04. April 2018, 06:00 Uhr

Gießener Stube

Was wird aus der »Gießener Stube«?

Vor dem Traditionslokal »Gießener Stube« liegt eine ungewisse Zukunft. Pächterin Ulrike Bohlig hört zum Sommer auf.
04. April 2018, 06:00 Uhr
Ulrike Bohlig wird nur noch bis zum Sommer hinterm Tresen der »Gießener Stube« stehen. Wie es danach weitergeht, ist unklar. (Foto: chh)

Kein Genuss ist vorübergehend: Dieser Spruch von Johann Wolfgang von Goethe steht ganz oben auf der Speisekarte der »Gießener Stube«. Ob aber auch das Traditionslokal selbst noch von langer Dauer ist, kann Wirtin Ulrike Bohlig nicht sagen. Fakt ist: Die Gastronomin wird über den Sommer hinaus nicht mehr Pächterin sein. »Für uns ist hier spätestens am 30. Juni Schluss.«

 

Seit 1977 Restaurant

 

Das gutbürgerliche Restaurant in der Neuen Bäue ist für Generationen von Gießenern eine beliebte Adresse gewesen. Das Motto »Ihr nettes Zuhause im Herzen der Stadt« war für viele mehr als nur ein Werbeslogan. Sie nahmen es beim Wort. Bereits seit 1977 können die Gießener hier Schnitzel oder Rumpsteak essen, auf der kleinen Terrasse ein kühles Bier trinken oder bei einem der etlichen Stammtische über die guten alten Zeiten reden. Auch eine Menge Fünfziger-Vereinigungen haben die »Gießener Stube« zu ihrem Stammlokal erkoren.

 

"Private Gründe"

 

»Das Geschäft lief gut, daran liegt es nicht«, betont daher Bohlig, die das Lokal 2013 vom Pächterehepaar Hubert und Brigitte Henning übernommen und anschließend erst einmal saniert hatte. Der Grund, warum sie den auslaufenden Pachtvertrag jetzt nicht mehr verlängert, habe vielmehr private Gründe, sagt die gelernte Hotelfachfrau, ohne auf die Details eingehen zu wollen. Man merkt ihr jedoch an, dass ihr der Schritt zu schaffen macht. »Das ist mein Baby gewesen. Ich habe viel Kraft und Energie hineingesteckt. Das es jetzt zu Ende geht, fällt mir sehr schwer.« Vor allem für ihre Team tue es ihr Leid, sagt die Chefin. »Wir sind wie eine Familie.« Aber auch die vielen Stammgäste und die Mitglieder der Fünfziger-Vereinigungen habe sie in den vergangenen Jahren liebgewonnen. Ob die Stammgäste sich nun ein neues Lokal suchen müssen, kann Bohlig nicht sagen. »Ich weiß nicht, wie es hier nach dem Sommer weitergehen wird. Da bin ich der falsche Ansprechpartner.«

 

Verpächter: Name soll bleiben

 

Der richtige ist Klaus Denninghoff, dessen Familie das Restaurant verpachtet. Und laut dem Senior müssen sich die Gäste keine Sorgen machen, dass in der »Gießener Stube« künftig etwa ein Döner-Imbiss oder eine Shisha-Bar einziehen. »Er soll wenig verändert werden. Wir streben an, dass die Tradition fortgeführt wird«, sagt Denninghoff. Dazu gehöre auch, dass der Name »Gießener Stube« beibehalten werden soll. »Es ist jedoch nicht so einfach, die richtigen Leute zu finden. Gute Pächter sind Mangelware.« Es habe aber auch schon vielversprechende Gespräche mit potenziellen Nachfolgern gegeben, sagt Denninghoff. Derzeit würden mit den aussichtsreichsten von ihnen Verhandlungen geführt. Gut möglich also, dass in der Traditionsgaststätte auch nach dem Sommer saftige Schnitzel, Salate vom Markt und Gießener Eisenpfännchen serviert werden.

»Kein Genuss ist vorübergehend«, sagte Goethe einst, und fügte zudem an: »Der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.« Auch dieser Spruch ist auf der Speisekarte der Gießener Stube zu lesen. Ein Omen für die Zukunft?

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