07. September 2018, 06:00 Uhr

Luftverschmutzung

Stickstoffdioxid-Werte in Gießen steigen

Im Jahr 2018 ist in Gießen eine höhere Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid gemessen worden. Diesel-Fahrverbote bleiben aber in der Stadt weiter unwahrscheinlich.
07. September 2018, 06:00 Uhr
Die Neustadt gehört zu den Straßen mit erhöhter Stickstoffdioxid-Belastung. (Foto: Schepp)

Die Entwicklung war absehbar, und dennoch hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Wiesbaden, kurzfristige Diesel-Fahrverbote für den Frankfurter Stadtbereich zu verhängen, Wirtschaft und Politik in Hessen geschockt. Auch in Gießen wird der Grenzwert beim Stickstoffdioxid seit Jahren überschritten, aber bislang steht die Mittelhessen-Metropole nicht im Klage-Fokus der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Das könnte sich ändern, denn zuletzt hat die Luftmessstation an der Westanlage wieder deutlich erhöhte Werte registriert.

Dies geht aus den Daten hervor, die auf der Homepage des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie abgerufen werden können. So lag der Monatsmittelwert in diesem Jahr bislang siebenmal – teilweise deutlich – über den erlaubten 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und nur einmal darunter. Im vergangenen Jahr wurde der Grenzwert in sechs von elf Monaten (November liegt nicht vor) überschritten. Der gleitende Jahresmittelwert für das Jahr 2018 dürfte sich demnach aktuell bei knapp 44 Mikrogramm bewegen; zwei Mikrogramm mehr als der Jahreswert für 2017 und fast vier über dem Grenzwert. Damit würde die Stickstoffdioxid-Belastung in etwa wieder auf das Niveau von vor sechs Jahren ansteigen.

 

Nur einzelne Strecken betroffen

Trotzdem bleibt ein gerichtlich verhängtes Diesel-Fahrverbot für Gießen in nächster Zeit unwahrscheinlich. Wie die DUH am Donnerstag ankündigte, sind in Hessen jetzt erst einmal Darmstadt und Wiesbaden mit Gerichtsverfahren an der Reihe. Die DUH klagt nicht gegen die Städte direkt, sondern die Luftreinhaltepläne, die das hessische Umweltministerium für die verschiedenen Regionen in Hessen aufstellt. Gießen ist mit Wetzlar in einem Plan zusammengefasst.

Im Gießener Magistrat schließt man Fahrverbote bislang aus. Grund: Eine von den Werten der Messstation an der Westanlage auf die Gesamtstadt hochgerechnete Belastung mit Stickstoffdioxid hatte ergeben, dass der Grenzwert nur auf wenigen Hundert Metern in der Westanlage, der Südanlage und der Neustadt überschritten wird. Fahrverbote nur hier zu verhängen und zu kontrollieren, ist auch nach Einschätzung des Hessischen Umweltministeriums nicht realistisch. »Wir haben in Gießen nur auf einzelnen Streckenabschnitten Grenzwertüberschreitungen. Ein streckenweises Dieselfahrverbot halte ich aber für nicht umsetzbar«, sagt Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne), die die Einführung der Blauen Plakette für das wirksamste Mittel zur Luftreinhaltung hält.

Langfristige Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass es entscheidend ist, wo gemessen wird. In Gießen lag die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid 2001 nur bei 39 Mikrogramm. Damals stand die Luftmessstation am Oswaldsgarten und ein ganzes Stück entfernt von der Straße. Da die Station dem Bau der Galerie Neustädter Tor weichen musste, wurde sie in die Westanlage versetzt, wo sie nur der Bürgersteig von der Straße trennt. Prompt schnellten die Werte in die Höhe und lagen 2006 und 2008 bei fast 50 Mikrogramm, ehe sie sich ab 2012 bei 44 und später bei 42 Mikrogramm einpendelten.

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