07. Juni 2011, 20:35 Uhr

Tagesmütter aus Stadt und Kreis bilden Interessengemeinschaft

Gießen (kw). Die Stadt will den Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren beschleunigen, viele Familien finden für ihre Kleinen keinen Platz: Über diese Auskünfte des Jugendamts hat die Gießener Allgemeine Zeitung kürzlich berichtet. Einigen Tagesmüttern ist das sauer aufgestoßen.Sie bemühten sich häufig vergeblich um Kinder, zahlreiche Plätze seien frei.
07. Juni 2011, 20:35 Uhr
Tagesmütter und -väter in Stadt und Kreis bieten - wie hier in der Kindergruppe Unterm Hardtwäldchen - qualifizierte Betreuung: Darauf will die neue Interessengemeinschaft aufmerksam machen. (Foto: Schepp)

Um darauf aufmerksam zu machen, haben rund ein Dutzend Frauen aus Stadt und Kreis kürzlich eine »Interessengemeinschaft der Tagesmütter« gegründet.

Gegen Tagesmütter und -väter gebe es Vorurteile, weiß Stefanie Neumann, die Vorsitzende der neuen IG. »Viele denken immer noch, wir nehmen ein paar Kinder zu unseren eigenen dazu in die Wohnung und machen nebenbei unseren Haushalt.« Doch alle Kolleginnen seien vom Jugendamt aufwendig qualifiziert und hätten eine Pflegeerlaubnis. Etliche brächten ohnehin eine pädagogische Ausbildung mit. Viele hätten eigene Räume angemietet. Manche allerdings müssten kurz nach der Schulung schon wieder aufgeben, weil die Kinder ausbleiben. Schwer hätten es insbesondere diejenigen, die nicht in direkter Nähe größerer Arbeitgeber tätig sind. Sogar im Gießener Stadtgebiet gebe es Gruppen mit mehreren freien Plätzen.

Gegen solche Probleme wollten die nun zusammengeschlossenen Tagesmütter nicht länger als »Einzelkämpferinnen« angehen, so Stefanie Neumann. »Wir brauchen mehr Gehör.« Die IG wolle die Öffentlichkeit informieren und ihre Anliegen auch bei den Jugendämtern von Stadt und Kreis gemeinsam vertreten. Von Seiten der Behörden könnte die Tagespflege stärker gefördert werden, so ein Wunsch der Initiatorinnen.

»Wir begrüßen es sehr, dass Tagesmütter sich zusammentun«, sagt Brita Ratzel vom Verein Eltern helfen Eltern, der für die Stadt und einen Teil des Landkreises die Vermittlung in Tagespflegestellen steuert. Ratsuchenden »erzählen wir natürlich immer wieder, dass die Tagesmütter eine Pflegeerlaubnis haben und geschult sind«. Klar gestellt werde auch, dass in und um Gießen die Gebühren dafür nicht höher sind als für Kitas. Dennoch gebe es Vorbehalte gegen diese privatere Form der Betreuung. Für die ganz Kleinen unter einem Jahr wünsche sich mancher zwar ausdrücklich Tagespflege, doch die Mehrheit der Familien bevorzuge eine Tagesstätte und nutze eine Tagesmutter höchstens als Zwischenlösung, solange das Kind auf einer Warteliste steht.

Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Manche wünschten sich längere oder andere Öffnungszeiten, als sie die in Frage kommende Tagesmütter bieten. Dass die Kinder auch versorgt sind, wenn eine Betreuungsperson krank wird, trauten viele eher einer Kita zu. Gerade in Gießen sei für etliche Familien zudem die geografische Lage entscheidend. Studierende ohne Auto bräuchten nun einmal einen Platz in der Nähe ihrer Wohnung oder Hochschule, weiß Brita Ratzel.

Das Wahlrecht liegt bei den Eltern. Keine Behörde kann ihnen vorschreiben, wo sie ihr Kind betreuen lassen. Das betont Holger Philipp, Leiter des Gießener Jugendamts. Tagespflege sei vor allem gefragt für individuelle Lösungen und für die Abdeckung von »Randzeiten« etwa am Abend. Das bekräftigt Matthias Spangenberg, Fachbereichsleiter beim Amt für Jugend und Soziales des Landkreises. »Wir haben viele Anfragen von Eltern, die zum Beispiel zusätzlich Betreuung nach der Kita bis 20 Uhr brauchen.« Tagespflegepersonen, die darauf eingehen oder fest mit Einrichtungen zusammenarbeiten, hätten oft Erfolg. Schwer hätten es diejenigen, die gerade erst anfangen und keine Spielkameraden »bieten« können: Eltern wollten meist, dass ihr Kind mit Gleichaltrigen zusammen ist. »Wir wissen, dass einige Tagespflegepersonen natürlich merken, wenn vor Ort eine Krabbelgruppe aufmacht«, räumt Spangenberg ein. Doch das Jugendamt sei auf beide Betreuungsformen angewiesen.

Für Stadt wie Kreis betonen die Jugendamts-Vertreter: Ohne Tagespflege sei der Betreuungs-Rechtsanspruch ab einem Jahr nicht zu erreichen. Derzeit gibt es in der Stadt Gießen 640 Plätze für Kinder unter drei Jahren, davon 120 in Tagespflege. 110 »U3«-Kinder stehen auf Wartelisten für Einrichtungen. Der Kreis bietet 1420 Plätze, davon 440 bei Tagesmüttern oder -vätern.

Wer bei der Interessengemeinschaft mitmachen oder Näheres erfahren will, kann sich an Stefanie Neumann wenden unter Tel. 06 41/1 30 95 42. Falls niemand abnimmt, sollte man eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen.

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