05. Dezember 2017, 20:23 Uhr

»Technik hat Hervorragendes geleistet«

05. Dezember 2017, 20:23 Uhr
Thomas Koch

Jeder kennt ihn, viele fahren einen, aber sein Ruf ist ungefähr so gut wie der von Asbest: Der Diesel hat sicher schon bessere Zeiten erlebt. Dabei leiste seine modernste Form eigentlich sogar einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität, meint Prof. Thomas Koch, der Maschinenbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) lehrt. Diese These untermauerte er im dritten Teil der Ringvorlesung des JLU-Präsidenten »Energie(w)ende – Denken, forschen und handeln in Jahrzehnten und Jahrhunderten« am Montagabend in der Uni-Aula mit reichlich Zahlen und ingenieurwissenschaftlichem Knowhow – getreu dem Titel seines Vortrags: »Wie die Öffentlichkeit fast zwei Jahre an der Nase herumgeführt wurde. Eine sachliche Bewertung der Dieselthematik«.

Mithilfe diverser Statistiken skizzierte Koch, der vor seinem Ruf an das KIT zehn Jahre für Daimler tätig war, zunächst die technische Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit. Effektive Partikelfilter hätten Feinstaubmengen deutlich verringert, und auch Stickoxidwerte ließen sich dank moderner Katalysatoren erheblich senken. »Die Technik hat Hervorragendes geleistet«, fasste Koch zusammen. Allerdings fänden diese Argumente kaum Gehör. Entsprechend sei die politische Debatte über Feinstaub und Stickoxide aus wissenschaftlicher Sicht »auf beschämendem Niveau«.

Immer wieder unterstrich Koch, dass auch er »selbstverständlich für noch bessere Luft« eintrete. Zugleich warnte er davor, den »durchweg positiven Trend wegzudiskutieren«, der sich bei der Luftqualität hierzulande abzeichne. Während er also klar Position gegen die Stigmatisierung des Diesel bezog, betonte er einschränkend zwei Punkte: Er spreche nicht von CO2-Emissionen und seine Argumentation gelte nur für Dieselfahrzeuge der neuesten Euro-6-Generation. Ihre »beste Technologie« sei jedenfalls in der Lage, sämtliche Grenzwerte einzuhalten – für die »heutige Flotte«, die aktuell noch auf den Straßen unterwegs ist, gelte das freilich nicht unbedingt.

Zum Beispiel fehle vielen älteren Autos ein SCR-Katalysator, der Stickoxide mithilfe einer Harnstoff-Wasser-Lösung zu Stickstoff reduziert. Im Zuge des Dieselskandals angeordnete Software-Updates seien ungeachtet dessen zwar zu begrüßen und durchaus wirksam, so Koch. Die Nachrüstung mit entsprechenden Filtern habe dagegen wenig Sinn: »Sie kann im Einzelfall helfen, ist auf die ganze Flotte mit den vielen unterschiedlichen Modellen gesehen aber eher ein Sicherheitsrisiko.«

Dafür, dass es überhaupt zu Problemen mit dem Diesel gekommen ist, machte Koch neben der Industrie die Politik verantwortlich – namentlich die Europäische Union. Diese habe »eine unglaubliche Grauzone« geschaffen, indem sie lange keine Grenzwerte für den Betrieb unter realen Bedingungen festgelegt habe. So seien ausgerechnet jene Hersteller benachteiligt worden, die Innovationen zur Senkung der »Real Driving Emissions« vorangetrieben hätten. Weiter kritisierte Koch Teile der Medien, weil sie den Diesel einseitig an den Pranger stellten, statt ihn »faktenbasiert« zu bewerten: »Die Berichterstattung ist eine einzige Katastrophe«.

Für die Mobilität der Zukunft seien strenge Grenzwerte nun ebenso wichtig wie prinzipielle »Technologieneutralität«. Generell zeige sich, dass der Weg zum sauberen Diesel »weniger ein Technologieproblem, sondern mehr ein Zeitproblem ist«. Schließlich drohen Fahrverbote, und die EU-Kommission entscheidet am Donnerstag, ob sie Deutschland wegen zu hoher Stickoxidwerte in den Innenstädten verklagt. »Keine Technologie hat in den vergangenen Jahren so zur Verbesserung der Luftqualität beigetragen wie der Verbrennungsmotor.« (Foto: csk)

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