20. Mai 2013, 19:58 Uhr

Tag der offenen Tür der Oberhessischen Eisenbahnfreunde

Gießen (csk). Alt trifft neu, Geschichte trifft Moderne, ein Triebwagen aus den 1950ern trifft einen Regionalexpress heutiger Tage. Das Bild, das sich am Sonntagmittag auf Gleis fünf des Gießener Bahnhofs bietet, sieht man so wohl eher selten.
20. Mai 2013, 19:58 Uhr
Mit dem Triebwagen der Baureihe Vt 798 ging’s vom Bahnhof zum Vereinsgelände. (Foto: csk)

Und es gewinnt noch an Charme, als viele Wartende nicht in den Zug Richtung Hanau steigen, sondern in den Schienenbus direkt dahinter. Die Fahrt ist nicht lang, auf dem Vereinsgelände der Oberhessischen Eisenbahnfreunde (OEF) in der Lahnstraße ist Schluss. Oder besser: Hier geht es erst richtig los, beim »Tag der offenen Tür« für Eisenbahn-Nostalgiker und solche, die es werden wollen.

Und das sind am Sonntag ganz schön viele. Zwischen Zügen, Loks und Triebwagen tummeln sich Dutzende Menschen. Sie nutzen das gute Wetter, tauschen den Modelleisenbahn-Keller gegen echte Bahnatmosphäre. »Anfassen erlaubt«, wie die Einladung verspricht. Gesagt, getan. Dass Karten und Bücher seit fast 60 Jahren in dem Postwagen (Baujahr 1956) liegen, darf bezweifelt werden – was sie umso interessanter macht. Marion Siebenkittel und ihr Sohn Nico stöbern in den Plastikkästen. Eine Verbindung zur Bahn haben sie nicht, dafür Erfahrung mit ähnlichen Veranstaltungen. Kürzlich waren sie im Eisenbahnmuseum Kranichstein. »Kein Vergleich zu heute«, meint Marion Siebenkittel, »hier sind die Leute netter, alles ist offener.«

»Offen« durchaus im Wortsinn. Heiko Philippi, der Erste Vorsitzende der OEF, führt die Besucher zum historischen Schneepflug am Eingang des Vereinsgeländes, einer Lok mit gut 2,50 Meter großem Räumgerät davor. So beeindruckend groß das Werkzeug ist, so bedrückend klein ist die Einstiegstür. Am Kommandostand erzählt Philippi, er habe den Schneepflug gerade getestet, »der funktioniert absolut einwandfrei«. Unterdessen beschäftigt den Reporter mehr der Crash mit der Tür als der Crashkurs »Technik«.

Ähnlich eng wirkt das Führerhaus des Zugs nebenan, zumal schon ein Mann mit Bahn-Uniform auf dem Fahrersessel Platz genommen hat. Er sehe so aus, als könne er das Ungetüm erklären? Falsche Frage – und doch genau die richtige. »Ich weiß darüber wenig«, antwortet der Fachmann. Dann setzt er an zu einem Vortrag: Was die Lokbremse von der Zugbremse unterscheidet, leuchtet noch ein, spätestens bei der Aufgabenverteilung zwischen Kraftstoffförderpumpe und Schmierölvorpumpe wird es aber zu kompliziert.

»Danke für die Erklärung«, raus geht’s über eine der blauen Eisentreppen, die vor allen Wagen stehen. Mitunter passieren dabei kleine Unfälle. Ein Dreikäsehoch warnt seinen Opa vor »Wackelangst«, um Sekunden später selbst zu stolpern. Glück gehabt, nichts passiert. Bleibt die Erkenntnis: Lange Schritte und kurze Beine – das passt nicht immer zusammen. Der Großvater wirkt erleichtert, gönnt sich Bier und Bratwurst. Und der Glückspilz? Überhört Opas Hinweis auf die gefahrenfreie Modelleisenbahn und klettert in die nächste Lok.

Eisenbahn-Erotik wird er später in Andreas Paetows Wagen erleben. Paetow fotografiert gerne und er hat ein Herz für die Bahn. Was also läge näher, als Züge und Gleise zu fotografieren? »Locomotions« nennt er eine seiner Fotostrecken. Eine andere zeigt leicht bekleidete Frauen auf Gleisen, in Zügen und auf Bahnhöfen. Mit all den Bildern und mit jeder Menge Fundstücken ist Paetows Wagen gleichsam das Museum der OEF. Der Besitzer nutzt ihn außerdem als Partyraum und Ruheort. »So viel Platz haben Sie in keinem Wohnwagen«, schmunzelt Paetow ob dieser Zweitwohnung auf Schienen.

2014 eine Dampflok?

Da sage noch einer, die Bahn sei nur voll und immer zu spät. Trotz allem leiden die Oberhessischen Eisenbahnfreunde unter Mitgliederschwund. 80 Menschen gehören dem Verein im 21. Jahr seines Bestehens an. Laut Heiko Philippi sind davon aber lediglich zehn aktiv. Besonders der Nachwuchs fehlt. Vielleicht ändern das ja die drei »Tage der offenen Tür«. Am Samstag kamen 150 Gäste, Sonntag waren es nach 30 Minuten ebenso viele, am Montag spielte das Wetter nicht recht mit. Wie er die Eisenbahn-Nostalgiker und solche, die es werden wollen, kommendes Jahr gewinnt, weiß Philippi jedenfalls schon: »Unser Traum ist, 2014 eine Dampflok zu zeigen.«

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