Wandelbare Stimme: Barbara Auer eröffnet Krimifestival

Die bekannte Schauspielerin liest aus dem Psychothriller »Vater, Mutter, Tod« des Berliner Autors in der Sparkasse vor gut 350 Gästen.
30. September 2012, 20:23 Uhr
Konzentriert und offen: Barbara Auer bei ihrer Lesung in der Sparkasse. (Foto: Schepp)

Kein effektvoller Auftritt im wabernden Nebel, kein spitzfindiges Verhör mit dem prominenten Gast – Wolfgang Bergenthum war verhindert und überließ die Eröffnung des diesjährigen Krimifestivals in der Sparkassenzentrale seinen Vorstandskollegen Wolfgang Keil und Peter Wolf. Lediglich die obligatorische »Tatort«-Melodie wies darauf hin, dass auch diesmal die Vortragende einem breiten Publikum aus dem Fernsehen bekannt ist. Nachdem im vergangenen Jahr an gleicher Stelle Armin Rohde zu Gast war, ist es nun seine sympathische Kollegin Barbara Auer. Beide spielen seit 2006 in der ZDF-Reihe »Nachtschicht«, zuvor hat Auer in vier »Donna Leon«-Folgen für die ARD an der Seite von Joachim Kròl die Frau von Commissario Brunetti verkörpert.

Als Kriminalpsychologin Lisa Brenner gilt die 53-jährige Schauspielerin als ruhender Pol in der actionreichen Serie »Nachtschicht«. Auch am Freitagabend lässt sie sich durch nichts aus der Fassung bringen, beantwortet wohlüberlegt und offen die Fragen, die Wolfgang Keil ihr zu Beginn stellt. Wie sie es als Mutter von zwei Söhnen schaffe, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, will er wissen. »Organisation ist alles«, antwortet sie prompt und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass sie ihre fünfköpfige Patchwork-Familie mit Wohnsitz in Hamburg samt der vielfältigen Dreharbeiten managen kann.

Die Anzahl ihrer Filmrollen ist beachtlich, bei 85 habe er aufgehört zu zählen, räumt Keil ein. Angefangen aber hat die gebürtige Konstanzerin am Theater. Nach dem Abschluss ihres Hochschulstudiums in Hamburg gibt sie 1981 ihr Debüt am Staatstheater Mainz – und ihr erster Regisseur dort ist in Gießen beileibe kein Unbekannter, hat Dietrich Taube hier doch von 1966 bis 1978 das Stadttheater als Intendant geleitet.

Noch heute wähle sie ihre Rollen »aus dem Bauch heraus« aus, bekennt Barbara Auer und gesteht, dass sie sich bislang »immer davor gedrückt habe, schwer kranke Frauen zu spielen«. Und noch etwas erstaunt: Sie sei keine Krimi-Expertin, beichtet sie dem Publikum, das es gar nicht so recht glauben mag, wird es doch im Anschluss Zeuge einer perfekt gestalteten Krimilesung.

Pausenlose siebzig Minuten zieht Auer mit ihrem wohl modulierten Vortrag in den Bann. Einen Psychothriller hat sie dafür ausgewählt: »Vater, Mutter, Tod« von Siegfried Langer, der im Rahmen des 9. Krimifestivals am kommenden Sonntag in einer Matinee im Netanya-Saal aus seinem neuesten Werk »Sterbenswort« selbst lesen wird. Langers Erstling, gleich ein Bestseller, beginnt mit einem Mord oder besser: mit einem tödlichen Unfall. Will die Mutter doch eigentlich ihren kleinen Sohn vor dem gewalttätigen Ehemann schützen, aber dann rutscht das Brotmesser fatalerweise in die Halsschlagader des Jungen ab. Auer macht die Atem-, die Fassungslosigkeit der Mutter über diese grauenvolle Tat hautnah spürbar. Sie liest mit wandelbarer Stimme und ohne große Gesten. Nur manchmal artikuliert sie mit der linken Hand, streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht.

Nach dem Prolog der Sprung in die eigentliche Geschichte, die zunächst verwirrt, leidet die erfolgreiche Architektin Jacqueline Adam doch unter merkwürdigen Gedächtnislücken. Sie will sich mit ihrer Mutter im Berliner Kaufhaus »La Fayette« getroffen haben, aber diese ist bereits vor zwei Jahren verstorben. Als dann noch der siebenjährige Sohn Lukas aus dem eigenen Haus entführt wird, ruft dies die Polizei und Kommissar Manthey auf den Plan…

Auers Lesung macht Lust auf mehr, und geduldig signiert sie im Anschluss das Werk des Berliner Autors, das – neugierig geworden – nicht wenige der 350 Gäste käuflich erwerben. Für die Vorleserin selbst gibt’s zum Schluss auch noch eine Überraschung: Der Wetzlarer Künstler Peter Atzbach überreicht ihr ein Porträt, das er mit dezenten Schraffurstrichen treffend von ihr gezeichnet hat. Eine Ausstellung mit Grafiken und Zeichnungen Atzbachs zum Motto des diesjährigen Krimifestivals »Das Böse ist immer und überall« wird heute um 18 Uhr in der Sparkasse eröffnet.

Marion Schwarzmann

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