29. Februar 2016, 18:03 Uhr

»Ungläubige« bedroht – Täter muss in Psychiatrie

Gießen (sha). Ein 29-jähriger Tunesier, der im vergangenen August mit einem Messer in ein Gießener Verbindungshaus eindringen wolllte, kommt in die Psychiatrie. Er ist krank und damit schuldunfähig.
29. Februar 2016, 18:03 Uhr
Am 19. August 2015 versuchte der Beschuldigte, in dieses Haus einer christlichen Studentenverbindung zu gelangen. (Foto: Schepp)

Der Mann ist Asylbewerber. Allerdings will er wieder zurück nach Tunesien, zu seiner kranken Mutter. Aber das geht nicht. Zumindest vorerst nicht. Denn der 29-Jährige leidet an paranoider Schizophrenie. Falls er seine Medikamente nicht regelmäßig nimmt, halten Staatsanwaltschaft und Gericht ihn sogar für gefährlich. Deshalb entschied die Siebte Große Strafkammer des Gießener Landgerichts am Montag, dass der Tunesier weiter in einem geschlossenem psychiatrischen Krankenhaus bleiben muss. In der Gießener Flüchtlingsunterkunft gebe es keine ausreichende Möglichkeit der Kontrolle.

Was passieren kann, wenn der 29-Jährige einen akuten Krankheitsschub bekommt, erlebten mehrere Gießener Studenten am
19. August vergangenen Jahres (die GAZ berichtete): Nur mit Unterhose und T-Shirt bekleidet hatte der Beschuldigte mit einem Messer an der Tür einer christlichen Studentenverbindung in der Wilhelmstraße geklopft. Er wollte »Ungläubige töten«. Mehrfach hatte der Mann dies gerufen, als ihn vier Polizeibeamte überwältigten. Stimmen hätten ihm dies befohlen, sagte er später. Die Studenten blieben glücklicherweise unversehrt. Ein 21-Jähriger hatte die Tür »reflexartig zugeknallt«, als er den Beschuldigten sah. Die verständigte Polizei nahm den Mann fest. Seitdem befindet er sich in einer psychiatrischen Klinik.

Der Tunesier entschuldigte sich bei den Opfern. »Ich war krank, ich wusste nicht, was ich tat«, hatte er bereits zum Prozessauftakt gesagt. Schon vor dieser Attacke war der Mann in der Stadt aufgefallen. Er selbst hatte berichtet, in einem zur veterinärmedizinischen Abteilung der Universität gehörenden Stall mit einer Kuh gesprochen zu haben. Angeblich hätten Menschen mit dem Tier »Unzucht getrieben«.

Seit 2009 war der 29-Jährige immer wieder aus Tunesien nach Europa gekommen, um zu arbeiten. In Frankreich und Italien war er wegen Diebstahls und Hehlerei festgenommen worden. 2015 kam er nach Deutschland, ist hierzulande aber bislang nicht straffällig geworden. Allerdings war er auch in Frankreich und Italien bereits wegen seiner Erkrankung behandelt, jedoch immer wieder rückfällig geworden. Deshalb sei nun die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus notwendig, betonte Staatsanwalt Thomas Hauburger. Er warf dem Tunesier unter anderem Bedrohung, versuchte Körperverletzung und Widerstand gegen Polizisten vor. Allerdings ist der Mann schuldunfähig, da er zur Tatzeit unter Wahnvorstellungen litt. Trotzdem sei bei dem 29-Jährigen die »Verquickung von Religiösität und Krankheit besonders gefährlich«.

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