Unwetter

Unwetter in Gießen: Die große Bilanz

Das Unwetter über Gießen hat große Schäden in der Stadt verursacht. Die Bilanz von Geschäften, Feuerwehr und Betroffenen im Überblick.
(Foto: Friedrich)

Die gute Nachricht vorweg: Obwohl der Starkregen von Dienstabend Teile der Stadt wie ein Katastrophengebiet aussehen ließ, gibt es keine Verletzten zu beklagen. Das bestätigte Feuerwehrchefin Martina Klee am Mittwochmorgen. »Wir hatten insgesamt rund 470 Einsatzstellen.« Teilweise waren zeitgleich 400 Kräfte im Einsatz. Erst am Mittwochmittag sollten dann auch die vielen auswärtigen Helfer den Nachhauseweg antreten können.

 
Fotostrecke: 29. Mai: Unwetter trifft Gießen am Dienstag

Es war ein beeindruckender Kraftakt, den die Einsatzkräfte am Abend und in der Nacht bewältigten. Das sagt auch Klee: »Die Zusammenarbeit war sehr gut und professionell. Ohne Unterstüzung hätte die Gießerner Feuerwehr das nicht in solch einer Zeit schaffen können.« Diverse Feuerwehren aus den Kreisen Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf waren nach Gießen geeilt, auch das THW kämpfe gegen die Fluten.

+++ Fake-Bilder und Videos zu Unwetter in Gießen im Umlauf

Neben unzähligen vollgelaufenen Kellern und Tiefgaragen war auch die Vitos-Klinik in der Licher Straße stark betroffen. Das Wasser hatte unter anderem die Verteilerkästen beschädigt, weshalb der Strom in mehreren Gebäuden für rund fünf Stunden ausfiel. Die Sicherheit und Versorgung der Patienten sei jedoch jederzeit gewährleistet gewesen, betonte Unternehmenssprecher René Kuke. Vier Patienten seien aus medizinischen Gründen vorsorglich in umliegenden Krankenhäuser verlegt worden. »Die Aufräumarbeiten dauern an, in einigen Kellerräumen steht auch noch Wasser«, sagte Kuke am Mittwochvormittag. Wie hoch der Schaden sei, könne man derzeit noch nicht sagen.

Das gilt auch für die Uniklinik. Hier brach das Wasser gleich an mehreren Stellen ein, vor allem rund um die Notaufnahme bis hinein in die Operationssäle. »Wir mussten aber glücklicherweise nicht evakuieren. Alle Patienten waren stets in sicheren Händen«, sagte Pressesprecher Frank Steibli. Zwei Stunden lang hätte die Klinik keine Notfallpatienten annehmen können, diese seien direkt im umliegende Krankenhäuser geleitet worden, zum Beispiel in die Schwester-Klinik nach Marburg. Dank der Einsatzkräfte und des hausinternen, rund 40-köpfigen Notfallteams, seien am heutigen Mittwoch kaum noch Folgen des Wassers zu sehen. Das gelte auch für die Radiologie, durch die gestern noch Sturzbäche flossen. »Man sieht wirklich nichts mehr«, betont Steibli, »das war eine großartige Leistung aller Beteiligten.« Als nächstes stünde die Schadensprüfung an. Die Techniker müssen die Geräte auf technische Defekte untersuchen, außerdem ist Wasser in die Wände gesickert. Steibli: »Es wird noch einige Zeit dauern, bis die endgültige Schadenssume ermittelt ist.« Sowohl Steibli als auch Kuke sprachen den Einsatzkräften großen Dank aus.

 
Fotostrecke: Nach dem Unwetter: Aufräumarbeiten in Gießen

Heftig erwischt hat es auch das Schulzentrum Ost, in das das Wasser durch Fenster, ein 400 Quadratmeter großes Flachdach und Versorgungs- und Lichtschächte eindrang. »Etliche Räume und die Aula sind gesperrt, Kellerbereiche wurden überflutet«, sagte GGO-Sprecherin Carmen Stabel-Schläfer. Unterricht fand trotzdem statt und wurde teilweise nach draußen oder in andere Räume verlegt. Telefonisch ist die Ostschule nicht erreichbar, die Anlage sei »abgesoffen«, hieß es.

