22. Oktober 2017, 19:34 Uhr

Krimifestival

Tod eines Giftzwergs im Mathematikum

22. Oktober 2017, 19:34 Uhr
Bernd Mannhardt mit Krimifigur. (Foto: dw)

Er ist klein! Er ist rund und er hat ein penetrantes Dauergrinsen im Gesicht: der Gartenzwerg. Vom Abenteuer seines weit weniger putzigen Kollegen wollten am Freitagabend rund 100 Gäste im Mathematikum hören. Hier las Bernd Mannhardt im Rahmen des Krimifestivals aus seinem dritten Krimiband »Giftzwerg«.

Klein von Statur und beleibt um die Körpermitte ist auch Kommissar Hajo Feisal. Mannhardts Mann ist diesmal im Kleingartenrevier. Dass dies ein gefährliches Areal ist, in dem quasi hinter jeder Hecke ein Verbrechen lauert, sei ihm bei der Lektüre des Jahresberichts der Kleingärtenvereinigung klar geworden. Die größten Feinde des Kleingärtners sind demnach nicht Maulwurf, Wühlmaus und Co., sondern die Parzellennachbarn, in Fachkreisen auch Laubenpieper genannt. Hier ist nun tatsächlich ein Opfer zu beklagen, und der tote Kleingärtner scheint nicht ohne fremde Hilfe leblos vom Schemel gestürzt zu sein.

Die Spurensuche macht der übergewichtige Feisal zum großen Kino. Den Tathergang lässt er den hilflosen SpuSi Mann kurzerhand selbst nachspielen. Der muss verschiedene Varianten des Todesereignisses simulieren. Die Nicht-Alibifrau und pfiffige Assistentin des Kommissars knüpft sich derweil die Gartenfreunde des Toten vor. Doch unter den Helene-Fischer-Fans herrscht eisige Stimmung. Die anschließenden Einzelverhöre, die Feisal und seine Assistentin in den beschlagnahmten Lauben führen, zeigen nicht nur den erschütternden Alltag der Hobbygärtner sondern auch: der Tote war ein Giftzwerg. Den lässt Bernd Mannhardt genüsslich in Klischees baden. In feinster Loriotscher Manier, setzt er seine Geschichte in Szene. Mit Lust am Fabulieren seziert er mit staubtrockenem Humor das Kleingartenmilieu.

Seine köstlich komponierten Szenen serviert der Autor aus Berlin auch mit zwei Kurzgeschichten für die Freunde »des gepflegten Mord- und Todschlags« und gibt damit eine weitere Kostproben seines tiefschwarzen Witzes, den er mit feinen Beobachtungen und Geschick zum Komödiantischen würzt. Im Band »Du kommst mir gerade richtig« tummeln sich kürzere, aber nicht weniger mordsvergnügte Geschichten, so der Autor, der Mitglied im Syndikat, der Autorenvereinigung deutschsprachiger Kriminalliteraten, ist. Da wird nun ein Apotheker während des Notdienstes köstlich-komisch zum Seelsorger für einen trauernden Notfallpatienten, der dank der gesammelten Valiumtabletten weniger heilende, als lebensverkürzende Anfragen hat. Und in Hiddensee, wo der Wahlberliner selbst gerne dem Trubel der Stadt entflieht, wird aus einer zufälligen, vermeintlich durch glücklichen Zufall gesteuerten, Begegnung eine mit scherwiegenden Folgen.

Die hörspielreife Lesung findet ihr passendes Ende beim Genuss eines flüssigen Giftzwerges. Auch der hat es in sich, hochprozentig und giftgrün.

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