17. Juli 2013, 20:28 Uhr

Universität: Haushalt auf Rekordniveau

Gießen (si). Die Justus-Liebig-Universität hat im vergangenen Jahr den größten Haushalt ihrer Geschichte aufgelegt. Die Einnahmen stiegen erstmals auf knapp 350 Millionen Euro (349,1), ihnen standen Ausgaben von 342,6 Millionen Euro gegenüber.
17. Juli 2013, 20:28 Uhr

Unterm Strich weist die Bilanz einen Überschuss von 5,3 Millionen Euro aus – mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2011. Er soll vollständig in die Rücklagen fließen. Damit wappnet sich die Hochschule für besondere Risiken und unvorhersehbare Belastungen. Im »guten Ergebnis« spiegele sich die »sparsame Budgetbewirtschaftung auf allen Entscheidungsebenen der Universität« wider, sagte Kanzler Michael Breitbach am Mittwoch vor Journalisten. Der Senat vertagte die Diskussion über den Abschluss auf die nächste Sitzung im September. Die Mitglieder wollen mehr Zeit für die Unterlagen haben. Sie seien erst Anfang dieser Woche verschickt worden, hieß es.

Fast zwei Drittel aller Einnahmen (223 Mio. Euro) bekam die Hochschule über die Grundfinanzierung, also die Mittel, die das Land pro Student bezahlt. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Plus von fünf Millionen Euro. Hauptgrund war die weiter gestiegene Zahl von Studierenden (die sich in der Regelstudienzeit befinden, »für Langzeitstudenten« zahlt das Land keinen Cent). 64 Millionen Euro (minus 3,1 Mio.) gingen als Projektmittel in die Forschung. Hier handelte es sich beim allergrößten Teil (55 Mio.) um klassische Drittmittel, beispielsweise von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 9,1 Mio. Euro zahlte das Land über sein Sonderprogramm »Heureka«. Breitbach wies darauf hin, dass die Justus-Liebig-Universität »eigene Einnahmen« in Höhe von 84 Millionen Euro erzielt habe. Das zeige ihre »Leistungskraft«. Neben der projektbezogenen Forschung sind hier auch Dienstleistungen erfasst, die die Universität für andere – etwa das Klinikum – erbringt und abrechnet.

32,4 Millionen Euro – knapp 13 Mio. Euro mehr – zahlte das Land an sonstigen Projektmitteln. Dazu gehören zum Beispiel die QSL-Gelder, die die Studienbedingungen verbessern sollen (13,2 Mio.). Das Plus geht nahezu vollständig auf das Konto der Sondermittel aus dem Hochschulpakt 2020, mit dem Bund und Land zusätzliche Studienplätze finanzieren. Konkret wird damit das neue Lehrgebäude für Recht und Wirtschaft am Alten Steinbacher Weg errichtet.

Personal größter Ausgabeposten

Bei den Ausgaben entfallen über zwei Drittel auf das Personal, insgesamt 227 Mio. Euro (plus 4,0 Mio.) – das heißt für die über 4000 Landesbediensteten der Justus-Liebig-Universität (nicht berücksichtigt sind die Ärzte im Klinikum, obwohl auch sie beim Land beschäftigt sind). Waren und Dienstleistungen wurden mit einer Gesamtsumme von 57 Mio. Euro abgerechnet, fast genauso viel (51,8) kostete der übrige betriebliche Aufwand (darunter die Versorgung der vielen Bauten). Dass sich der Jahresaufwand insgesamt um fast neun Millionen Euro verringerte – 2011 hatte er noch 351 Millionen Euro betragen –, erklärt sich durch Sondereffekte. 2012 standen der Universität keine Gelder mehr aus dem in der Finanzkrise aufgelegten Konjunktursonderprogramm II zur Verfügung, so dass auch die Instandhaltungskosten zurückgegangen sind.

Beim Jahresergebnis habe die Universität eine »Punktlandung« geschafft, sagte Breitbach. Auch für die 5,4 Mio. Euro Überschuss waren letztlich Einmaleffekte verantwortlich; etwa Erträge aus Drittmittelprojekten, die jetzt erstmals bilanziell wirksam wurden. Die Rücklagen stiegen dadurch auf den neuen Rekordwert von 44,8 Mio. Euro. Sie dürften laut Gesetz nicht für Daueraufgaben herangezogen werden, etwa um Tarifsteigerungen auszugleichen, betonte der Kanzler, der den Haushalt verantwortet. Knapp die Hälfte der Rücklagen (20 Mio. Euro) sei zudem reserviert, um in den nächsten Jahren Ausstattungszusagen bei Berufungen erfüllen zu können.

Ein Problem bleibt die schon im vergangenen Jahr beklagte »schleichende Erosion der Grundfinanzierung«. Der Anteil dieser Landesmittel an der Gesamteinnahmen liegt jetzt noch bei 64 Prozent (2010: 67 Prozent). Das erschwere nachhaltige strukturbildende Maßnahmen, sagte Breitbach. In dieser Kritik sei sich die Justus-Liebig-Universität mit anderen Hochschulen und auch den großen deutschen Wissenschaftsorganisationen einig, betonte JLU-Präsident Joybrato Mukherjee gestern mit Bezug auf eine aktuelle Stellungnahme des Wissenschaftsrates.

Uni Gießen erwartet mehr minderjährige Studenten

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