16. April 2009, 19:56 Uhr

Tierschutz-Forschung ausgezeichnet

Gießen (pm). Wissenschaftliche Grundlagen zur Lösung von Tierschutzproblemen in der Tierhaltung und im Tierversuch zu liefern - das ist das Ziel von Hanno Würbel, Professor für Tierschutz und Ethologie an der Justus-Liebig-Universität. Für seine Arbeit zur »Verbesserung der Aussagekraft von Tierversuchen durch systematische Umweltvariation« erhält er nun den Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis 2009.
16. April 2009, 19:56 Uhr
Hanno Würbel hat an der JLU die Professur für Tierschutz inne.

Die mit 30 000 Euro dotierte Auszeichnung ist der älteste Tierschutzforschungspreis im deutschsprachigen Raum und auch international hoch angesehen. Er wird durch die Ludwig-Maximilians-Universität München in der Regel alle zwei Jahre für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten zum Tierschutz vergeben. Die Preisverleihung erfolgt kommende Woche im Rahmen einer akademischen Feier in München.

Mit seiner preisgekrönten Arbeit hat Würbel - entgegen der bislang akzeptierten Lehrmeinung - nachgewiesen, dass die Standardisierung von Umweltbedingungen die Aussagekraft und Reproduzierbarkeit von Tierversuchen beeinträchtigt. Er konnte zeigen, dass vielmehr die systematische Variation von Umweltbedingungen bei Tierversuchen zu aussagekräftigeren und besser reproduzierbaren Ergebnissen führt. Damit lassen sich Wiederholungsversuche zur Verifizierung der Ergebnisse vermeiden, wodurch unzählige Versuchstiere eingespart werden können. Die Arbeit ist in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift »Nature Methods« veröffentlicht worden.

Würbels Befunde kommen einem Paradigmenwechsel gleich, wurde die Standardisierung doch bislang als Mittel zur Minimierung der Versuchstierzahlen propagiert. Dies kam daher, dass Standardisierung die Versuchstiere eines Tierversuchs homogener macht und damit die Variation in den Ergebnissen eines Tierversuchs verringert. Als Folge davon können Tierversuche mit kleineren Stichproben, das heißt mit weniger Tieren durchgeführt werden. Doch Würbel konnte zeigen, dass dieser Nutzen der Standardisierung zutiefst trügerisch ist, weil er mit einem Verlust an Aussagekraft erkauft wird. »Im schlimmsten Fall«, so Würbel, »verkehrt sich der vermeintliche Nutzen einer geringeren Stichprobengröße in eine Verschwendung der Tiere für nicht aussagekräftige Versuche. Dies ist weder ethisch noch wissenschaftlich vertretbar.« Mit der Methode Würbels lassen sich letztlich mit weniger Versuchstieren auf Anhieb aussagekräftigere Ergebnisse erzielen.

Würbel ist Schweizer, studierte Biologie an der Universität Bern und promovierte an der ETH Zürich. Seit 2002 hat er die Professur für Tierschutz und Ethologie an der JLU inne. Schwerpunkte seiner Forschung sind Studien zur Verhaltensentwicklung von Tieren, zur artgemäßen Tierhaltung und zur Verbesserung der Aussagekraft von Tierversuchen. (Foto: Schepp)

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