18. Juni 2018, 22:10 Uhr

Was macht das Hirn in der Vase?

Gleich vier Künstlerinnen bestreiten die neue Ausstellung »Hirn in Vase« in der Galerie 23 der Lebenshilfe am Seltersweg. Schon die Vernissage war sehr gut besucht.
18. Juni 2018, 22:10 Uhr

Gabriele Boulanger, Birgit Gigler, Annika Weertz und Lena Kasperski zeigen in der Galerie 23 ein recht breites Spektrum von Malerei, Skulptur und Collage, das mit zahlreichen Einfällen sehr attraktiv zu erleben ist. Der Titel »Hirn in Vase« stammt von einer Arbeit Boulangers. Atelierleiterin Andrea Lührig fand genau die richtigen Worte, um Licht aufs Thema Collage zu werfen, indem sie Max Ernst sprechen ließ: »Hier dreht sich alles um die Collage, eine Technik mit uralter Tradition, von der Max Ernst sagte: Es ist die systematische Ausbeutung des zufälligen Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene und der Funke Poesie, der dabei überspringt.« Das fasst es perfekt, und die gezeigten Arbeiten belegen den Erfolg der Technik aufs Schönste.

Polaroids frei bearbeitet

Gabriele Boulanger aus Berlin arbeitet in einem Verlag und studierte Kunstpädagogik. In ihrer Arbeit tauchen immer wieder Fundstücke auf, und sie stellt die größte Werkgruppe, nämlich die linke und die Stirnwand, an denen sie Collagen, Malerei und nicht zuletzt einige kleine Skulpturen zeigt, die ebenfalls collagiert sind: zusammengefügt aus diversen Gegenständen: »ganz neue Persönlichkeiten,« fand Lührig.

»Die einzigartige Birgit Gigler« (Lührig), eine erfahrene und vielseitige Künstlerin der Ateliergruppe, ist die zweite Teilnehmerin. Sie bearbeitete malerisch die Polaroids der Gießener Fotografin Annika Weertz und verleiht ihnen einen unverwechselbaren persönlichen Touch, erweitert sie gleichsam über ihr angestammtes Format hinaus. Lena Kasperski, ebenfalls eine bewährte Künstlerin der Ateliergruppe, arbeitet vorzugsweise in Linolschnitt und lieferte ebenfalls prägnante Bilder. Ihre mittelgroßen Arbeiten nehmen die rechte Wand ein.

Annika Weertz studierte in Gießen Geschichte und Fachjournalistik. Sie fotografierte zunächst digital, dann analog und schließlich, nach dem Erwerb einer Polaroidkamera, auch in diesem Medium. »Sie fotografiert gern Alltägliches, ohne große Inszenierung«, sagte Lührig. »Ihre Arbeiten wirken intim und sehr persönlich, und zeigen großen Respekt vor den gezeigten Menschen.« Lührig würdigte den Mut von Weertz, die nur darauf vertrauen konnte, was aus ihren Polaroids durch die freie Bearbeitung der anderen Künstlerinnen werden würde.

Wie sich zeigt, ist die Synthese der Arbeiten der vier Künstlerinnen gleich doppelt gelungen: zum einen bieten sie drei hochkompatible Werkgruppen an, und zum anderen ist die Bearbeitung der Polaroids von Weertz durch Gigler und Kasperski ein überaus erfrischender Aspekt der wirklich sehenswerten und überraschenden Schau.

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