977 gegründet und zu einem der weltweit erfolgreichsten Bodybuilding-Center gemacht hat, ging die Schließung sehr nahe. »Das war wie eine Beerdigung.«

Vor wenigen Tagen hat der Trainer, der in der kommenden Woche seinen 79. Geburtstag feiert, gemeinsam mit dem ehemaligen Spitzen-Bodybuilder André Lotz Pokale aus den Vitrinen geholt und Bilder sowie Urkunden abgehängt. »Zu jedem Foto ist mir eine Geschichte eingefallen«, berichtete Walter Klock jetzt im AZ-Gespräch. Obwohl er das Studio vor zehn Jahren verkauft hat, sei ihm der endgültige Abschied von der Weserstraße »sehr, sehr schwergefallen«. Schließlich kann sich »Mr. Bodybuilding« noch genau an die Anfänge des Studios 1977 in der Nordstadt erinnern. Eigentlich wollte Klock, der damals noch in Darmstadt lebte, seinem Sohn Thomas für die Zeit bei der Bundeswehr in Gießen eine private Trainingsmöglichkeit schaffen. Doch dann waren die angemieteten Räume in der Weserstraße so groß, dass daraus ein geschäftlich genutztes Fitness-Center wurde. Die ersten Schritte in der neuen Branche waren allerdings nicht einfach. »Es dauerte acht Tage, bis der erste Kunde kam, und der fragte zunächst einmal nach der Sauna«, erinnert sich Walter Klock an die Anfänge des Centers. Doch das sollte schnell anders werden. Nach mühsamem Start entwickelte sich eines der erfolgreichsten Studios, aus dem zahlreiche Welt-, Europa- und Deutsche Meister hervorgegangen sind. Walter Klock prägte nicht nur die Gießener Bodybuilding-Szene, er war als Trainer und in der Verbandsarbeit national und international erfolgreich. »Am Studio in der Weserstraße haben sich damals Kraftsportler aus ganz Deutschland und darüber hinaus orientiert.« Kein Wunder, schließlich stellten sich schnell Erfolge weit über die heimischen Grenzen hinaus ein. Da gab es Eigengewächse wie Michael Staudinger, André Lotz und Christian Westbrock, die seit 1980 immer wieder in den Siegerlisten hochkarätiger Wettkämpfe zu finden waren. Oder Günter Schlierkamp, der als Weltmeister und Profi-Bodybuilder inzwischen in Kalifornien lebt, aber weiterhin regelmäßig Kontakte zum »erfolgreichsten Bodybuilding-Trainer der Welt« pflegt. 1985 wurde der Förderer und Coach zahlreicher Champions zusammen mit Arnold Schwarzenecker, dem er heute noch freundschaftlich verbunden ist, in München mit der goldenen Ehrennadel des Deutschen Bodybuilding und Fitnessverbandes ausgezeichnet.

Zurück in die Weserstraße: In den Hochzeiten des Kraftsports hatte das Studio mehrere hundert Mitglieder, die zum Teil enorme Anfahrtswege auf sich nahmen. Auf der Trainigsfläche ging es damals nicht nur um den sportlichen Ehrgeiz und die Suche nach persönlichen Grenzen. Für manchen war Walter Klock nicht nur Trainer, sondern auch persönlicher Berater und Sozialarbeiter. »Einige Jungs habe ich mit 16 Jahren unter die Fittiche genommen. « So manchen habe er dabei unterstützt, wieder »festen Boden unter die Füße zu bekommen«. Deutlicher wird André Lotz: »Im Studio wurden damals viele Jugendliche aufgefangen, die sonst in die Kriminalität abgerutscht wären«. Seine Erfahrung und sein enormes Wissen rund um das Thema Bodybuilding gibt Walter Klock heute noch weiter - im »clox«, dem Studio seines Sohnes Stefan. Dort trainieren inzwischen auch einige ehemalige »Klock«-Kraftsportler.

Das Kapitel Bodybuilding in der Weserstraße ist nach der Schließung nämlich endgültig abgeschlossen. Die Eigentümerin des Anwesens berichtete auf Anfrage, dass nach dem Auslaufen des Zehn-Jahres-Vertrages, der »in beiderseitigem Einvernehmen« beendet worden sei, kein Fitness-Studio mehr einziehen wird. »Erst müssen die Geräte rausgeräumt werden, dann sehen wir weiter«, ließ sie die künftige Nutzung der Räume offen.

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