08. Juni 2018, 22:07 Uhr

Stille Freude über mehr Geld

08. Juni 2018, 22:07 Uhr
Hessens Frauenhäuser sind oft überfüllt mit Gewaltopfern. (Symbolfoto: sk)

Vernehmliche Aufschreie waren in den letzten Jahren immer wieder zu hören, wenn soziale Initiativen Zuschusskürzungen verkraften mussten. In aller Stille freuen sich nun etliche Vereine über mehr Geld aus den öffentlichen Kassen. Vertreterinnen der beiden Gießener Frauenhäuser und des Selbstverteidigungsvereins Unvergesslich weiblich bestätigen unisono die frohe Botschaft, die die Grünen-Landtagsabgeordnete Sigrid Erfurth verkündet: Das Land hat unter der schwarz-grünen Regierung in den letzten fünf Jahren das Sozialbudget drastisch erhöht. Davon profitieren gerade auch Frauenvereine. Sorge bereitet den Frauenhäusern indes die Wohnungsnot.

Stolz auf steigendes Sozialbudget

Im Jahr 2014 stellte das Land Hessen noch 70 Millionen Euro für Soziales zur Verfügung, dieses Jahr sind es laut Erfurth über 100 Mio., für 2019 seien 119 Millionen Euro vorgesehen. Für den Landkreis Gießen bedeutet das eine Steigerung von rund 578 000 auf 933 000 Euro. Das hätten maßgeblich die Grünen durchgesetzt, erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag nach einem »runden Tisch« im Rahmen der Tour »Grün wirkt«. Mit ihren Gießener Parteifreunden Klaus-Dieter Grothe (Fraktionsvorsitzender Stadtparlament), Katrin Schleenbecker (Landtagskandidatin) und Hiltrud Hofmann (Kreisbeigeordnete) tauschte sie sich aus mit Vertreterinnen des Autonomen Frauenhauses, des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) sowie von Unvergesslich weiblich.

Der Schutz von Frauen vor Gewalt bleibe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, »die noch nicht gelöst ist«, lautete ein Fazit. Noch immer werde das Problem »oft geleugnet«, meinte Erfurth. Dabei seien die Frauenhäuser in Hessen oft überfüllt. Das liege unter anderem daran, dass die Bewohnerinnen in Ballungsräumen nur schwer eine bezahlbare Wohnung finden. Der jahrzehntelange Stillstand beim sozialen Wohnungsbau räche sich, sagte Ute Bechtum vom Autonomen Frauenhaus dazu. Sie betonte zugleich, dass die Wohnbau Gießen sich trotz immer längerer Wartelisten seit Jahren bemühe.

Weitere Probleme seien die ungeklärte Finanzierung von Frauen aus dem EU-Ausland sowie von geflüchteten Frauen ohne sicheren Aufenthaltsstatus, die bisher ehrenamtlich erledigte Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft und Engpässe bei der Unterbringung in den ersten Nächten.

Einiges sei dank des größeren Geldflusses aber auch leichter geworden, unterstrichen die Vereinsfrauen. So hat das Autonome Frauenhaus die Zahl der Stellen um eine halbe auf drei erhöht und kann nun auch die Tarifsteigerung weitergeben. Der SkF freut sich laut Geschäftsführerin Yvonne Fritz seit 2016 über einen Rahmenfinanzierungsvertrag, der Preissteigerungen berücksichtigt. Für Unvergesslich weiblich sei der 5500-Euro-Zuschuss eine wertvolle Hilfe, erklärte Doris Kroll – nach der Sparwelle »Operation sichere Zukunft« vor 15 Jahren hatte der Verein vom Land überhaupt kein Geld mehr bekommen.

Insgesamt halten die beiden Gießener Frauenhäuser 24 Betten für geschlagene Frauen und ihre Kinder vor. 16 davon befinden sich im Autonomen Frauenhaus, das in den letzten Jahren eine Belegung von über 80 Prozent verzeichnete. Sinnvoll seien höchstens 70 Prozent, sagte Ute Bechtum. Im vergangenen Jahr fanden im Autonomen Frauenhaus insgesamt 39 Frauen und 17 Kinder Zuflucht, im SkF-Frauenhaus 10 Frauen und 14 Kinder.

Katrin Schleenbecker wies hin auf die »sehr gute Zusammenarbeit« in Gießen unter anderem auch mit der Polizei. »Darauf können wir stolz sein.«

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