04. August 2016, 18:33 Uhr

Strafanzeige gegen Bestatter

Gießen (ta). Besuch von der Polizei bekommen wird demnächst der Inhaber eines Gießener Bestattungsunternehmens: Eine empörte Hinterbliebene hat Strafanzeige wegen Veruntreuung gegen ihn erstattet.
04. August 2016, 18:33 Uhr
Eine Beerdigung ist teuer. (Foto: pv)

Der Unternehmer hat auch anderthalb Jahre nach einer Beerdigung immer noch nicht die fällige Abrechnung mit dem Guthaben aus einem Vorsorgevertrag vorgenommen. Die Tochter der Verstorbenen ist deshalb überzeugt, der Bestatter habe das überzählige Geld in die eigene Tasche gesteckt.

Dabei hatte die Geschäftsbeziehung reibungslos begonnen. Im Jahr 2013 hatten die betagten Eltern der Frankfurterin einen Vorsorgevertrag mit dem Gießener Unternehmen abgeschlossen und dafür 9000 Euro eingezahlt. Als der Kunde im folgenden Jahr starb und beerdigt wurde, wurden die angefallenen Kosten von rund 4000 Euro gegenüber den Hinterbliebenen rasch abgerechnet.

Auf die Abrechnung nach dem Tod der Mutter im Januar 2015 warten deren Kinder hingegen bis heute. Als sie nach einigen Wochen die Verrechnung anmahnten, bekamen sie nur Ausflüchte zu hören: Der Blumenlieferant und das Trauercafé seien noch nicht bezahlt worden. Eine der beiden Frankfurterinnen sprach sogar persönlich in Gießen vor, wurde von einem Beschäftigten jedoch mit dem Verweis auf einen langen Krankenhaus-Aufenthalt des Inhabers vertröstet.

Im Mai machte die verärgerte Tochter schließlich die GAZ-Stadtredaktion auf das eigenwillige Geschäftsgebaren des Bestattungsunternehmens aufmerksam. Es gehe ums Prinzip, betonte sie: Selbst wenn die restlichen 5000 Euro für die Beerdigung der Mutter benötigt worden seien, erwarte sie eine ordnungsgemäße Abrechnung.

Doch auch die Redaktion kam nicht weiter. Telefonische und schriftliche Anfragen wurden entweder gar nicht oder lapidar mit Hinweisen auf »eine schwierige Kundin« oder die Erkrankung des Chefs beantwortet.

Parallel dazu schaltete die Frankfurterin den Bund Deutscher Bestatter ein, und zwar dessen in Düsseldorf ansässige Schlichtungsstelle. Deren Leiter nahm sich der offenkundig berechtigten Kritik an und sprach zweimal mit dem Gießener Unternehmer. Der sagte schließlich zu, dass die Angelegenheit bis Ende Juli über die Bühne geht.

Ist sie aber nicht. Stattdessen hat die Frankfurterin in dieser Woche erfahren, dass der Bestatter die 9000 Euro entgegen der Gepflogenheit gar nicht auf ein Treuhandkonto des Bestatterverbandes eingezahlt hatte. Dadurch ist bei ihr der Geduldsfaden gerissen: Am Donnerstag saß sie eine Stunde lang bei der Polizei, um Anzeige zu erstatten und das nach ihrer Meinung kriminelle Verhalten des Unternehmers zu erläutern.

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