Tanzfotografien in XXL

Unglaublich! Absolut beeindruckend! So viel Kraft und Dynamik! Die Ausrufe der Bewunderung nahmen kein Ende im kleinen Raum der Alten Kupferschmiede am Tiefenweg, wo die TanzArt ostwest mit einer Ausstellung von Rolf K. Wegst startete.
11. Mai 2018, 22:05 Uhr
Fotograf Rolf Wegst und Caitlin Rae-Crook vor dem großen Fotodruck mit der Tänzerin in ihrer Rolle als Lavinia. (Foto: dkl)

Die TanzArt ostwest startet mit Tanzfotografien von Rolf K. Wegst. Ballettdirektor Tarek Assam begrüßte die Gäste zur Vernisage in der Alten Kupferschmiede, Kulturphilosoph Marko Karo reflektierte über Herkunft und Besonderheit der Fotografie als eine Kunstform des Theaters zwischen Tod und Leben.

Rolf K. Wegst fotografiert seit Jahren für das Stadttheater, fühlt sich dort insbesondere der Tanzcompagnie verbunden, zu deren Bühnenstücken er in den vergangenen Jahren schon mehrmals Ausstellungen präsentierte. Für den ehemaligen Werkstattraum der Kupferschmiede hat er nun ein besonderes Konzept entwickelt. Die Fenster sind verschlossen, Licht erhalten die absolut beeindruckenden XXL-Fotodrucke auf Lkw-Planen vor allem durch Scheinwerferspots.

Wegst hat Fotografien vom letztjährigen Tanzstück »Titus Andronicus« (Choreografie Tarek Assam) ausgewählt und sie in Schwarzweißfotos umgewandelt. »Damit die Figuren sich aus dem Dunkel heraus entwickeln, wie es im Stück auch angelegt war«, erklärt er im Gespräch. Die überlebensgroßen Nahaufnahmen der Tänzer und Tänzerinnen zeigen auf diese Weise deutlich deren hohe Konzentration in Mimik und Gestik (vor allem bei Magdalena Stoyanova und Caitlin Rae-Crook), zeigen deren Körperbewegungen in besonderen, durch die Momentfotografie still gestellten Positionen. Immer wieder atemberaubend ist die tiefe Rückwärtsbeuge von Sven Krautwurst.

Das besondere Highlight bei der Vernissage war die Performance der zierlichen TCG-Tänzerin Caitlin-Rae Crook, die eine Art Kurzform ihrer Rolle als Lavinia in dem Tanzstück zeigte. Lavinia ist darin die vergewaltigte und verstümmelte Tochter von Titus. Die Tänzerin bezog durch ihren Blick auf die Fotos entsprechende Szenen mit ein, nutzte die Bauklötzchen-Requisiten aus dem Stück und präsentierte noch einmal das verzweifelte Bemühen von Lavinia mit einem Stöckchen im Mund die Namen der Vergewaltiger in den Sand zu schreiben. In ihrer verletzlichen Direktheit eine absolut berührende Performance. Tosender Beifall.

Die Ausstellung »TanzArtik 2018-1 XXL« ist nur während des TanzArt-Festivals zu erleben: 11. bis 13. Mai, 17. bis 21. Mai., jeweils 15 bis 18 Uhr im Tiefenweg 7. Für nächsten Dienstag und Mittwoch gibt es noch freie Plätze für kurze Foto-Workshops mit Tänzern der TCG, Anmeldung unter rolf.k.wegst@gmx.de.

Die nächste Premiere ist die Performance »Close_Insight« von Tiago Manquinho im Treppenhausanbau der Uni-Chirurgie, unter den blauen Segeln des Künstlers Nikolaus Koliusis. Am Samstag, 12. Mai, um 18 Uhr ist offizielle Eröffnung, 19 Uhr Beginn. Weitere Vorstellungen am 13. Mai um 17 und 19 Uhr sowie am 20. und 21. Mai um 11 Uhr.

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