Stark sein für schwache Herzen

Man schafft die gewohnten Strecken nur noch mit Mühe. Das Treppensteigen fällt schwer und die Müdigkeit nimmt zu. Viele Menschen jenseits der 65 halten solche Symptome für harmlose Altersbeschwerden. Es können allerdings auch erste Hinweise auf eine Herzschwäche sein.
05. Juni 2018, 21:50 Uhr
Aufklärung zum Thema Herzschwäche bieten mit ihrer Kampagne (v. l.) die Professoren Christian Hamm, Andreas Böning, Holger Nef und der Kardiologe Matthias Bayer. (Foto: pd)

Als die »Stiftung Gießener Herz« Ende 2012 gegründet wurde, ging es den Initiatoren der Gießener Klinik für Kardiologie und Angiologie darum, den Herzinfarkt sowie frühe Stadien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiv und effektiv zu bekämpfen. An dieser Zielsetzung hat sich auch knapp sechs Jahre später nichts geändert. »Starke Stadt für schwache Herzen« lautet das Motto der 6. Kampagne der Stiftung, die unter dem Dach der Bürgerstiftung Mittelhessen arbeitetet. »Herz-Kreislauferkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nummer eins«, warnt Prof. Christian Hamm als Direktor der Medizinischen Klinik I am UKGM (Kardiologie/Angiologie) beim Blick auf bedrohliche Erkrankungen davor, nur über Krebs zu sprechen. »Über zwei Millionen Menschen leiden an den Symptomen einer Herzschwäche«, sagt der Kardiologe. Bei einer Herzinsuffizienz ist die normale Herzaktion gestört.

Dass Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems für über 50 Prozent der Todesfälle verantwortlich sind, ergänzt Prof. Holger Nef. Jedes Jahr erleiden etwa 300 000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Davon sterben etwa 170 000 Betroffene am Infarkt selbst oder an den Folgen. Einen Grund für diese Quote sieht der stellvertretende Kliniksleiter in der Tatsache, dass viele Menschen Symptome nicht erkennen oder nicht ernst nehmen und deshalb zu spät einen Arzt aufsuchen. »Manche Patienten plagen sich ein halbes Jahr mit großer Luftnot herum, bevor sie zu uns kommen.« Auch dieses Problemfeld hat die neue Kampagne im Blick. »Starke Stadt für schwache Herzen« möchte Betroffene motivieren, frühzeitig das Gespräch mit einem Arzt zu suchen.

Als Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehen die Experten vor allem falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen und Übergewicht. Anzeichen für Herzinsuffizienz können Kurzatmigkeit, ständige Müdigkeit, geschwollene Knöchel und Beine sowie vermehrtes nächtliches Wasserlassen sein.

Nef unterscheidet bei Herzschwäche zwischen Vorwärts- und Rückwärtsversagen des Blutkreislaufs. Bei einem Rückwärtsversagen staut sich das Blut, das aus dem Körper und der Lunge zum Körper zurückfließt. Das macht sich bemerkbar durch Wassereinlagerungen beispielsweise in der Lunge oder in den Beinen. Beim Vorwärtsversagen kommt weniger Sauerstoff in Körper und Organen an, was sich durch Atemnot und Schwäche bemerkbar macht.

»Die allermeisten Patienten, die an Herzschwäche leiden, werden medikamentös behandelt«, sagt Hamm. Zu 90 Prozent seien ältere Menschen von Herzinsuffizienz betroffen. Welche Behandlung für welchen Patienten am besten sei, werde in der »Heart-Failure-Unit« als zentraler Anlaufstelle für Menschen mit einer schweren Herzinsuffizienz entschieden, berichtet Prof. Andreas Böning. Dreimal wöchentlich kommen die mit Herzerkrankungen befassten Abteilungen am UKGM zusammen, um die für den jeweiligen Patienten beste Lösung zu finden. »Das kann im Einzelfall auch die Operation sein«, sagt der Leiter der Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie. Wenn das Herz ersetzt werden müsse, »ist das Kunstherz nach wie vor mit einem höheren Risiko behaftet als die Transplantation«. Bei einer Transplantation liege die Überlebensrate nach zehn Jahren bei etwa 50 Prozent. »Das wollen wir auf Dauer auch mit der Kunstherz-Transplantation hinbekommen.« In Hessen gebe es pro Jahr zehn Herztransplantationen bei Erwachsenen. »Auf diesem Sektor hat die Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim die Krone auf«, verdeutlicht Böning, dass hessenweit sämtliche Herztransplantationen an Erwachsenen mittlerweile in der zum UKGM gehörenden Klinik in der Wetterau vorgenommen werden.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Gießen
  • Herz- und Kreislauferkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
  • Müdigkeit
  • Patienten
  • Universitätsklinikum Gießen und Marburg
  • Armin Pfannmüller
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.