29. August 2014, 20:38 Uhr

Warum das Otto-Eger-Heim umbenannt wird

Gießen (mö). Die in den letzten Jahrzehnten immer wieder aufgeflammte Debatte um den Namensgeber des Otto-Eger-Heims ist beendet. Wie die Justus-Liebig-Universität und das Studentenwerk am Freitag mitteilten, wird das Haus im Leihgesterner Weg umbenannt.
29. August 2014, 20:38 Uhr
Dieser Namenszug wird bald verschwinden. (Foto: mö)

Als Grund wird eine »Neubewertung« des Verhaltens Otto Egers während der Zeit des Nationalsozialismus genannt.

Wesentlicher Anlass dieser veränderten Einordnung Egers sei ein – inzwischen auch im Internet auf der Plattform des Gießener Journalisten Frank Sygusch (www.giessen-server.de) publiziertes – Dokument zu Egers Verhalten im Gießener Konzertverein vom 11. Oktober 1933. Es handelt sich um ein Schreiben des Konzertvereins an die Stadtverwaltung, das Eger, der an der Universität Rechtswissenschaften lehrte, als stellvertretender Vorsitzender – gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern – persönlich und handschriftlich unterschrieben hat. Der erste Vorsitzende des Konzertvereins, der Theologe Gustav Krüger, hat hingegen nicht unterschrieben. In dem Schreiben wird die Stadt aufgefordert, an der Neugestaltung des Konzertvereins im nationalsozialistischen Sinne mitzuwirken. Das Schreiben ist durchgängig im NS-Jargon abgefasst. Es ist darin von »artfremder und zersetzender Musik« die Rede, die es »abzuwehren« gelte. Gefordert wird eine »von einem einheitlichen Führerwillen geleitete, kulturbewusste und deutschbewusste Betreuung des Musiklebens«, um so zu verhindern, dass das »Musikleben in die Hände jüdischer Agenten« übergehe. »Mit diesem Schreiben zeigt sich Otto Eger bewusst und proaktiv als Vertreter der nationalsozialistischen Ideologie«, heißt es in der Erklärung der JLU.

Obwohl die genaueren Umstände und Motive, die zu diesem Schreiben geführt haben, bislang nicht bekannt seien, erscheine trotz Egers allseits anerkannten besonderen sozialen Engagements für die Studierenden eine Vorbildfunktion seiner Person nicht mehr angezeigt. Die Bezeichnung »Otto-Eger-Heim« für das Studentenwohnheim mit integrierter Mensa sei daher vor diesem Hintergrund zu überdenken; die mit dieser Benennung einhergehende Würdigung Otto Egers im öffentlichen Raum aus Sicht der JLU »nicht vermittelbar«.

Wie das Studentenwerk seinerseits ankündigte, wird der Verwaltungsrat in seiner nächsten Sitzung am 8. Dezember über eine Namensänderung beraten. Mit der Entscheidung, das Gebäude umzubenennen, sei auch das Vorhaben, eine Tafel mit erläuterndem Text an dem Haus anzubringen, dies bei Beibehaltung der bisherigen Bezeichnung, überflüssig geworden. Auf dieses Vorgehen hätten sich JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee, Uni-Kanzler Dr. Michael Breitbach, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die Leiterin des Uni-Archivs, Dr. Eva-Marie Felschow, und Ralf Stobbe als Geschäftsführer des Studentenwerks in einem gemeinsamen Gespräch verständigt.

Der Druck auf Uni und Studentenwerk, sich von Otto Eger als Namensgeber zu trennen, hatte sich zuletzt erhöht. So veröffentlichte der frühere JLU-Soziologe Prof. Bruno Reimann im vergangenen Jahr eine Neufassung seines »Schwarzbuchs« über Otto Eger, fand aber mit seiner Kritik kein Gehör bei der Uni. Daraufhin stellte die Linksfraktion im Stadtparlament auf Grundlage der Erkenntnisse des »Schwarzbuchs« einen Antrag, das Otto-Eger-Heim umzubenennen. Magistrat und Parlamentsmehrheit lehnten dies ab mit Hinweis auf die Haltung der Universität, die zu diesem Zeitpunkt noch an Otto Eger festhielt.

Otto-Eger-Heim wird runderneuert

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