05. September 2008, 20:58 Uhr

Vor 25 Jahren wurden die "Drei Schwätzer" enthüllt

Gießen (ck). Ob die Gießener allem Fremden so aufgeschlossen gegenüberstehen, sei dahingestellt. An diesem Tag Anfang September 1983 zeigten sie sich in jedem Fall von ihrer besten Seite.
05. September 2008, 20:58 Uhr

In beachtlicher Zahl waren Prominenz und »gemeine Bürgerschaft« an die Einmündung der Plockstraße in den Seltersweg gekommen, um die von Oberbürgermeister Görnert unter den Klängen des Hansa-Volksmusikvereins als Einwohner mit den Nummern 74 103, 74 104 und 74 105 begrüßten Neubürger willkommen zu heißen. Die Resonanz war überwiegend positiv, und auch ein Name war schnell gefunden. Schon am Tag nach der Enthüllung wurde die Dreiergruppe liebevoll als »Schwätzer« bezeichnet.

Von Beginn an ihres Daseins am Anfang der Plockstraße zeigten die Gießener keine Berührungsängste zu den »Bronzenen Oberhessen«. »Jetzt haben wir wenigstens ein Spielzeug«, war einer der ersten Kommentare von Passanten, die die Skultur mit Hüten, Brillen und Einkaufstaschen versahen. Die drei Figuren bekamen Zigaretten in den Mund und Zeitungen oder Kartoffelchipstüten unter die Arme gesteckt.

Den ganzen Tag über war die Plastik umlagert. Manche Menschen gingen einfach lächelnd vorbei, die meisten blieben jedoch stehen und tätschelten die fülligen Bronze-Rundungen. Nörgler unter den Anwesenden (»Ein Brunnen hätte besser hierher gepasst!«, »Da will uns mal wieder jemand etwas als Kunst andrehen und wird auch noch reich dabei!«) wurden von den Bewunderern rasch in die Schranken verwiesen. Manch erregte Diskussion schloss sich an. »Originell«, »bürgernah«, »faszinierend« - so lauteten die positiven Reaktionen der Befürworter, die in der Aussage gipfelten: »Ganz Gießen lacht zum ersten Mal seit 100 Jahren!«

Die Neubürger waren innerhalb kürzester Zeit ein Teil Gießens geworden; genauso, wie es der Künstler Prof. Karl-Henning Seemann (Stuttgart) und die Volksbank Gießen, die der Stadt aus Anlass des 125. Geburtstags der Genossenschaftsbank die Plastik schenkte, hatten erreichen wollen: ein friedliches Präsent, Menschen der Heimat symbolisierend, die ein Gespräch führen - kein Streitgespräch, sondern eine Unterhaltung, wie sie täglich zwischen Bürgern in der Innenstadt laufen konnte; und wie sie angesichts der Neuerung immer wieder aufkeimte.

Heute, 25 Jahre später, sind die »Drei Schwätzer« aus Gießen nicht mehr wegzudenken - sie sind schon längst zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. In diesem Vierteljahrhundert haben sie viel mitgemacht: Sie wurden verkleidet, verfremdet und zuweilen auch mit Farbe übel verunziert. All das hat ihnen nichts ausgemacht, noch immer scheinen sie sich viel zu erzählen zu haben. Und vielleicht erfreuen sie sich heute an dem Fest in ihrer Nähe, mit dem die mittlerweile zur Volksbank Mittelhessen angewachsene Spenderin von damals ihren 150. Geburtstag mit der Bevölkerung feiern möchte.

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