Von erbaulicher Kraft

05. April 2018, 21:51 Uhr
Stefan Kießling erhält kräftigen Applaus.

Pfarrer Hans-Joachim Wahl wünschte den zahlreichen Besuchern am Mittwoch in der Bonifatiuskirche, »dass die Osterfreude noch lange nachwirkt in ihnen«. Mit dazu beitragen dürfte Organist Stefan Kießling mit seinem erhebenden Konzert. Dabei nahm er eingangs bei Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel »Christ ist erstanden« BWV 627 auch semantisch Bezug auf Ostern. Die Interpretation war von erbaulicher Kraft und ließ durch klangvolle Registrierung die Eule-Orgel in ganzer Pracht erstrahlen. Zudem brachte Kießling die unterschiedliche Bearbeitung der drei Strophen ansprechend zur Geltung.

Die klare künstlerische Handschrift des Assistenzorganisten an der Thomaskirche Leipzig gefiel gleichermaßen bei Bachs Sonate Nr. 5 C-Dur BWV 529 mit dem anmutigen Dialog der beiden eng miteinander verflochtenen Melodiestimmen über einem Generalbass. Das Stimmengeflecht wirkte sehr organisch, derart differenziert wusste Kießling zu artikulieren und von feinen, die Lebendigkeit steigernden Temposchwankungen Gebrauch zu machen. In seiner tiefgründigen Darbietung vermochte das folgende Largo durch die nachdenklich-ernste Sphäre zu berühren. Das Finale spannte den Bogen zum Kopfsatz zurück und begeisterte erneut durch große Spielfreude.

Eine virtuose Glanzleistung bot Kießling auch bei Bachs Präludium D-Dur BWV 532 mit seinem kernigen, ebenso klaren wie anschaulichen Vortrag. Von ungeheurer Suggestivität waren die markanten Akkordfolgen zum Schluss. Großes Hörvergnügen bereitete auch die anschließende Fuge mit dem Perpetuum mobile-artigen, spielerisch-leicht hingetupften Thema.

Reizvollen Kontrast zur barocken Klangwelt bildete Edward Elgars spätromantische Sonate G-Dur. Mit bemerkenswerter Fantasie imitierte Kießling im eröffnenden »Allegro maestoso« ein Orchester, achtete dabei auf fließende tonstärkemäßige Verläufe. Die runde dramaturgische Konzeption überzeugte restlos; der Spannung zwischen imposantem Eingangsthema und lyrischem Seitengedanken konnte man sich kaum entziehen.

Auch in den weiteren Sätzen beeindruckte die feine, dynamische Gestaltung des Organisten sowie sein Gespür für nuancierte, an ein Orchester erinnernde Registermischungen – bis zum energiegeladenen Presto-Finale. Für den kräftigen Applaus dankte Kießling mit der Sinfonia aus Bachs Kantate BWV 29 als Zugabe. (Foto: jou)

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