+++ Nicht nur Stadt: So heftig traf das Unwetter am Dienstag den Kreis Gießen

Die Justus-Liebig-Universität klagt über diverse vollgelaufene Keller, zum Beispiel im Uni-Hauptgebäude und dem Neuen Schloss. Die neue Außensportanlage sowie das Mehrzweckverfügungsgebäude am Kugelberg standen komplett unter Wasser. Hier hat das Wasser den Estrich von unten in der Raummitte um einen halben Meter hochgedrückt. Alle Räume im Kellergeschoss (Duschen, Umkleiden, Toiletten, Flure etc) standen ca. 25 cm und mehr unter Wasser. Der Fitnessbereich des Allgemeinen Hochschulsports ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Das Wasser wurde mit mehreren Tauchpumpen und Saugern von den Kollegen über mehrere Stunden abgepumpt und ausgesaugt. Das Gebäude ist bis auf weitere ohne Strom, der Server musste abgeschaltet werden, um Folgeschäden zu vermeiden. Der Aufzugsschacht vollgelaufen, der Aufzug derzeit außer Betrieb. Die Schäden sind noch nicht abzusehen. Der Botanische Garten blieb ebenfalls dicht.

In etlichen Geschäften sorgte der Regen für Probleme. Im Schuhhaus Darré stand die gesamte Herren- und Kinderabteilung unter Wasser. Bis weit nach Mitternacht waren die Mitarbeiter im Einsatz, sie pumpten, saugten, wischten und räumten. Um 6 Uhr morgens ging es dann weiter, sodass der Laden pünktlich um 9.30 Uhr öffnen konnte. »Ein Riesenkompliment an meine gesamte Mannschaft«, sagt Geschäftsführer Heinz-Jörg Ebert. Ähnlich zu kämpfen hatte auch die Salatbar Tom&Sallys. Das Team vom Spielwarengeschäft Fuhr musste ebenfalls immense Aufräumarbeiten bewältigen. Betroffen war zudem Runnerspoint in der Fußgängerzone. Das Schuhgeschäft konnte wegen Wasserschäden erst am Mittwochnachmittag öffnen. Die DAK-Filiale in der Südanlage erging es nicht besser, wegen der Schäden bleibt sie heute geschlossen, am Freitag gibt es eine Notberatung. Auch H&M im Neustädter Tor war zumindest einige Zeit am Mittwoch geschlossen.

Zu massiven Wassereinbrüchen kam es an mehreren Stellen in der Mensa Otto-Behaghel-Straße, der größten Verpflegungseinrichtung des Studentenwerks. Teile der Deckenverkleidung stürzten in den Gastraum, die Brandmeldeanlage wurde durch einen Erdschluss zeitweise außer Betrieb gesetzt. Die Aufnahme der Schäden und erste Maßnahmen zur Behebung werden mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein Gutachter wird prüfen, ob das Dach umfassend saniert werden muss. Bis auf weiteres wird die Mensa im Notbetrieb ein deutlich reduziertes Angebot im Erdgeschoss sowie im Außenbereich anbieten. Neben der Mensa waren auch Keller im Verwaltungsgebäude sowie in den Wohnanlagen im Eichendorffring, im Leihgesterner Weg, der Grünberger Straße sowie der Ludwigstraße vollgelaufen.

Info

50 Autokennzeichen gesammelt

Insgesamt wurden über 50 Autokennzeichen bei den Polizeistationen in Gießen abgegeben oder von einer Streife eingesammelt. Die Kennzeichen waren offenbar aufgrund der Fahrt durch die Wassermassen vom Fahrzeug gefallen. Die Polizei bittet Fahrzeughalter, die ein Kennzeichen an ihrem Auto vermissen, sich mit der Polizei in Gießen Süd/Nord unter 0641/7006-3555 oder -3755 in Verbindung zu setzen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Feuerwehren
  • Gesamtschule Gießen-Ost
  • Gießen
  • Technisches Hilfswerk
  • Unwetter
  • Gießen
  • Burkhard Möller
  • Christoph Hoffmann
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung (Noch Zeichen verfügbar)





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.