26. Januar 2017, 19:13 Uhr

Weg in die Pflege geebnet

»Zuerst war es schwer mit der Sprache. Dann habe ich viel gelernt und hatte viel Spaß.« Yaseen Muhammed strahlt, wenn er von seinen Praktika in der Kardiologie des Gießener Uni-Klinikums erzählt. Der junge Mann aus Pakistan gehört zu sieben Flüchtlingen, die beim Projekt »First Step« in Gießen Pflegeberufe kennengelernt haben. Alle können sich gut vorstellen, in dieser Branche auf Dauer zu arbeiten.
26. Januar 2017, 19:13 Uhr
Mit von der AOK gespendeten Geräten wird »First Step« künftig noch praxisnäher. Darüber freuen sich die Teilnehmer mit Katja Sieblist (AOK, l.) sowie Reiner Sippel (r.) und Steffen Uhde (2. v. r.) vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. (Foto: Schepp)

»Zuerst war es schwer mit der Sprache. Dann habe ich viel gelernt und hatte viel Spaß.« Yaseen Muhammed strahlt, wenn er von seinen Praktika in der Kardiologie des Gießener Uni-Klinikums erzählt. Der junge Mann aus Pakistan gehört zu sieben Flüchtlingen, die beim Projekt »First Step« in Gießen Pflegeberufe kennengelernt haben. Alle können sich gut vorstellen, in dieser Branche auf Dauer zu arbeiten.

Das »Qualifizierungs- und Vermittlungsangebot in der Pflege« schlage gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe und nutze somit der ganzen Gesellschaft, erläutert beim Pressegespräch Reiner Sippel, Regionalleiter des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft. Immer mehr alte Menschen brauchen Pfleger, während die jüngere, berufstätige Bevölkerung schrumpft. Zugleich sei es sinnvoll, denjenigen Migranten, die voraussichtlich hier bleiben dürfen, möglichst zügig einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Neun Monate lang erwerben sie nicht nur Fachwissen von Hygieneregeln bis zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen. Sie verbessern außerdem ihr Deutsch, werden sozialpädagogisch betreut und üben in Praktika den Umgang mit Kranken und Senioren. Einige von ihnen hatten Vorkenntnisse: Lenuta Bucur aus Rumänien hat ergotherapeutisch mit Kindern gearbeitet, die Eritreerin Debora Gezai Alem war schon als Pflegehelferin tätig, ähnlich wie Yosuf Mohammed aus Äthiopien.

Zwischen 25 und 59 Jahren, mit guter Bleibeperspektive und ohne anerkannten Berufsabschluss sind die Teilnehmer. Es sei nicht Ziel des Projekts, dass sie sofort danach die Berufstätigkeit aufnehmen, erklären Koordinator Steffen Uhde und Lehrgangsleiterin Frauke Baumgarten. Abdulrahman Almas wird vermutlich über ein freiwilliges soziales Jahr in eine Krankenpflegeausbildung einmünden. Andere streben einen Schulabschluss an, der Voraussetzung für höherwertige Ausbildungen. Die Pflegeeinrichtungen hätten sich indes – so Sippel – längst geöffnet auch für Menschen, die formal geringere Qualifikationen mitbringen. Berufe wie Betreuungskraft oder Alltagsbegleiter kann man in einigen Monaten lernen.

Noch mehr Praxisnähe wird ab sofort möglich durch einen Rollator, einen Rollstuhl und einen Lifter in den Unterrichtsräumen. Gespendet hat die Geräte die AOK Hessen, die zudem einige Unterrichtsstunden zu Themen wie Pflegeversicherung übernommen hat. »Händeringend« würden Pfleger gesucht, auch für die eigenen Versicherten, erklärt Katja Sieblist dieses Engagement. Es sei außerdem im Interesse der Krankenkasse, dass möglichst viele Neubürger »in Lohn und Brot stehen« und somit einzahlen in die Sozialversicherungen.

»Ich habe mich sehr über die Chance gefreut«, betont Yohannes Tesfey Kidane, der vor knapp drei Jahren nach Deutschland kam. Auch die anderen Teilnehmer sind ausgesprochen zufrieden: Sie bewerteten das Angebot in einer Befragung mit der Note »sehr gut«. Von den Praktikumsbetrieben kämen ebenfalls positive Rückmeldungen, berichten die Bildungswerk-Mitarbeiter. Das Konzept werde stetig weiterentwickelt.

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