17. Dezember 2012, 20:53 Uhr

Südafrika: Schwarze lernten kochen und Wäsche waschen

Gießen (pd). »Wenn der Bleistift im Haar steckenbleibt, bist du schwarz, wenn nicht, bist du weiß.« Siphesihle Masango berichtet den Oberstufenschülern vom »Pencil-in-the-Hair-Test«.
17. Dezember 2012, 20:53 Uhr
Siphesihle Masango berichtet Schüler/nnen des LLG von ihrer südafrikanischen Heimat. (Foto: pd)

Sie erzählt, wie schwarze Menschen systematisch von Bildung ferngehalten wurden und wie schwierig es während des Apartheid-Regimes werden konnte, vom Wohnort an die Arbeitsstelle zu gelangen. Die 23-Jährige hat bei ihrem Besuch am Landgrafs-Ludwigs-Gymnasium mit den Schüler/innen des Leistungskurses Politik/Wirtschaft über ihr Heimatland Südafrika gesprochen. Die Jugendlichen des Jahrgangs 13 stellen viele Fragen an die Psychologiestudentin, etwa zur Aids-Problematik oder darüber, wie sich die Fußball-WM 2010 für Gastgeber Südafrika ausgewirkt hat.

Siphesihle Masango ist seit September in Deutschland, wohnt bei des Familie des heimischen FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann Otto Solms in Lich und absolviert bis Ende des Monats ein Praktikum im Kinderheim der Evangelischen Stiftung Arnsburg. Während ihrer Zeit in Deutschland hat sie für den deutsch-südafrikanischen Verein Masifunde Bildungsförderung knapp ein Dutzend Schulen besucht und unter anderem in Berlin, Mainz und Duisburg von ihrem Heimatland erzählt. »Ich bin stolz auf Südafrika«, antwortete sie auf die Frage einer Schülerin. Doch das heißt nicht, dass der 23-Jährigen, die in ihrer Heimatstadt Port Elisabeth studiert, alles gefällt, was im Land am Kap passiert.

So räumt sie ein, dass es nach dem Ende der Apartheid-Politik zwar keine offizielle Rassentrennung mehr gibt, dass der Rassismus seit der Wahl von Nelson Mandela zum südafrikanischen Präsidenten aber längst nicht ausgerottet ist. Offen kritisiert sie auch die Tatsache, dass der aktuelle Präsident Jacob Zuma in einem Land mit einer riesigen Aids-Quote sechs Ehefrauen »und noch ein paar Geliebte nebenher« hat.

Detailliert berichtet Siphesihle Masango von den späten 40er- und frühen 50er Jahren, als die Apartheid-Politik der National Party in immer mehr Gesetzen verankert wurde. So galt ab 1949 ein Verbot von Mischehen, später wurden Beziehungen zwischen Weißen und Menschen anderer Rassen verboten, Masango schildert, dass viele Familien durch die Gesetzgebung der Regierung getrennt worden seien. Während Weiße freien Zugang zum Bildungssystem hatten, durften Schwarze in der Schule lernen, wie man Reis kocht, Wäsche wäscht oder Baby betreut.

Viele leben in Townships

Mit dem Beginn der 90er Jahre sei das Apartheid-System gebröckelt, weniger aus Einsicht als vielmehr der Tatsache geschuldet, dass Südafrika international mehr und mehr isoliert gewesen sei. »Our economy was falling apart«, betont die 23-Jährige. Lebhaft erinnert sich die Studentin an ihren ersten Schultag 1995, als sie neben einem weißen Jungen saß – für Monate habe es für sie kein anderes Thema gegeben. Trotz der Aufhebung der Rassentrennung leben viel schwarze Südafrikaner nach wie vor in »Townships«. Sie selbst müsse nach der Uni arbeiten gehen, um sich ihr Studium zu finanzieren. Wie wichtig Bildung ist, hat sie längst erkannt. »If you don’t have a degree in South Africa, you are nothing«, erklärt sie den Oberstufenschülern.

Auch aus diesem Grund glaubt sie an Erziehung und Bildung. Und deshalb unterstützt sie den Verein Masifunde, der durch umfassende Bildungsprogramme sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Walmer Township von Port Elisabeth fördert.

An die Umstände in Deutschland hat sie sich in den vergangenen Monaten schnell gewöhnt. »So sehr unterscheidet sich das Leben hier nicht von dem in Südafrika.« Bei Kleidung und Essen gebe es kaum einen Unterschied. Das Wetter hält sie allerdings für gewöhnungsbedürftig. »Ich liebe den Schnee«, lobt sie die schönen Seiten des deutschen Winters. »Aber ich hasse die Kälte.«

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