09. September 2018, 19:23 Uhr

Verein sieht sich missverstanden und benachteiligt

09. September 2018, 19:23 Uhr

Von Christian Schneebeck , 1 Kommentar

Die Gäste haben erst Platz genommen, da kommt Kornelia Marschner zum Punkt. »Wir wollen heute feiern, obwohl es genug Gründe gäbe, nicht zu feiern«, sagt die Vorsitzende von »Wohnen unter Freunden« am Samstag beim Oktoberfest des Vereins. Sie spielt an auf einen Beschluss des Magistrats, der eine Bauvoranfrage für das Gelände hinter der Südanlage 13 abgelehnt hat. Der Verein will das nicht akzeptieren. Er kritisiert vor allem die Begründung der Entscheidung, aber auch den Umgang mit ihm.

Laut Stadt sind für die Ablehnung zwei Punkte maßgeblich: Die beiden geplanten Gebäude mit insgesamt 24 Wohneinheiten in vier Vollgeschossen fügten sich »nicht in die Eigenart der näheren baulichen Umgebung«. Außerdem müsse dafür der »schützenswerte« Baum- und Grünbestand in dem Hinterhof weichen. »Wohnen unter Freunden« sieht sich gegenüber anderen Bauprojekten benachteiligt – und seine Pläne öffentlich nicht richtig wiedergegeben.

Seit 2013 suchten sie und mehrere Mitstreiter ein Grundstück für gemeinschaftliches Wohnen in einem Mehrgenerationenprojekt, berichtet Marschner. Aus diesen Bemühungen sei 2015 der Verein entstanden. Nachdem sich Pläne für diverse andere Gelände nicht konkretisierten, habe man nun »große Hoffnungen« in das Areal zwischen Südanlage und Lonystraße gesetzt. Es gehört der evangelischen Kirche, die den unabhängigen Verein unterstützt.

Eine »richtig gute Planung« liege der Stadt vor, erklärt Vereinsmitglied Daniel Littgen. Bereits im Vorfeld seien die Behörden eingebunden worden. Diese hätten Auflagen gemacht und erst drei, dann höchstens zwei Vollgeschosse und nur ein Haus genehmigen wollen. Darin wäre Platz für sechs Wohnungen. Zu wenig, findet der Verein – schon weil ein integrierter Pflegestützpunkt sowie Gemeinschaftsräume unverzichtbar seien.

Das jüngste Treffen mit Stadtplanungsamt, Bauaufsicht, Denkmalschutz und Grünamt in der vergangenen Woche sei »eine Farce« gewesen, so Littgen. Dort habe der Verein »vollendete Tatsachen« erlebt – in Form des Aufstellungsbeschlusses zu einem Bebauungsplan, der demnächst im Stadtparlament verabschiedet werden soll und das Vorhaben definitiv verhindert. »Wir kamen zu dem Treffen und dachten, alles ist offen«, schildert Marschner. De facto habe der Verein »keine Chance gehabt, sich richtig zu äußern«.

Widerspruch angekündigt

»Wir wollen ja selbst nicht in einer Betonwüste leben«, betont die Vorsitzende. Deshalb habe man »ein schönes grünes Grundstück« entworfen, obwohl »in Gießen keine Verordnung existiert, dass man gefällte Bäume nachpflanzen muss«. Zudem würden andernorts, etwa auf dem früheren Hamburg-Mannheimer-Areal, »ganz andere Zahlen von Bäumen abgeholzt, und das zum Teil in einer Nacht-und-Nebel-Aktion«.

Vollends verärgert ist »Wohnen unter Freunden« über die Aussage der Stadtoberen, »für solche besonderen Wohnformen« stünden eigens Flächen auf dem Motorpool-Gelände zur Verfügung. Diese seien für das Projekt zu teuer. Unabhängig davon hätten bereits mehrere Parteien Interesse angemeldet, dort inklusive Wohnformen zu errichten. Kämen weitere ähnliche Projekte hinzu, fürchtet Marschner »eine Ghettoisierung«.

Gegen die Ablehnung hat der Verein Widerspruch eingelegt. Die Stadt wolle im Spätherbst »einen Übersichtsplan vorlegen, wie eine Bebauung im Hinterhof aussehen kann«, sagt Littgen. Einen Bau auf dem Motorpool-Gelände werde es mit ihr jedenfalls nicht geben, so die Vorsitzende. Den Wunschstandort haben sie bei »Wohnen unter Freunden« noch lange nicht aufgegeben. In diesem Sinne möchte Marschner auch das Lied verstanden wissen, das die Gäste zur Eröffnung des Oktoberfests singen. »Wenn man einander hält, dann werden neue Kräfte wach, und dann verändern wir die Welt!«, heißt es in seiner ersten Strophe. (Foto: csk)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Gießen
  • Gießen
  • Christian Schneebeck
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


1
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.