27. Mai 2018, 18:37 Uhr

Über Dresden nach Gießen

Große Freude bei der Liebig-Gesellschaft: Sie erhält einen Original-Brief des einst in Gießen so erfolgreichen Chemikers Justus Liebig. Wieder ein Meilenstein im »Projekt »Weltkulturerbe«?
27. Mai 2018, 18:37 Uhr
Einen Original Liebig-Brief überreicht Dr. Andreas Hoffmann (M.) dem Vorsitzenden Prof. Eduard Alter (r.). Franziska Müller (l.) hat die Handschrift transkribiert. (Foto: csk)

Um eine Attraktion reicher ist ab sofort der historische Fundus der Gießener Justus Liebig-Gesellschaft. Bei dem Neuankömmling handelt es sich um einen Original-Brief Liebigs an den Dresdner Arzt Alex Petzold, datiert auf den 18. April 1845. Dass die Handschrift jetzt als Dauerleihgabe in Gießen weilt, ist dem Biologischen Verein Langen zu verdanken, dessen Vorsitzender Dr. Andreas Hoffmann das Schriftstück bei der Mitgliederversammlung im Liebig-Museum überreichte.

Neues Ehrenmitglied

Erst zum zweiten Mal gelange die Liebig-Gesellschaft auf diesem Wege an einen Original-Brief ihres Namensgebers, freute sich der Vorsitzende Prof. Eduard Alter. Wie Hoffmann erklärte, hatte der Biologische Verein das Dokument im Nachlass von Prof. Gert Siefert gefunden und daraufhin den Kontakt nach Gießen hergestellt. Hier machte sich Studentin Franziska Müller daran, die Handschrift zu transkribieren. Am Freitag stellte sie den Inhalt des Briefes vor: Der Verfasser bittet seinen »teuren Freund« Petzold, sich der Familie des Liebig ebenfalls bestens bekannten Liverpooler Chemikers und Schwefel- und Sodafabrikanten James Muspratt anzunehmen. Sie war im April 1845 zu Gast in Dresden. Aus wissenschaftlicher Perspektive liefert die Quelle also gleich zwei Hinweise: auf persönliche Freundschaften Liebigs und auf internationale Wissenschaftsbeziehungen.

Beide Themenfelder hat der britische Historiker William Hodson Brock erforscht. Unter anderem veröffentlichte er 1997 eine bis heute vielzitierte Biografie Liebigs. Für sein »chemiehistorisches Lebenswerk« wurde der 82-Jährige nun zum Ehrenmitglied der Liebig-Gesellschaft ernannt. Aus diesem Anlass hielt er einen Vortrag über Heinrich Will, einen Schüler und Nachfolger Liebigs.

Im ersten Teil der Versammlung hatte Alter in seinem turnusmäßigen Bericht »ein sehr erfolgreiches Jahr« resümiert, das von Renovierungen in den alten Liebig-Wohnungen und dem »Projekt Weltkulturerbe« bestimmt gewesen sei. Für eine erfolgreiche Bewerbung um den UNESCO-Titel bedürfe es noch weiterer Vorarbeiten, sagte Alter, etwa der Aufarbeitung des Archivs und der digitalen Inventarisierung der Museumsgegenstände.

Schatzmeisterin Karin Machens bilanzierte »ein Normaljahr«. Unter den Einnahmen ragten die Eintrittsgelder der nach wie vor stets gut besuchten Experimentalvorlesungen heraus, während die Ausgaben schon deshalb deutlich niedriger ausfielen als im Vorjahr, weil die Gesellschaft damals mit einem Wasserschaden im älteren Teil ihres Gebäudes zu kämpfen gehabt hatte. Für 2018 sei ein Überschuss von 10 000 Euro angepeilt, so Machens.

Neue Heizung und neuer Außenputz

Genau wie die erneut gestiegenen Spendeneinnahmen ist dieses Geld im Grunde bereits verplant. Denn laut Alter stehen demnächst zwei Sanierungsmaßnahmen am Museum an: die Erneuerung des Außenputzes und der Einbau einer neuen Heizungsanlage. Für beides habe man zwar gespart, betonte der Vorsitzende. Dennoch seien Spenden weiter notwendig.

Helfen könnte vielleicht, dass die Liebig-Gesellschaft beständig wächst. Mit 372 Mitgliedern hat sie aktuell elf mehr als vor einem Jahr. Explizit wünschte sich Alter zusätzliches Personal für Führungen und Experimentalvorlesungen. Interessierte können sich an ihn wenden.

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