03. April 2017, 11:00 Uhr

Stadtteile

Warum manches Bürgerhaus ein Sorgenkind ist

Sechs Pächterwechsel binnen 20 Jahren, dazwischen lange Leerstände. Die Gastronomie im Bürgerhaus Rödgen hat es traditionell schwer, in anderen Gießener Stadtteilen läuft es besser. Warum eigentlich?
03. April 2017, 11:00 Uhr
Das Rödgener Bürgerhaus ist ein Sorgenkind. Sonst klappt es in Gießen insgesamt gut. (Foto: Schepp)

Am Dienstagabend wird im Bürgerhaus Rödgen die neue Gaststätte »Wawel« eröffnet. Nicht nur die Gießener Stadthallen GmbH als Verpächterin, sondern auch viele Einheimische drücken der Familie Fischer die Daumen, dass ihr wirtschaftlicher Erfolg beschieden ist und dass sie das Lokal lange betreiben kann.

Selbstverständlich ist das in Rödgen nämlich keineswegs. Schließlich hatten sich im Laufe der letzten 20 Jahre nicht weniger als fünf Pächter im Bürgerhaus versucht. Alle gaben nach wenigen Jahren auf, weil das Lokal nicht wirtschaftlich genug zu betreiben war. Der letzte Wirt war mit größeren Gesellschaften überfordert und hielt sogar nur ein Jahr durch; seit dem 1. Juni 2016 war die Gastronomie geschlossen.

Zwischendurch hatte es auch immer wieder längere Phasen ohne Pächter gegeben. Die Stadthallen GmbH hatte deshalb erwogen, auf eine Neuverpachtung zu verzichten. Die Vereine mussten in diesen Zeiten Veranstaltungen in Eigenregie bewirtschaften. Das klappte mehr schlecht als recht, weshalb auch der Ortsbeirat immer wieder auf die Suche nach einem neuen Pächter drängte.


Allendorfer Bürgerhaus wieder Mittelpunkt des Dorflebens

Dass Gastronomen es in Rödgen bisher schwierig hatten, liegt zum Einen an der unglücklichen Lage des Lokals im Untergeschoss des Gebäudes, zum Anderen daran, dass das Restaurant von den Einheimischen zu wenig frequentiert wurde, um Ertrag abwerfen zu können. Dazu kommt, dass die Anzahl der Veranstaltungen auswärtiger Gastgeber in dem Bürgerhaus mit dem vergleichsweise kleinen Saal deutlich geringer ist als in anderen Stadtteilen.

In Allendorf ist seit 2000 Ruhe eingekehrt. (Foto: Schepp)
In Allendorf ist seit 2000 Ruhe eingekehrt. (Foto: Schepp)
Eine solche Phase des steten Wechsels hatte über Jahrzehnte auch die Gastronomie in der Mehrzweckhalle Allendorf erlebt. Doch seit dem Jahr 2000 ist Ruhe eingekehrt. Damals begann die Jugoslawin Izeta Savanovic, die es schaffte, das Lokal wieder zu einem Mittelpunkt des Dorflebens zu machen. Als die Pächterin vor acht Jahren ins Bürgerhaus Wieseck wechselte, schaffte Nachfolgerin Tanja Meier den nahtlosen Übergang. Ihr »El Greco« mit griechisch geprägter Küche läuft gut – zumal es in diesem Stadtteil keine ernsthafte Alternative gibt.



Restaurant unter der Woche zu

Die Gastronomie in Bürgerhäusern - hier in Kleinlinden - ist immer ein heikles Thema.
Die Gastronomie in Bürgerhäusern - hier in Kleinlinden - ist immer ein heikles Thema.
Noch größer ist die Kontinuität nebenan in Kleinlinden. Dort hatten Monika und Horst Hagmann von 1979 bis 2004 das Sagen. Seitdem sind Nicole Daniel und Hans-Joachim Otto die Pächter des Bürgerhauses. Sie leben vor allem davon, dass Saal und Nebenräume als Veranstaltungs- und Versammlungsstätte bei Vereinen, Organisationen und Privatleuten beliebt sind. Der Besuch des Restaurants hat allerdings im Laufe der Zeit stark nachgelassen. Während der Woche bleibt es deshalb inzwischen geschlossen.

In Wieseck ist das Bürgerhaus durch Veranstaltungen gut ausgelastet. (Foto: Schepp)
In Wieseck ist das Bürgerhaus durch Veranstaltungen gut ausgelastet. (Foto: Schepp)
Keine großen Sorgen hat die Stadthallen GmbH auch mit dem Bürgerhaus Wieseck, das ebenfalls durch Veranstaltungen gut ausgelastet ist. Im Restaurant gab es zwar auch mal eine längere Phase, in der es nicht nach Wunsch lief. Doch seit dem Start von »Izetas« 2009 wurde es verstärkt frequentiert. Auch das »DeMi« von Dejan und Minja Bogdanovic, das im Sommer 2015 eröffnet wurde, hat einen guten Ruf. Allerdings gab es Anlaufprobleme, auch beim zwischenzeitlichen Wechsel des Kochs.

Der Erfolg der Bürgerhäuser hängt offenbar vor allem mit dem Können der Wirte, der Belegung der Säle durch die Stadthallen GmbH sowie dem Willen der Einheimischen zusammen, die Gaststätten auch regelmäßig aufzusuchen.

Die Gastronomie in Bürgerhäusern ist immer ein heikles Thema. In Gießen klappt es insgesamt gut, nur in Rödgen gab es bisher große Probleme.

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